Erstellt am 07. Oktober 2015, 19:20

von APA/Red

Syrische Bodenoffensive mit russischer Hilfe gestartet. Die syrische Armee hat am Mittwoch mit Unterstützung der russischen Luftwaffe und Marine eine Bodenoffensive im Zentrum des Landes gestartet. Das berichteten übereinstimmend syrische Militärkreise und Aktivisten.

Russland unterstützt die Bodenoffensive aus der Luft  |  NOEN, APA (AFP)

 Der russische Präsident Wladimir Putin sagte, Moskau werde das Vorgehen seiner Luftwaffe "mit den Einsätzen der syrischen Armee am Boden" koordinieren.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte zuerst über die Bodenoffensive in der Provinz Hama berichtet: "Zum ersten Mal wurden die Luftangriffe von Kämpfen zwischen Regime-Kräften und Rebellen begleitet", erklärte die in Großbritannien ansässige Organisation. Später sagte ein syrischer Militärvertreter in Damaskus laut Agenturberichten, dass die Armee mit ihren Verbündeten im Norden von Hama eine "breite Bodenoffensive" gestartet habe. Dabei erhielten die Regierungstruppen Unterstützung der russischen Luftwaffe.

Die Armee kämpft dort gegen eine Reihe von oppositionellen Milizen, darunter gemäßigte und islamistische Rebellen sowie die extremistische Al-Nusra-Front. Eine Militärquelle in Hama sagte, die syrische Armee wolle die "südlichen Gebiete der Provinz Idlib von den nördlichen Teilen von Hama abschneiden". Der Beobachtungsstelle zufolge konzentrierte sich der Einsatz auf die Ortschaft Latmeen. Demnach gab es am Mittwoch 37 russische Angriffe auf Ziele in Hama und in Idlib.

Die Beobachtungsstelle sprach von den bisher heftigsten russischen Angriffen in Syrien. Die Angaben der oppositionsnahen Organisation sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

In der Provinz Hama versucht eine Allianz der selbst ernannten "Eroberungsstreitkräfte", allen voran die Al-Nusra-Front, ihren Machtbereich auszuweiten. Die "Eroberungsstreitkräfte" kontrollieren die Provinz Idlib. Russland wird seit dem Beginn seiner Angriffe in Syrien vor einer Woche kritisiert, statt der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) vor allem Teile auch der gemäßigten Opposition anzugreifen.

Putin signalisierte in Moskau seine Unterstützung für eine Bodenoffensive in Syrien. Die Luftwaffe seines Landes werde die syrische Offensive "effizient" unterstützen. Er sprach von "komplizierten Anti-Terror-Einsätzen" der Armee.

"Die Intensität der Angriffe wächst", sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Nach seinen Angaben wurden seit dem Beginn des russischen Einsatzes insgesamt 112 Ziele in Syrien angegriffen. Demnach bombardierten auch erstmals russische Kriegsschiffe vom Kaspischen Meer aus Ziele in Syrien. Es seien 26 Raketen auf insgesamt elf Ziele abgefeuert worden, sagte er. Getroffen worden seien Stellungen des IS sowie der Al-Nusra-Front.

Den USA liegt unterdessen nach Aussage von Verteidigungsminister Ashton Carter kein Gesprächsangebot Russlands zum militärischen Vorgehen in Syrien vor. Carter sagte am Mittwoch in Rom, die USA seien mit Moskau ausschließlich über Fragen der Sicherheit für die Piloten im Kontakt und zu nichts anderem.

Das russische Militär hatte sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums bereit erklärt, mit den USA über eine engere Abstimmung bei Luftangriffen in Syrien zu sprechen. Solange man formal nichts von den Russen höre, gebe es keinerlei andere Gespräche, sagte Carter. Schon gar nicht werde es strategische Gespräche geben. Die russische Strategie sei "tragisch mangelhaft".

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu erklärte, "nur zwei" von bis dato 57 russischen Luftangriffen hätten IS-Zielen gegolten. Er berief sich auf Informationen des türkischen Militärgeheimdienstes. Die anderen Angriffe hätten auf die gemäßigte Opposition abgezielt, die von der Türkei und den USA in ihrem Kampf gegen Assad unterstützt werden.

"Im Moment ist die gemäßigte syrische Opposition fast die einzige Macht im Norden, die sich dem 'Islamischen Staat' entgegenstellt", sagte er. Sollte sie geschwächt werden, könnte das eine neue Flüchtlingsbewegung auslösen.

Ein Kommandant einer von den USA ausgebildeten gemäßigten Rebellengruppe sagte der Nachrichtenagentur Reuters, bei den russischen Angriffen seien ihre Hauptwaffendepots getroffen worden. Bombardierungen am Dienstag in der Provinz Aleppo hätten diese Lager komplett zerstört, erklärte Hassan Haj Ali von der Gruppe Liwa Suqour al-Jabal. Deren Kämpfer hatten den Angaben zufolge in Saudi-Arabien und Katar ein vom US-Geheimdienst CIA organisiertes Militärtraining durchlaufen.

Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer setzt indes in der Syrien-Krise seine Hoffnung auch auf den Iran, wie er am Mittwoch gegenüber dem neuen iranischen Botschafter in Österreich, Ebadollah Molaei, sagte. Der blutige Konflikt in Syrien sei ein "besonders schmerzhaftes und vordringliches Problem", so Fischer.

Er hoffe, dass sich der Iran "konstruktiv - zusammen mit vielen anderen Kräften - an der Lösung des Problems" in Syrien beteiligen werde, so Fischer laut einer Aussendung der Präsidentschaftskanzlei.

Der iranische Botschafter hatte am Mittwoch offiziell sein Beglaubigungsschreiben an Fischer überreicht. Er überbrachte dem Bundespräsidenten laut der Pressemitteilung die "besten Wünsche" des iranischen Präsidenten Hassan Rohani und "ließ keine Zweifel am guten Willen des Iran", das Mitte Juli mit den fünf UNO-Vetomächten sowie Deutschland geschlossene Atomabkommen "gewissenhaft einzuhalten". Fischer bezeichnete das Abkommen neuerlich als "große Chance für alle Beteiligten".