Erstellt am 19. Oktober 2016, 13:05

von APA Red

Lob und Kritik für geplantes Schulautonomiepaket. Am geplanten Schulautonomiepaket der Regierung scheiden sich wieder einmal die Geister.

Geplante Schulreformen sorgen wieder einmal für Aufregung  |  APA

Während es aus den Bundesländern vorerst einhellige Zustimmung für die am Dienstag vorgestellten Eckpunkte gibt, befürchten Eltern-, Schüler- und Lehrervertretung, dass das Paket "über Jahrzehnte mühsam erkämpfte Mitbestimmungsrechte beschneiden bzw. zur Farce verkommen lassen" könnte.

Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) pries die Schulautonomie als "Kernpunkt der Bildungsreform, die auch die ideale Voraussetzung für die Ganztagsschule mit verschränktem Unterricht bietet". Sie sei ein erster, großer Schritt in die richtige Richtung, Kärnten sei mit seinem Schulstandorte-Konzept mit Bildungszentren auf dem richtigen Weg.

Auch der oberösterreichische Bildungsreferent Thomas Stelzer (ÖVP) ist vom Autonomiepaket angetan: Es sei eine Weiterentwicklung des österreichischen Bildungssystems, "wir unterstützen das sehr". Das Land stehe als Modellregion für die geplanten Leuchtturmschulen zur Verfügung - "da wollen wir unbedingt beteiligt sein", so Stelzer. Tirols Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) beurteilte das vorgelegte Schulautonomiepaket "grundsätzlich positiv". Darüber hinaus könne sie aber derzeit nicht viel sagen, weil der Gesetzestext noch nicht vorliege.

"Die Idee, dass Schulen miteinander kooperieren und gemeinsame Schwerpunkte setzen, macht gerade in einem Ballungsraum wie Wien sehr viel Sinn", betonten der Wiener Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorszky und Bildungsstadträtin Sandra Frauenberger (beide SPÖ). Zufrieden reagierte auch die niederösterreichische Bildungslandesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) auf das Schulautonomie-Paket. "Die größere Schulautonomie und Entscheidungsfreiheit der Direktoren ist sehr zu begrüßen."

Auch Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) steht dem Schulautonomie-Paket positiv gegenüber. Damit werde das Herzstück der Bildungsreform umgesetzt, erklärte der Bildungsreferent. Die Schulen würden aufgewertet, die Schulleiter "erhalten mehr Gestaltungsfreiheit und können zukünftig inhaltliche Schwerpunkte definieren".

Der aus Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern bestehende Bundes-Schulgemeinschaftsausschuss sprach am Mittwoch hingegen von einer völlig inakzeptablen Entmündigung und kündigt Widerstand an. Dass im Entwurf der Reform von einer beabsichtigten Stärkung der Schulpartnerschaft die Rede ist, sei eine Verhöhnung. Schüler, Eltern und Lehrer sollten offensichtlich aus dem Entscheidungsprozess herausgeboxt werden.

Immerhin hätten die Schulpartner bisher etwa bei der Frage der Klassen- und Gruppengröße mitbestimmen dürfen, künftig sollen sie nur noch den Schulleiter "beraten". "Damit mache ich den Schulgemeinschaftsausschuss zu einem Debattierklub, der keine Bedeutung mehr hat", kritisiert Bundeselternverband-Sprecher Gernot Schreyer gegenüber der APA.

Außerdem herrsche schon jetzt an den Schulen Budgetnot. Wenn Schulleiter aus einer solchen Mangelsituation heraus größere Gruppen bilden oder zusätzliche Angebote kürzen müssen, dann sollten wenigstens die Betroffenen eingebunden und die Entscheidung nicht einer einzelnen Person überlassen werden, fordert Schreyer.

Die Direktoren zeigen sich unterdessen abwartend. Für Wilhelm Zillner, Sprecher der AHS-Direktoren, ist vorerst noch nicht absehbar, ob die Reform das von Schulleitern schon lange eingeforderte Mehr an Freiheit bedeuten wird oder nur mehr Mängelverwaltung. Entscheidend seien die konkreten Gesetzesvorschläge. Natürlich würden die Schulleiter sich mehr Autonomie wünschen. "Wir sind mittlerweile im täglichen Leben bei einem Grad an Gängelung angelangt, der nicht mehr erträglich ist."

Viel wichtiger als "große Brocken" wie die Auswahl der Lehrkräfte wäre für Zillner ein Wegfall absonderlicher Regelungen: Als Beispiele nennt er Vorgaben, wo die Schule ihre Bleistifte kaufen muss und dass jede Rechnung "von 17 Stellen kontrolliert wird". "Das ist die Autonomie, die ich bräuchte."

Offen ist für ihn auch noch, ob etwa die angekündigte Flexibilisierung der Unterrichtszeit bestehende Probleme aus dem echten Leben lösen wird. So sei es derzeit etwa auch einer Schule in der Peripherie nicht gestattet, die letzte Stunde um fünf Minuten zu verkürzen, damit die Schüler mit den öffentlichen Verkehrsmitteln pünktlich heimfahren können. "Da würde ich mir ein wenig Autonomie wünschen. Danach können wir über die großen Brocken reden."

Der geplante organisatorische Zusammenschluss von Schulen zu Clustern wird aus Zillners Sicht bei den Bundesschulen nicht viel bringen. AHS und berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS) seien in der Regel so groß und weit voneinander entfernt, dass eine gemeinsame Verwaltung wenig Sinn machen würde.