Erstellt am 11. Dezember 2015, 16:42

Ermittlungen nach Babytod in Linzer Spital eingeleitet. Nach dem Tod eines Säuglings durch einen multiresistenten Keim in der Linzer Landesfrauen- und Kinderklinik (LFKK) hat die Staatsanwaltschaft Linz routinemäßige Ermittlungen eingeleitet. Die chirurgische Ambulanz des Spitals bleibt vorerst geschlossen - zumindest solange, bis die Ergebnisse eines Screenings vorliegen.

Am Donnerstagvormittag war in der LFKK ein Säugling vermutlich an dem hochresistenten Acinetobacter-Keim gestorben. Zwei weitere Kinder wurden ebenfalls positiv getestet, zeigten bisher jedoch keine Symptome. Die beiden Babys befinden sich in Quarantäne. Bei einem handelt es sich um jenes Mädchen, das laut Einschätzung der Mediziner den Keim bei der Verlegung aus einem Spital in Sarajevo in Bosnien nach Linz eingeschleppt haben dürfte.

Alle Patienten und Spitalsmitarbeiter, die mit den Babys Kontakt hatten, werden auf den Keim getestet. Es dürften rund 100 Personen sein. Das Ergebnis soll spätestens in acht Tagen vorliegen. Denn bei den Betroffenen müssen hintereinander drei Proben genommen werden. Die chirurgische Intensivstation wird bis zum Ergebnis der Screenings geschlossen bleiben.

Bei dem Kind aus Sarajevo, das im Rahmen einer humanitären Aktion in Linz am Herzen operiert worden war, wurde der Keim bei einem routinemäßigen Abstrich festgestellt. Daraufhin erhielt es sofort ein spezifisches Antibiotikum und das Spital ergriff Isolations- sowie Hygienemaßnahmen. Mit dem Eingriff zu warten, bis Entwarnung bezüglich des Keims gegeben wird, war laut Spital nicht möglich. Es habe sich um einen Notfall gehandelt.

Die Staatsanwaltschaft Linz hat indes die Polizei mit Ermittlungen beauftragt. Es soll die Frage nach einem möglichen Fremdverschulden geklärt werden. Erhebungen nach nicht eindeutig geklärten Todesursachen seien Routine, erklärte Staatsanwaltschaftssprecher Philip Christl.

Im Jänner dieses Jahres starben an der Universitätsklinik in Kiel in Deutschland zwölf Patienten an Acinetobakterien-Infektionen. Ausbrüche hat es in der Vergangenheit auch in Rumänien und anderen Staaten gegeben.

Generell sind Krankenhausinfektionen weltweit ein Problem. Das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC/Stockholm) geht von jährlich in der EU auftretenden mindestens rund drei Millionen, nach anderen Zitierungen gar von 4,1 Millionen, solcher Infektionen und jährlich rund 37.000 Todesfällen aus. Österreich ist laut einer aktuellen Studie im europäischen Mittelfeld auf relativ guter Position. Sie weist eine Infektionsrate von 5,3 Prozent aus.