Erstellt am 02. Oktober 2015, 17:35

von APA/Red

Allianz fordert von Russland Stopp der Angriffe in Syrien. Eine breite Koalition von Berlin über Washington bis Riad hat Russland die Eskalation des Syrien-Konflikts vorgeworfen und den sofortigen Stopp von Angriffen auf die gemäßigte Opposition gefordert.

Russische Luftwaffe bombardiert Ziele in Syrien  |  NOEN, Homs Media Center

"Diese Militäraktionen bedeuten eine weitere Eskalation und werden mehr Extremismus und Radikalisierung schüren", heißt es in einer in der Nacht auf Freitag veröffentlichten Erklärung mehrerer Staaten.

Die russische Luftwaffe bombardiert seit Mittwoch Ziele in Syrien. Alleine am Donnerstag wurden dabei nach Angaben von Aktivisten mindestens sieben Zivilisten getötet, darunter zwei Kinder. Nach Moskauer Darstellung richten sich die Angriffe gegen die Islamistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und andere extremistische Gruppen.

Mindestens sieben Zivilisten getötet

So sei am Donnerstag erstmals die syrische IS-Hochburg in der Provinz Raqqa von Kampfbombern vom Typ Suchoi 34 bombardiert worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Freitag mit. Ein Ausbildungslager und ein getarnter Befehlsposten seien getroffen worden. Laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei mindestens zwölf IS-Kämpfer getötet. Nach Moskauer Angaben wurden auch IS-Ziele in den Provinzen Aleppo an der türkischen Grenze und Idlib "vollständig zerstört".

Die westlich-arabische Anti-IS-Koalition wirft Moskau aber vor, bisher vor allem die gemäßigten Gegner des syrischen Machthabers Bashar al-Assad angegriffen zu haben. Insbesondere die Luftangriffe auf Hama, Homs und Idlib mit zahlreichen zivilen Opfern seien nicht gegen den IS gerichtet gewesen, heißt es in der auf Englisch veröffentlichten gemeinsamen Erklärung von Deutschland, den USA, Frankreich, Großbritannien, der Türkei, Saudi-Arabien und Katar.

Moskau wird darin aufgerufen, seine Angriffe auf die syrische Opposition und Zivilisten "sofort zu stoppen" und seine Bemühungen auf den Kampf gegen den IS zu konzentrieren. Auch die EU zeigte sich am Freitag "besorgt"über zivile Opfer der russischen Angriffe und verlangte von Moskau, seine Ziele "sorgfältig auszusuchen".

Moskau: Militärpräsenz massiv verstärkt

Vor einem Ukraine-Gipfel in Paris traf am Freitag zunächst Frankreichs Staatspräsident François Hollande mit Putin zusammen. Die beiden hätten sich bei einem Treffen bemüht, "die Differenzen beim Thema des politischen Übergangs in Syrien zu überbrücken", hieß es aus französischen Diplomatenkreisen. Frankreich bezeichnet Assad als Hauptverantwortlichen des blutigen Bürgerkriegs in Syrien und fordert einen Machtwechsel, Russland sieht Assad dagegen als Anker der Stabilität.

Bisher gibt es keine Anzeichen, dass die Kritik an Moskau wirken könnte: In Moskau sagte der Vorsitzende des Außenausschusses des russischen Parlaments, Alexej Puschkow, Russland werde in Syrien "so lange wie nötig" sein militärisches Engagement fortsetzen. Er widersprach damit auch einem französischen Medienbericht, wonach er von einem "drei bis vier Monaten" langen Einsatz gesprochen habe. "Die US-Koalition tut seit einem Jahr so, als ob sie den 'Islamischen Staat' bombardiert, aber es gibt keine Ergebnisse", sagte Puschkow dem französischen Sender Europe 1. "Wenn man es effizienter macht, wird es, denke ich, Ergebnisse geben."

Moskau hatte in den vergangenen Wochen seine Militärpräsenz in Syrien massiv verstärkt. Neben Panzern, Kampfflugzeugen und Drohnen sollen auch mindestens 500 Soldaten dort stationiert worden sein. In das Ringen um einen Beendigung des Bürgerkriegs will Putin seinen Verbündeten Assad einbinden und stärken. US-Präsident Barack Obama betonte dagegen vor wenigen Tagen vor der UNO-Vollversammlung, er halte Assad für einen "Tyrannen", der dem Frieden im Wege stehe.