Erstellt am 19. August 2016, 14:53

von APA Red

Video erhärtet Verdacht gegen US-Stars. Nach Ungereimtheiten um einen angeblichen Überfall auf US-Schwimmstar Ryan Lochte und drei seiner Teamkollegen gerät das Quartett immer mehr in Bedrängnis.

 |  APA/dpa/ag.

Der Vorwurf: Lochte soll den Vorfall frei erfunden haben. Ein am Donnerstag im TV ausgestrahltes Video erhärtet diesen Verdacht. Polizeiquellen sprachen von "Lügen", vielmehr sollen die Athleten auf einer Tankstelle randaliert haben.

Laut der Polizei droht den Sportlern nun eine Anklage wegen Vortäuschung einer Straftat und Sachbeschädigung. "Theoretisch könnte man sie wegen Falschaussage und Vandalismus zur Verantwortung ziehen", erklärte Fernando Veloso, der Chef der Kriminalpolizei von Rio, am Donnerstag.

Der angebliche Überfall in der Nacht von Samstag auf Sonntag hatte für erheblichen Wirbel gesorgt und die Sicherheitsdebatte um die Rio-Spiele ordentlich angeheizt. Das Image der von Kriminalität geplagten Stadt litt weiter.

Das US-Olympiakomitee USOC entschuldigte sich indes bei den Menschen Brasiliens für der Verhalten der vier amerikanischen Schwimmer. "Das Verhalten dieser Athleten ist weder zu akzeptieren, noch spiegelt es die Werte des US-Teams wider", schrieb USOC-Geschäftsführer Scott Blackmun in einem Statement. USOC gab darin an, dass ein Schwimmer einen Akt von Vandalismus an einer Tankstelle verübt habe. Der noch in Brasilien weilende Jimmy Feigen habe seine Angaben gegenüber der Polizei richtiggestellt, hieß es. Er hoffe nun, seinen Pass für die Ausreise wieder zu bekommen.

Das am Donnerstag auf "Globo TV" ausgestrahlte Video einer Überwachsungskamera der Tankstelle zeigt, wie Lochte und seine Teamkollegen Jack Conger, Gunnar Bentz und Jimmy Feigen mit den Tankstellen-Angestellten diskutieren. Aber nicht mehr. Allerdings hatten die Athleten gegenüber der Polizei davon nichts erwähnt. "Sie haben uns angelogen", erklärte ein ranghoher Offizier der Polizei in Rio gegenüber Reuters.

Weil die Ermittlungen aber noch andauern, wollte der Beamte anonym bleiben. Die US-Schwimmer Gunnar Bentz und Jack Conger sind nach der Befragung durch die Polizei in Richtung USA ausgereist. Das Duo stieg Donnerstagabend in einen Flieger in ihre Heimat, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Teamkollege Ryan Lochte war bereits Montag in die USA zurückgekehrt. Das Trio will sich nun mit den Strafverfolgern treffen.

Der Vierte des Quartetts, Jimmy Feigen, muss nach dem erfundenen Raubüberfall bei Olympia eine Geldstrafe von umgerechnet 11.000 Dollar (rund 9.700 Euro) zahlen und darf dann aus Brasilien ausreisen. Das teilte der Anwalt Feigens am Freitag mit. Nach Angaben von Breno Melaragno werde Feigen das Geld an eine nicht näher genannte soziale Einrichtung zahlen.

Nach inoffiziellen Polizeiangaben sollen einige der vier Athleten an einer Tankstelle nahe des olympischen Dorfes zunächst die Tür einer Toilette eingetreten haben. Anschließend sei ein Sicherheitsmann gekommen. Eine Waffe habe der Mann aber nie gezogen. Der Geschäftsführer der Tankstelle habe wenig später von den Schwimmern eine Entschädigung für die eingetretene Tür verlangt. Nach einer Diskussion hätten die Athleten bezahlt und seien weitergefahren. Zu dem Vorfall soll es ein - unveröffentlichtes - Video geben. "Leider haben die Schwimmer eine Lüge nach der anderen erzählt", zitierte die "New York Times" am Donnerstag einen Polizisten, der das Video kennt.

Die Ungereimtheiten um den Überfall waren immer größer geworden. Der 32-jährige Lochte hatte bereits Teile seiner Aussagen und Details relativiert. Dem US-Sender NBC News sagte er am Mittwochabend, dass er und drei Teamkollegen überfallen worden seien, als ihr Taxi an einer Tankstelle gehalten habe. Zuvor hatte er erklärt, dass als Polizisten verkleidete Räuber das Auto angehalten hätten. Zudem habe ein Täter ihm eine Waffe nicht direkt an den Kopf gehalten, wie ursprünglich angegeben, sondern sie nur auf ihn gerichtet.

Das Organisationskomitee hatte sich zunächst für den Vorfall entschuldigt, gab sich nach der neuesten Entwicklung aber nachsichtig. "Wir müssen verstehen, dass diese Burschen Spaß haben wollen. Sie stehen bei den Wettkämpfen unter gigantischem Druck", sagte Sprecher Mario Andrada ohne Groll. "Gebt den Burschen eine Pause. Manchmal machst du Sachen, die du später bereust. Sie sind großartige Sportler. Sie hatten Spass, sie haben einen Fehler gemacht, das gehört zum Leben. Und das Leben geht weiter."

Conger und Bentz hatten mit Lochte Staffel-Gold über 4x200 m Kraul gewonnen, Feigen ist Olympiasieger über 4x100 m Kraul. Der Vorfall hatte sich am frühen Sonntagmorgen auf dem Weg ins olympische Dorf in Rio ereignet. Zuvor sollen die vier im französischen Olympia-Haus im Stadtteil Lagoa gewesen sein.