Erstellt am 07. Januar 2016, 12:13

Börsenbeben in China erfasst die Weltmärkte. Die Kurseinbrüche an Chinas Börsen wirbeln weltweit die Finanzmärkte durcheinander. Der deutsche Leitindex DAX rutschte am Donnerstagvormittag deutlich unter die Marke von 10.000 Punkten.

 |  NOEN, APA (AFP)

Besonders erwischte es die Autokonzerne. Rohöl dagegen kostete so wenig wie zuletzt vor zwölf Jahren, weil China einer der größten Rohstoffabnehmer ist. "Sichere Anlegehäfen" wie Anleihen sowie Gold legten zu.

US-Investor George Soros fühlte sich bereits an die Anfänge der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise erinnert. "Ich würde sagen, das wächst sich zu einer Krise aus", sagte Soros auf einer Veranstaltung in Sri Lanka. "Wenn ich mir die Finanzmärkte anschaue, dann gibt es dort ernste Probleme. Das erinnert mich an die Krise, die wir 2008 hatten."

Auslöser der Turbulenzen sind Sorgen um eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft, die jüngst noch durch schwache Zahlen aus Industrie und Dienstleistungssektor geschürt wurden. Chinas Festland-Börsen brachen daraufhin zum zweiten Mal in dieser Woche so stark ein, dass der Handel vorzeitig beendet wurde. Der entscheidende Index CSI 300 mit den 300 wichtigsten Unternehmen verlor sieben Prozent.

Auch Chinas Devisenberg schmilzt. Wie die Notenbank in Peking mitteilte, betrugen die Währungsreserven im Dezember 3,33 Bill. US-Dollar (3,1 Bill. Euro). Das waren 108 Mrd. Dollar weniger als im Vormonat und der niedrigste Stand seit drei Jahren.

Die Schockwelle griff auf Japan und andere asiatische Märkte über, die eng mit China verwoben sind. Zur Eröffnung rutschten dann auch die Aktienkurse in Europa in den Keller. Bis zum späten Vormittag sackte der DAX um 3,18 Prozent auf 9.888,98 Punkte ab. Es war der vierte Handelstag in Folge mit teils deutlichen Verlusten - insgesamt ging es im deutschen Leitindex seit Jahresbeginn um mehr als acht Prozent abwärts.

Auch der Leitindex ATX der Wiener Börse verlor kräftig und lag gegen Mittag mit einem Minus von vier Prozent bei 2.269 Punkten. Zu den größten Verlierern im ATX zählten der Ölfeldausrüster Schoeller Bleckmann (-6,4 Prozent) und OMV (-6,04 Prozent). Auch Wienerberger, Lenzing, voestalpine, Zumtobel, RHI, Post und CA Immo lagen über vier Prozent im Minus.

An den globalen Finanzmärkten sorgten sich die Anleger auch wegen der weiteren Abwertung der chinesischen Währung Yuan (Renminbi). Dies könnte auf eine noch größere Schwäche der chinesischen Wirtschaft hindeuten als aus offiziellen Statistiken hervorgehe, sagte Marktanalyst Angus Nicholson vom Broker IG.

Vor diesem Hintergrund waren die als "sichere Häfen" geltenden Anlageformen gefragt: Der Preis für eine Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) kletterte zuletzt auf 1.096 US-Dollar. Seit dem Jahreswechsel ist der Goldpreis damit um etwa 35 Dollar gestiegen.

Auch Staatsanleihen von als solide angesehenen Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder der Schweiz wurden von den Anlegern angesteuert. Am Devisenmarkt profitierte vor allem der japanische Yen, der ebenfalls als Rückzugsort in Krisenzeiten gilt. Zum Dollar stieg der Yen auf den höchsten Stand seit Ende August, zum Euro auf den höchsten Stand seit Mitte April.

Die Preise für Rohöl fielen mit rund 32 Dollar unterdessen auf den tiefsten Stand seit fast zwölf Jahren. Auch andere Rohstoffe wie Industriemetalle oder Agrarprodukte gerieten unter Druck. Währungen von Ländern, die stark in der Rohstoffproduktion engagiert und wirtschaftlich mit China verflochten sind, gaben ebenso nach. Das galt besonders für den Australischen sowie den Kanadischen Dollar.