Erstellt am 14. Mai 2017, 15:44

von APA Red

Globaler Angriff könnte sich noch ausweiten. Der weltweite Hackerangriff auf Computersysteme von Konzernen, Behörden und Privatleuten hat ein Rekordausmaß erreicht und könnte sich ab Montag weiter steigern.

Die europäische Polizeibehörde Europol registrierte mindestens 200.000 getroffene Computersysteme in 150 Ländern, wie Europol-Chef Rob Wainwright am Sonntag sagte. Er warnte vor einer neuen Welle von Attacken zu Beginn der Woche.

"Die Zahlen steigen und ich bin besorgt, wie die Zahlen sich weiter steigern werden, wenn die Menschen am Montag wieder an ihre Arbeitsplätze gehen und ihre Computer einschalten." Das Virus hatte zahlreiche Konzerne weltweit getroffen und Renault zum teilweisen Produktions-Stopp gezwungen. Bei der Deutschen Bahn fielen Anzeigetafeln und Fahrscheinautomaten aus. Britische Krankenhäuser mussten Patienten abweisen und Operationen verschieben.

Die offenbar von Kriminellen gestartet Attacke habe eine so starke Wirkung entfalten können, weil die Schadsoftware so programmiert sei, dass sie eine automatische Ausbreitung ausgelöst habe, sagte Europol-Chef Wainwright dem britischen Sender ITV. Es gebe Lösegeldforderungen, damit die Dateien wieder nutzbar seien. Häufig würden 300 bis 600 Dollar gefordert, die nach seiner Einschätzung aber relativ selten gezahlt wurden.

"Die letzten Zählungen ergeben mindestens 200.000 Opfer, darunter viele Firmen, auch große Firmen." Wie groß der wirtschaftliche Schaden bisher ist, blieb zunächst unklar. Die Sicherheitsfirma Symantec geht in etwa von einem zweistelligen Millionen-Betrag aus, vor allem für die Überarbeitung von Firmen-Netzwerken.

Bis zum Sonntag war die Verbreitung deutlich verlangsamt, da Sicherheitsupdates die genutzte Lücke im Windows-Betriebssystem schlossen und eine Internet-Domain identifiziert wurde, von der aus der Angriff teilweise gesteuert wurde. Computerexperten fürchten nun aber, dass die Verbreitung sich wieder beschleunigt, wenn sich Menschen in Millionen Computer am Montag einloggen. Zudem sei es wahrscheinlich, dass das Virus von den Hackern noch einmal verändert werde, um Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen.

In Österreich wurden am Wochenende einige wenige Fälle angezeigt, hieß es auf APA-Anfrage im Bundeskriminalamt (BK). Betroffen waren demnach Firmen aus verschiedenen Branchen - etwa ein Hotel und ein Technologie-Unternehmen.

Besonders in Asien sind Computerexperten besorgt, dort hatte das Virus bisher vergleichsweise wenig Wirkung gezeigt. Marin Ivezic von der Unternehmensberatung PwC in Hongkong sagte, viele Kunden würden bereits seit Bekanntwerden des Angriffs am Freitag rund um die Uhr daran arbeiten, mit Software-Updates Sicherheitslücken zu schließen.

Zunächst hatte der Hackerangriff in den USA und Europa für Probleme gesorgt. In Großbritannien mussten wegen der Störung der IT-Systeme im staatlichen Gesundheitssystem schon am Freitag Rettungswagen in andere Spitäler umgeleitet werden. Zahlreiche Patienten wurden abgewiesen und Routineeingriffe abgesagt. Mehr als 20 Krankenhäuser berichteten von Störungen. Sie waren aber offenbar nicht gezielt ins Visier genommen worden. Am Sonntag konnten fast alle wieder normal arbeiten.