Erstellt am 11. Mai 2016, 13:20

Bundesländer beraten über SPÖ-Spitzenkandidaten. Die Suche nach einem Nachfolger für den zurückgetretenen SPÖ-Chef Werner Faymann beschäftigt weiter die Landesorganisationen der Partei.

Christian Kern  |  NOEN, APA

Mittwochabend tagen die Gremien in Salzburg und Oberösterreich, am Donnerstag im Burgenland. Festlegungen auf Christian Kern gibt es bereits von den Steirern, den Kärntnern, den Niederösterreichern und aus Vorarlberg.

In Salzburg hat Landesobmann Walter Steidl bereits Sympathien für Kern erkennen lassen. In Oberösterreich wollte man sich hingegen nicht festlegen, und auch am Abend könnte es noch keine geben, berichtete das Ö1-"Mittagsjournal" unter Berufung auf Landesgeschäftsführer Peter Binder.

In Tirol sprach sich SP-Klubobmann Gerhard Reheis wie sein Landesparteichef Ingo Mayr für Kern als neuen Bundeskanzler und Parteichef aus. Zwar zeigte sich Reheis auch von Medien-Manager Gerhard Zeiler angetan, aber Kern sei ein "hervorragender Mann", der einem "auf Augenhöhe entgegenkommt" und "nicht abgehoben" sei, sagte Reheis der APA. Auch im Landtagsklub werde Kern favorisiert, so Reheis.

Parteichef Mayr hatte angekündigt, zunächst das Treffen mit den Kandidaten am Freitag abzuwarten, und dann die Vorstandsmitglieder der Landespartei zu informieren. Einen formellen Beschluss des Gremiums werde es jedoch nicht geben, erklärte eine Parteisprecherin. Mayr werde den Vorständen telefonisch über die Entscheidung auf Bundesebene berichten.

Die SPÖ-Burgenland hielt sich mit einer Empfehlung, wer Faymann nachfolgen soll, am Mittwoch noch zurück. Für Donnerstag wurde kurzfristig der Landesparteivorstand einberufen. "Danach werden wir uns äußern", sagte Klubobmann Robert Hergovich auf APA-Anfrage.

In Wien soll es wie in Tirol vor Freitag keine Gremiensitzung mehr geben. Man habe "volles Vertrauen in unseren Chef", den mit der Kandidatenfindung betrauten Wiener Bürgermeister und interimistischen Bundesparteichef Michael Häupl, erklärte Landesparteisekretär Georg Niedermühlbichler. Häupl wird eine Präferenz für Zeiler nachgesagt.

Auf Bundesebene deklarierte sich ÖGB-Chef Erich Foglar für Kern. Er bringe "Eigenschaften mit, die - glaube ich - gut sind für das Amt", sagte er in der Mittags-"ZiB". Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser gab keine weiteren Informationen preis. "Ich weiß nicht mehr, als zurzeit in den Medien steht", sagte sie im Rahmen eines Pressegesprächs.

Auch die SPÖ-Frauen äußerten sich Mittwochvormittag noch nicht zur Nachfolgediskussion und darüber, welchen der beiden kolportierten Kandidaten sie präferieren. In den nächsten Tagen finden Gremiensitzungen statt, in denen man sich beraten werde, erklärte Frauen-Bundesgeschäftsführerin Andrea Brunner gegenüber der APA. Offen ließ sie auch das Prozedere, etwa ob in den Gremien ein Beschluss für einen Wunschkandidaten gefasst wird.

Verkehrsminister Gerald Klug (SPÖ) hat sich am Mittwoch in Wien für ÖBB-Chef Christian Kern als künftigen Bundeskanzler und SPÖ-Chef ausgesprochen. Dies habe er schon am Dienstag bei der Sitzung des erweiterten Landesparteivorstands der SPÖ Steiermark erklärt, sagte Klug vor Journalisten.

Er persönlich mache seine Aufgabe als Verkehrsminister gerne und würde auch gerne unter einem Kanzler Kern weiterarbeiten, sagte Klug: "Wenn er mich braucht, dann stehe ich zur Verfügung". Angesprochen auf die Forderung von ÖVP-Wien-Obmann Gernot Blümel, der gemeint hatte, unter einem Kanzler Kern müsse das Verkehrsministerium wegen Befangenheit in ÖBB-Angelegenheiten an die ÖVP gehen, sagte Klug, es fehle ihm der Esprit, so etwas ernsthaft zu kommentieren. In der derzeitigen Lage würden wohl bei dem einem oder anderen die Fantasie durchgehen.