Erstellt am 07. Juli 2016, 15:57

von APA/Red

Erste Verurteilungen nach Kölner Silvesterattacken. Ein halbes Jahr nach den massenhaften Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln gibt es nun die ersten Schuldsprüche: Am Donnerstag hat das Kölner Amtsgericht einen zur Tatzeit 20-jährigen Iraker wegen sexueller Nötigung zu einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.

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Er soll am Kölner Dom eine junge Frau gegen deren Willen geküsst und ihr Gesicht abgeleckt haben. Das Verfahren war das zweite wegen eines Sexualdelikts in der Kölner Silvesternacht. In einem ersten Prozess Anfang Mai hatte sich ein Algerier wegen versuchter sexueller Nötigung verantworten müssen. Die Tat konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden, weil das Opfer den Angeklagten im Gerichtssaal nicht wiedererkannte.

In dem Prozess vom Donnerstag ging es um Übergriffe auf zwei Frauen. Die beiden Angeklagten hatten mit den späteren Opfern zunächst am Kölner Dom Fotos gemacht, bevor eine Gruppe von Männern hinzu kam. Die beiden Frauen wurden der Anklage zufolge durch die Männer getrennt.

Einem der Opfer wurde dann an den Hintern und in den Schritt gefasst, die zweite Frau wurde umzingelt und laut Gerichtsurteil von dem nun verurteilten Iraker Hussein A. in den Schwitzkasten genommen und geküsst. Zudem leckte er ihr Gesicht. "Wir sehen das als sexuelle Nötigung an", sagte der Richter Gerd Krämer. "Er hat das Opfer genötigt, diesen Kuss und das Lecken durch das Gesicht zu dulden."

"Ich entschuldige mich für die Sachen, die passiert sind"

Der heute 21-jährige Iraker sagte laut Dolmetscher in seinem letzten Wort vor Gericht: "Ich entschuldige mich für die Sachen, die passiert sind." Während der Verhandlung äußerte er sich jedoch nicht zu den Vorwürfen.

Den Algerier Hassan T. hielt das Gericht der Beihilfe zur sexuellen Nötigung durch die Gruppe für überführt, der 15 bis 20 Männer angehört haben sollen. T. hält sich nach eigenen Angabe seit dem Herbst 2014 in Deutschland auf, A. seit September 2015.

Die beiden betroffenen Frauen im Alter von 27 und 20 Jahren schilderten im Zeugenstand sichtlich bewegt und zeitweise unter Tränen die Geschehnisse in der Silvesternacht. Die beiden Freundinnen waren mit dem Verlobten der 27-Jährigen am Tag vor Silvester nach Köln gereist, um am Rhein den Jahreswechsel und das Silvesterfeuerwerk zu erleben. In der Silvesternacht hatten überwiegend aus Nordafrika stammende Täter am Kölner Hauptbahnhof und am benachbarten Dom sexuelle Übergriffe auf hunderte Frauen sowie Raubdelikte verübt.