Erstellt am 26. April 2017, 12:09

von APA Red

ÖEHV-Team geht angeschlagen ins WM-Finish. Dezimiert geht Österreichs Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM/1A in Kiew in die entscheidenden Spiele um den Aufstieg.

Der Einsatz von Thomas Raffl ist höchst unwahrscheinlich  |  APA

Kapitän Thomas Raffl sowie die Verteidiger Stefan Ulmer und Layne Viveiros werden voraussichtlich für die Spiele gegen den Überraschungs-Tabellenführer Südkorea (Donnerstag, 19.30 Uhr) und Polen (Freitag, 16.00/beide live ORF Sport+) ausfallen.

Die ÖEHV-Auswahl hat bisher noch in keinem Match über 60 Minuten überzeugt, aber nach zwei Siegen in drei Spielen den Aufstieg noch selbst in der Hand. Allerdings wurde der 3:1-Erfolg gegen Ungarn am Montag teuer erkauft. Viveiros wurde bei einem Bandencheck nach 32 Sekunden eine Rippe angebrochen, Raffl verletzte sich bei einem geblockten Schuss das Sprunggelenk und Ulmer bei einem Schlag gegen die Hand einen Finger.

Bei Ulmer, dem international erfahrensten Verteidiger im Team, besteht eine kleine Chance auf den Einsatz, bei Raffl wäre Teamchef Roger Bader überrascht. Ein CT hat zwar keine Knöchelverletzung ergeben, allerdings dürfte es die Bänder erwischt haben. Der bisher herausragende Stürmer kann den Fuß nicht abbiegen, will aber am Donnerstag versuchen, ob es doch geht.

Bader rechnet nicht mit ihm. "Ich gehe davon aus, dass wir mit 17 Feldspielern spielen werden", erklärte der Teamchef, der schon vor und während der Ukraine-Partie am Dienstag mehrmals umstellen musste. Der Schweizer bevorzugt "vier Triebwerke", also vier möglichst gleichstarke Linien, muss nun aber personell improvisieren und auch seine Taktik anpassen. "Das permanente Pressing geht wahrscheinlich nicht so wie gewünscht, vielleicht spielen wir ein bisschen defensiver", meinte er.

Viel Eiszeit und Verantwortung kommt damit auf Spieler zu, die das bei ihren Clubs nicht so gewohnt sind. "Die Ausfälle schmerzen sehr, aber so ist der Sport. Wir müssen das kompensieren, einfach alle einen Schritt mehr machen", erklärte Daniel Woger, Siegtorschütze gegen die Ukraine. Dennoch ist Bader zuversichtlich. "Wir haben die Mittel, sie zu schlagen", betonte der 52-Jährige, der sich akribisch auf den Gegner vorbereitet hat.

Die Südkoreaner haben alles für die Entwicklung einer guten Mannschaft für Heim-Olympia 2018 in Pyeongchang getan. Als Teamchef wurde Jim Paek, zweifacher Stanley-Cup-Sieger mit den Pittsburgh Penguins 1991 und 1992, verpflichtet.

Insgesamt sieben Nordamerikaner sind eingebürgert worden, die beiden 1,96 m großen Stürmer Mike Testwuide und Brock Radunske fehlen aber in Kiew. Das Gerüst der Mannschaft bilden 13 Spieler von Asienmeister Anyang Halla, bei dem sich auch einheimische Spieler wie Kim Sangwook, Shin Sanghoon und Kim Kisung gut entwickelt haben. "Man hat im Vorfeld viel über die Nordamerikaner gesprochen, aber vielleicht sind die einheimischen Spieler schon die besseren", meinte Bader.

Im Unterschied zu Kasachstan, das vier der fünf eingebürgerten Nordamerikaner in einem Block spielen lässt, sind die Imports bei Südkorea auf alle Linien verteilt. In der Verteidigung bilden ein großer Amerikaner und ein flinker Koreaner meist ein Paar.

Das brachte bisher Erfolg. Platz fünf bei einer B-WM war bisher ihre beste Platzierung, nach Siegen über Polen, Kasachstan und Ungarn haben die Südkoreaner aber nun sogar beste Aufstiegschancen. Dafür reicht ein Sieg aus den Spielen gegen Österreich und Schlusslicht Ukraine (Freitag).

"Wir müssen auf jeden Fall 60 Minuten gut spielen, sonst schauen wir schlecht aus", weiß Lukas Haudum. "Dass Südkorea Tabellenführer ist, ist nicht so überraschend. Sie haben schon in den vergangenen zwei Jahren gezeigt, dass sie super Eishockey spielen können. Die Imports sind routinierte Spieler, die wissen genau, was sie machen sollen, die Einheimischen sind sehr flinke Spieler, technisch sehr stark.", analysierte der junge Schweden-Legionär den Gegner.