Erstellt am 12. April 2017, 10:07

von APA Red

Bekennerschreiben mit Islamisten-Bezug. Nach den Explosionen nahe des Mannschaftsbusses von Borussia Dortmund geht die Polizei von einem gezielten Angriff auf das BVB-Team aus.

Die konkreten Hintergründe der Tat seien aber noch nicht klar, sagte der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange am Dienstag. In dem in der Nähe des Tatorts gefundenen Bekennerschreiben gibt es Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund der Tat.

Nach dpa-Informationen aus Sicherheitskreisen vom Mittwoch wird in dem in deutscher Sprache verfassten, einseitigen Schreiben auf den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten und den Einsatz deutscher Kampfflugzeuge in Syrien Bezug genommen. Zunächst hatten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR über die Details berichtet. Gleichzeitig wurde aber intensiv darauf hingewiesen, dass ein islamistischer Hintergrund des Anschlags weiterhin nicht geklärt sei. Es seien weitere Überprüfungen notwendig.

BVB-Profi Marc Bartra wurde am rechten Handgelenk verletzt und wurde Dienstagabend noch operiert. Bei dem Sprengstoffangriff ist nach Polizeiangaben auch ein Polizist verletzt worden. Der Beamte habe bei den Detonationen ein Knalltrauma und einen Schock erlitten, teilte die Dortmunder Polizei am frühen Mittwochmorgen mit. Der Polizist sollte den Bus demnach mit einem Motorrad zum Stadion begleiten. Zum Zeitpunkt der Explosionen befand er sich vor dem Mannschaftsbus.

Um 19.15 Uhr - unmittelbar nach der Abfahrt des Fußball-Bundesligisten vom Teamhotel zum Stadion - waren in der Nähe des Mannschaftsbusses drei Sprengsätze in einer Hecke explodiert. Die Polizei sprach von "einem Angriff mit ernst zu nehmenden Sprengsätzen". Die Wucht der Detonationen ließ die Scheiben des Busses teilweise bersten. Ein weiterer verdächtiger Gegenstand stellte sich laut Polizei "als Müll" heraus.

"Die ganze Mannschaft ist in einer gewissen Schockstarre. Wir müssen versuchen, das in irgendeiner Weise zu kanalisieren. Das wird nicht einfach, wir müssen morgen spielen. Solche Bilder bekommst du nicht aus dem Kopf raus", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der bei den Fans wegen des knapp angesetzten Termins um Verständnis bat. "Wir können ja die Monegassen nicht bis Donnerstag hier halten."

Das Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco wurde indes auf Mittwoch verschoben und soll unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen um 18.45 Uhr stattfinden. "Wir bereiten uns auf einen Großeinsatz vor", betonte der Polizei-Präsident. Die Spielverschiebung legte die UEFA nach Rücksprache mit beiden Mannschaften schnell fest.

"Wir werden heute natürlich mit starken Kräften hier vor Ort sein im Stadion, werden aber auch versuchen, unser Möglichstes tun, natürlich die Mannschaften zu schützen", sagte Nina Vogt, Sprecherin der Dortmunder Polizei, Mittwoch früh im ZDF. "Wir stehen da mit beiden Vereinen und auch mit allen Sicherheitsbehörden in sehr engem Kontakt", bekräftigte sie.

BVB-Torhüter Roman Bürki berichtete von den Schreckmomenten. "Ich saß in der hintersten Reihe neben Marc Bartra, der von Splittern der zerborstenen Rückscheibe getroffen wurde", sagte der Profi der Schweizer Zeitung "Blick". "Der Bus bog auf die Hauptstraße ein, als es einen Riesenknall gab - eine regelrechte Explosion", sagte Bürki. Dann hätten sich die Spieler geduckt und auf den Boden gelegt. "Wir wussten ja nicht, ob noch mehr passiert."

Bereits am Mittwoch kommender Woche ist das Rückspiel in Monaco angesetzt. Am Samstag steht für die Borussia das Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt an.

Schnell müssen die BVB-Profis ihre Konzentration bündeln: "Ich hoffe das es uns in irgendeiner Weise morgen gelingt, einigermaßen wettbewerbsfähig wieder auf dem Feld zu stehen", sagte Watzke. BVB-Präsident und Ligapräsident Reinhard Rauball äußerte die Hoffnung, dass das Team zu einer Trotzreaktion fähig sei.

Große Anteilnahme gab es aus der ganzen Sportwelt: Der FC Barcelona twitterte vor seinem Champions-League-Spiel bei Juventus Turin am Abend: "Unsere ganze Unterstützung für @MarcBartra, @BVB und alle seine Fans". Auch aus München kamen Nachrichten an die Kollegen im Westen. Bayern-Verteidiger Jerome Boateng hoffte, dass "alle okay", seien. "In solchen Momenten hält man im Revier fest zusammen", schrieben etwa die Schalker.

Auch Politiker zeigten ihre Anteilnahme. "Meine Gedanken sind bei der Mannschaft", wurde Innenminister Thomas de Maiziere am Abend über den Twitter-Account seines Ministeriums zitiert. Ähnlich hieß es bei Justizminister Heiko Maas: "Unsere Gedanken sind beim @BVB. You'll never walk alone!"

Eine Viertelstunde vor dem geplanten Anpfiff des Viertelfinal-Hinspiels in der Signal-Iduna Arena teilte der Fußball-Bundesligist mit, dass die Königsklassen-Partie nach den erschreckenden Ereignissen vor dem BVB-Teamhotel nicht stattfinden kann. Die Fans wurden aufgefordert, zunächst im Stadion zu bleiben. Die Monaco-Fans skandierten "Dortmund, Dortmund". Im Stadion gab es nach Polizeiangaben keinerlei Gefahr.

Die Dortmunder Polizei lobte das Verhalten der Fans im Stadion. "Das ist gestern mit sehr viel Ruhe abgelaufen, und das hat uns natürlich als Polizei und sicherlich auch dem Verein sehr geholfen", sagte Nina Vogt, Sprecherin der Dortmunder Polizei, im ZDF. "Ich glaube, da können wir alle sagen, dass wir auf die Reaktionen gestern nur stolz sein können", betonte sie.