Erstellt am 19. November 2015, 09:25

von APA/Red

Einsatz in Saint-Denis verhinderte vermutlich neuen Anschlag. Mit dem Anti-Terror-Einsatz im Pariser Vorort Saint-Denis ist nach Angaben der Ermittler möglicherweise ein neuer Anschlag verhindert worden.

Angesichts der Bewaffnung, der Organisationsstruktur und der "Entschlossenheit" der "neuen Gruppe von Terroristen" deute alles darauf hin, dass dieses Kommando zur Tat hätte schreiten können, so Staatsanwalt Francois Molins am Mittwochabend.

Acht Verdächtige wurden festgenommen, der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris, der belgische Islamist Abdelhamid Abaaoud, war laut Molins nicht darunter. Bei dem insgesamt siebenstündigen Einsatz gab es mindestens zwei noch nicht identifizierte Tote, unter denen sich theoretisch auch Abaaoud befinden könnte.

Spezialeinheiten stürmten Wohnung

Spezialeinheiten hatten in der Früh eine Wohnung in der nördlich von Paris gelegenen Vorstadt Saint-Denis gestürmt. Es gab heftige Schießereien, eine Frau sprengte sich in die Luft. Der Einsatz galt dem 28-jährigen Islamisten Abaaoud. Die Einsatzkräfte schlugen um 04.20 Uhr morgens zu, konnten aber die Sicherheitstür zu der Wohnung zunächst nicht öffnen, was den "Terroristen" Zeit zur reagieren gab. Die Verdächtigen lieferten sich ein rund einstündiges Feuergefecht mit den Beamten, die rund 5.000 Kugeln abfeuerten, fünf Polizisten wurden verletzt.

Die Wohnung wurde durch die Explosionen und Schüsse schwer zerstört, sogar der Fußboden brach ein. Die Frau, die bei der Erstürmung der Wohnung offenbar ihre Sprengstoffweste zündete, konnte zunächst nicht identifiziert werden. Gleiches gilt für einen von Kugeln "durchsiebten" Körper, den die Beamten in den Trümmern fanden. Unter dem Schutt könnten sich zudem noch weitere Leichen befinden, sagte Molins: Das schwerbeschädigte Gebäude sei "teilweise einsturzgefährdet", die Sucharbeiten der Ermittler kämen deswegen nur sehr langsam voran.

Acht Verdächtige wurden festgenommen

Bei dem Einsatz wurden in und außerhalb der Wohnung acht Verdächtige festgenommen. Der Einsatz ereignete sich fünf Tage nach den Anschlägen von Paris mit 129 Toten und mehr als 350 Verletzten. Die Polizei sucht unterdessen mit Hochdruck mindestens einen weiteren mutmaßlichen Angreifer, den 26-jährigen Salah Abdeslam, dessen Bruder unter den Selbstmordattentätern war. Videoaufnahmen deuten zudem auf die Existenz eines neunten Attentäters hin, seine Identität ist noch nicht bekannt.

Als Reaktion auf die Anschlagsserie hatte Frankreichs Staatschef François Hollande den Ausnahmezustand verhängen lassen. Am Donnerstag soll die Nationalversammlung einer Verlängerung dieses Notstands um drei Monate zustimmen.

Unterdessen wurde im südfranzösischen Marseille ein Lehrer einer jüdischen Schule am Mittwochabend Opfer einer Messerattacke. Die Angreifer hätten sich als Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausgegeben, berichtete der Sender France24 unter Berufung auf Ermittler. Der Geschichtslehrer wurde von drei Personen angegriffen, die antisemitische Parolen äußerten, wie die Polizei erklärte. Das Leben des Mannes jüdischen Glaubens, der die traditionelle Kopfbedeckung Kippa trug, ist nicht in Gefahr.

Früher am Tag hatte es in Marseille auch einen islamfeindlichen Übergriff gegeben. Dabei wurde eine junge Frau angegriffen, die einen Schleier trug, der das Gesicht freilässt. Französische Medien berichteten unter Berufung auf Polizeikreise, der Angreifer habe die Frau als "Terroristin" beschimpft und ihr einen Schlag versetzt, möglicherweise mit einem kleinen Messer, das sie leicht an der Brust verletzte. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht.