Erstellt am 23. März 2016, 14:01

Brüderpaar in Terroranschläge verwickelt. Die belgische Staatsanwaltschaft hat Mittwochmittag bestätigt, dass die Terroranschläge vom Vortag von einem Brüderpaar verübt worden sind.

Material von Videokameras wird von der Polizei ausgewertet  |  NOEN, BELGIAN FEDERAL POLICE

Brahim El Bakraoui habe sich im Flughafen in die Luft gesprengt, sein Bruder Khalid in der Metrostation Maelbeek, sagte Staatsanwalt Frederic Van Leeuw vor Journalisten in Brüssel.

Der zweite Selbstmordattentäter vom Flughafen sei noch nicht identifiziert. Ein dritter Tatverdächtiger, der auf dem veröffentlichten Fahndungsfoto eine weiße Jacke trug, war weiterhin flüchtig. Ob es sich dabei um Najim Laachraoui handelt, um dessen Verhaftung am Mittwoch Verwirrung herrschte, sagte Van Leeuw zunächst nicht.

Auf dem Computer des Brüsseler Flughafen-Attentäters, Brahim El Bakraoui, stellten Ermittler ein Testament sicher. Darin habe dieser angegeben, er wisse nicht mehr, was er tun solle, weil er gesucht werde, so Staatsanwalt Frederic Van Leeuw am Mittwoch vor Journalisten.

Der Rechner sei in einem Müllbehälter in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek gefunden worden, fügte Van Leeuw hinzu. In Schaerbeek hatte es am Dienstagabend Razzien nach den Anschlägen gegeben. Bei einer dieser Razzien seien zudem 15 Kilo Sprengstoff sichergestellt worden, so der Staatsanwalt.

Insgesamt sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei den Selbstmordanschlägen im Airport und in der U-Bahn 31 Menschen gestorben und 270 verletzt worden. Die Opfer kommen aus etwa 40 Ländern, Österreicher befinden sich aber nach derzeitigem Stand nicht unter den Getöteten, wie Thomas Schnöll, Sprecher des Außenministeriums am Mittwochvormittag auf APA-Anfrage mitteilte. Ob Österreicher unter den Verletzten sind, lasse sich derzeit aber nicht sagen. Am Nachmittag tagt der Krisenstab des Ministeriums.

Die belgische Gesundheitsministerin Maggie De Block erklärte am Mittwoch in Hinblick auf die laufenden Arbeiten zur Opferidentifizierung: "Wir kennen von einer ganzen Reihe von Menschen ihre Identität. Aber es gibt auch Menschen, die noch in Tiefschlaf gehalten werden und sich in einem kritischen Zustand befinden. Die können wir nicht aufwecken. Der Patient geht vor."

Nach aktuellem Ermittlungsstand besteht "kein Österreich-Bezug" zu den beiden Brüdern, erklärte Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck am Mittwoch auf APA-Anfrage mit. Es gebe keine "Übereinstimmung", so Grundböck auf die Frage, ob es sich bei den Brüdern El Bakraoui um die beiden Komplizen handeln könnte, die mit dem Hauptverdächtigen der Pariser Attentate vom 13. November, Salah Abdeslam, durch Österreich gereist sind. Am 9. September waren drei Männer an der österreichisch-ungarischen Grenze aufgetaucht und wurden in Oberösterreich kontrolliert.

Laut belgischen Medienberichten reiste auch Najim Laachraoui im September durch Österreich und wurde von der Polizei kontrolliert. Laachraoui reiste noch unter dem Namen "Soufiane Kayal", den die belgische Staatsanwaltschaft am Montag in einem Fahndungsaufruf als Alias von Laachraoui angab. Als Soufiane Kayal wurde Laachraoui am 9. September an der ungarisch-österreichischen Grenze im Beisein von Salah Abdeslam und Samir Bouzid kontrolliert, wie aus einem Fahndungsaufruf der belgischen Staatsanwaltschaft vom 4. Dezember hervorgeht.

Innenministeriumssprecher Grundböck wollte die Durchreise Laachraouis als Soufiane Kayal durch Österreich, über die auch die "Kleine Zeitung" berichtete hatte, am Mittwoch nicht bestätigen. "Wir haben unsere Feststellungen den belgischen Behörden weitergeleitet", so Grundböck. Die Frage der Übereinstimmung sei allerdings dort zu prüfen. Bisher gebe es seitens der belgischen Kollegen keine offizielle Informationen darüber, ob Laachraoui tatsächlich durch Österreich gereist ist. Generell konnte Grundböck keine genauen Angaben zu den übermittelten "Feststellungen" machen.

Wie überall in Brüssel wurde am Mittwoch um 12.00 Uhr auch in der EU-Kommission den Opfern der verheerenden Terroranschläge vom Dienstag gedacht. An der Schweigeminute nahmen Kommissionschef Jean-Claude Juncker, Belgiens Regierungschef Charles Michel sowie Außen- und Innenminister, Didier Reynders und Jan Jambon, und der französische Premier Manuel Valls teil.

Am Samstag soll in Brüssel ein Trauermarsch stattfinden. Auf Facebook wurde für den 26. März ab 14 Uhr ausgehend vom Atomium ein solcher Marsch der Trauer und gegen den Terrorismus angekündigt, teilte "DH" am Mittwoch mit. Dieser würde die Haltung zum Ausdruck bringen, dass "wir nicht in der Angst leben wollen".

Hunderte Belgier haben am Dienstagabend in Brüssel der Opfer der Anschläge am Flughafen und in der U-Bahn gedacht. Sie versammelten sich auf der Place de la Bourse im Zentrum der belgischen Hauptstadt und legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Viele waren in die belgische Flagge gehüllt. In vielen Städten weltweit wurden am Abend Wahrzeichen in den belgischen Nationalfarben angestrahlt, unter anderem das Brandenburger Tor in Berlin, der Eiffelturm in Paris und der Trevi-Brunnen in Rom.

Nach den Terroranschlägen am Brüsseler Flughafen haben etwa 1.500 Flugpassagiere die Nacht in Behelfsunterkünften verbracht. Sie seien unter anderem in einer Sporthalle in dem Ort Haasrode sowie einer Turnhalle in Zaventem nahe des Flughafens untergekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf Provinzgouverneur Lodewijk De Witte am Mittwoch.

Der Brüsseler Airport soll auch am Donnerstag für Passagierflüge geschlossen bleiben. Die Zahl aller gestrandeten Passagiere dürfte demnach noch höher liegen. Hotels in der belgischen Hauptstadt boten Betroffenen der Terroranschläge kostenlose Zimmer an.