Erstellt am 04. April 2016, 09:56

von APA/Red

Erste Flüchtlinge aus Griechenland in Türkei angekommen. Zweieinhalb Wochen nach dem Flüchtlingspakt der EU mit der Regierung in Ankara sind die ersten Migranten von Griechenland aus in die Türkei zurückgeschickt worden.

Unter den Flüchtlingen regt sich Widerstand  |  NOEN, APA (AFP)

Es handelte sich fast ausschließlich um Migranten aus Pakistan und nordafrikanischen Staaten, die keinen Anspruch auf Asyl hatten. Unterdessen stellen Flüchtlinge auf Lesbos massenhaft Asylanträge, um ihre Abschiebung hinauszuzögern.

Nach Angaben des griechischen Krisenstabes waren insgesamt 202 Migranten an Bord der beiden Schiffe, die am Morgen in Lesbos abgelegt hatten. Auf dem Weg in den Hafen von Dikili wurden sie von der türkischen Küstenwache begleitet. Über dem Hafen kreiste ein Polizeihubschrauber. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, bei den meisten am Montag zurückgeschickten Flüchtlingen habe es sich um Pakistaner gehandelt.

Busse hatten die Flüchtlinge Montagfrüh in die Häfen der Inseln von Lesbos und Chios gebracht. Sie wurden von Sicherheitskräften begleitet. Das erste Schiff lief anschließend aus Lesbos in Richtung der türkischen Stadt Dikili aus, wie eine Reporterin beobachtete. Ein zweites folgte.

"An Bord der Schiffe, die aus Lesbos ausliefen sind 136 Migranten. Im zweiten Schiff - dem, das aus Chios auslaufen wird - sind 66 Migranten", sagte der Sprecher des Krisenstabes, Giorgos Kyritsis, einer Presse-Agentur. An Bord seien nur Männer. Nur zwei seien Syrer, die freiwillig in die Türkei zurück wollten. Alle anderen sind Migranten aus Pakistan und nordafrikanischen Staaten, sagte der Sprecher weiter. Dies hätten keinen Anspruch auf Asyl, hieß es.

Flüchtlinge auf Lesbos stellen nun offenbar massenhaft Asylanträge, um ihre Abschiebung hinauszuzögern. Das sagte Montagfrüh die Chefin der für Migration zuständigen Abteilung der griechischen Polizei, Zacharoula Tsirigoti.

Von nun an gelte es, Asylanträge zu bearbeiten, bevor weitere Migranten in die Türkei zurückgeschickt werden könnten. Aus Kreisen der europäischen Grenzschutzagentur Frontex auf Lesbos hieß es, wegen der Antragsflut sei es nun umso wichtiger, dass zügig Asylexperten aus anderen europäischen Ländern nach Griechenland entsandt würden.

In der Türkei wiederum gab es Proteste gegen die Aufnahme der Menschen. In Dikili herrschte bei den Behörden Ratlosigkeit. Der Bürgermeister des Küstenbezirks Dikili, Mustafa Tosun, kritisierte, die türkische Regierung habe die lokalen Behörden nicht über ihre Pläne informiert.

Mit dem umstrittenen Abkommen zwischen EU und Türkei will die Europäische Union den Zustrom von Flüchtlingen drosseln. Es sieht vor, dass alle Menschen, die seit dem 20. März illegal nach Griechenland übergesetzt sind, ab Montag zwangsweise in die Türkei zurückgebracht werden können. Seit dem Stichtag trafen etwa 5.000 auf den Ostägäis-Inseln ein.