Erstellt am 12. Oktober 2015, 21:06

von APA/Red

Brite Angus Deaton erhält Wirtschaftsnobelpreis. Auszeichnung - Für seine Forschung zu Konsum und Armut ist der Brite Angus Deaton mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet worden.

Angus Deaton lehrt an der Princeton University  |  NOEN, APA (AFP)

Er habe die Verbindungen von individuellen Konsumentscheidungen und der Gesamtwirtschaft hervorgehoben und somit dazu beigetragen, die Fachgebiete der Mikro- und der Makroökonomie sowie der Entwicklungsökonomie zu verändern, teilte das Preiskomitee am Montag in Stockholm mit.

Der frisch gekürte Preisträger sagte, er rechne damit, dass die Armut weltweit weiter zurückgehe. Die Armutsbekämpfung könne auch die Flüchtlingskrise lösen. Dies dauere aber sehr lange, sagte der britisch-amerikanische Ökonom bei einer Pressekonferenz in Stockholm, zu der er per Telefon zugeschaltet war. "Was wir heute sehen, ist das Ergebnis von Hunderten von Jahren ungleicher Entwicklung in der reichen Welt, wodurch ein großer Teil der Welt zurückgelassen wurde, und diese Menschen (...) wünschen sich ein besseres Leben", sagte der 69-Jährige. "Auf kurze Sicht kann nur eine Stabilisierung der politisch instabilen Verhältnisse helfen."

Für eine Wirtschaftspolitik, die Wohlfahrt fördere und Armut eindämme, müssten zuallererst die individuellen Konsumentscheidungen verstanden werden, erklärte die Schwedische Akademie der Wissenschaften. "Mehr als jeder andere hat Angus Deaton dieses Verständnis gefördert."

Der gebürtige Schotte wurde für drei Errungenschaften geehrt: Für ein System, mit dem sich die Nachfrage nach verschiedenen Gütern schätzen lässt und das er um 1980 mit seinem Kollegen John Muellbauer erschaffen hat, für Studien zur Verbindung zwischen Konsum und Einkommen aus den Jahren um 1990 und für seine Arbeit zum Erfassen von Lebensstandards und Armut in Entwicklungsländern mittels Umfragen unter Haushalten.

Seine Forschung belegt, wie der Umgang mit Haushaltsdaten ein Licht auf verschiedene Fragestellungen werfen kann - beispielsweise die Beziehung zwischen Einkommen und Kalorienaufnahme und das Ausmaß von Geschlechterdiskriminierung innerhalb von Familien. Deatons Fokus auf Haushaltsumfragen habe dabei geholfen, die Entwicklungsökonomie von einem "theoretischen Feld" auf ein empirisches mit detaillierten individuellen Daten zu führen, erklärte das Preiskomitee.

Deaton, der neben der britischen auch die US-Staatsbürgerschaft hat, blickt optimistisch auf den wirtschaftlichen Fortschritt in der Welt. In seinem 2013 veröffentlichten Buch "Das große Entkommen" zeichnete er nach, wie das allgemeine Wohlergehen - besonders die Lebenserwartung und der Wohlstand - über die Jahre gewachsen sind.

In einer Videoschaltung sagte der Preisträger am Montag vor Journalisten, er glaube, dass Armut weiter zurückgehe. "Ich sehe einen Rückgang voraus", sagte Deaton, der seit 1983 an der Universität Princeton in den USA lehrt. In den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten sei bereits ein "bemerkenswerter Fortschritt" erzielt worden. "Aber wir sind noch nicht über den Berg", ergänzte er und verwies auf die 700 Millionen extrem armen Menschen, die es laut Weltbank weiterhin gibt.

Mit der Bekanntgabe des Preisträgers in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften geht der heurige Reigen der Nobelpreise zu Ende. Die Auszeichnungen werden am 10. Dezember - dem Todestag des Stifters Alfred Nobel - feierlich verliehen. Der Wirtschaftsnobelpreis geht im Gegensatz zu den anderen Preisen nicht direkt auf das Testament von Nobel zurück. Er wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank in Gedenken an Nobel ins Leben gerufen und wird seit 1969 verliehen.