Erstellt am 16. September 2015, 12:28

von APA/Red

Erste Flüchtlinge in Kroatien - Zagreb winkt durch. Nachdem Ungarn seine Südgrenze für Flüchtlinge am Dienstag de facto dicht gemacht hat, haben Mittwochnacht die ersten Menschen auf der Suche nach einer Alternativroute die serbisch-kroatische Grenze überquert.

 |  NOEN, APA (epa)

Bisher seien rund 150 Menschen angekommen, sagte Kroatiens Premier Zoran Milanovic. "Sie werden Kroatien durchqueren können, und wir werden ihnen dabei helfen." In den Nachtstunden hatte ein erster Bus mit rund 50 Flüchtlingen von Presevo an der südserbischen Grenze die nordserbische Stadt Sid erreicht, die weniger als zehn Kilometer von der kroatischen Grenze entfernt ist. Sie versuchten danach über die grüne Grenze ins kroatische Tovarnik zu gelangen und wurden von der dortigen Polizei in einem Maisfeld aufgegriffen.

Laut Medienberichten bis zu 3.000 Menschen

Insgesamt rechnet der kroatische Zivilschutz damit, dass im Laufe des Tages mindestens 500 Flüchtlinge die serbische Grenze überqueren, Medien spekulierten aber über bis zu 3.000 Menschen. Serbische Medien berichteten, mindestens 10 weitere Busse wären auf dem Weg von Presevo nach Sid. Nach Polizeiangaben kamen bis 11.00 Uhr 181 Schutzsuchende im kroatischen Tovarnik an, keiner habe die Registrierung verweigert.

Das heißt jedoch noch nicht, dass die Menschen nicht trotzdem über Slowenien nach Österreich und Deutschland weiterreisen werden. Die kroatische Präsidentin berief jedenfalls umgehend den Nationalen Sicherheitsrat ein. Kolinda Grabar Kitarovic warnte vor "möglichen sozialen, wirtschaftlichen und sicherheitsrelevanten Auswirkungen" der Flüchtlingskrise. Als mögliche Termine nannte sie Freitag oder Dienstag.

Serbische Regierung weist Spekulationen zurück

Die serbische Regierung wies unterdessen Spekulationen zurück, wonach Flüchtlinge gezielt in Busse in Richtung kroatische Grenze gesetzt würden. "Wir haben gehört, dass Ungarn zugemacht hat, also hat uns die Polizei gesagt, dass wir hierher fahren sollen", hatte eine Gruppe junger Syrer und Afghanen erklärt. Man weise die Menschen nicht an, bestimmte Routen einzuschlagen, unterstrich hingegen Arbeitsminister Aleksandar Vulin. "Weder können wir, noch wollen wir dies tun."

Aussagen darüber zu treffen, ob sich die neue Route über Kroatien und Slowenien längerfristig etablieren werde, wäre noch verfrüht, sagte auch der serbische Innenminister Nebojsa Stefanovic. Er hatte in der Nacht auf Mittwoch den gesperrten Grenzübergang Horgos 1 (Röszke) besucht, wo Hunderte Flüchtlinge seit Montagabend warten, auf das ungarische Gebiet durchgelassen zu werden. Er werde sich am Mittwoch gegenüber seinen ungarischen Amtskollegen weiter für eine Wiedereröffnung des Grenzübergangs stark machen, erklärte er.