Erstellt am 29. Februar 2016, 07:20

von APA/Red

Erster Oscar für DiCaprio. Gleich drei Filme gehen als große Gewinner aus der 88. Oscar-Verleihung hervor:

 |  NOEN, APA (AFP)

Das Enthüllungsdrama "Spotlight" erhielt Trophäen für den besten Film und das beste Original-Drehbuch, das Actionspektakel "Mad Max: Fury Road" räumte sechs Preise in technischen Kategorien ab, und "The Revenant - Der Rückkehrer" kam in den bedeutenden Sparten Regie, Kamera und Hauptdarsteller zum Zug.

"Um für unseren Dreh Schnee zu finden,
mussten wir an den südlichsten Punkt
der Erde fahren. Der Klimawandel ist Realität."
Leonardo DiCaprio

Das breiteste Grinsen hatte am Sonntagabend in Hollywood ganz klar Leonardo DiCaprio: Die Rolle des schwerverletzten Pelztierjägers im Rachedrama "The Revenant" brachte dem 41-jährigen Hollywoodstar nach fünf glücklosen Anläufen den ersten Schauspiel-Oscar ein. Die Bühne des Dolby Theatre nutzte der Umweltaktivist sogleich für einen Appell. "Um für unseren Dreh Schnee zu finden, mussten wir an den südlichsten Punkt der Erde fahren. Der Klimawandel ist Realität, er passiert genau jetzt und ist unsere größte Bedrohung", so DiCaprio, der von seinen prominenten Kollegen mit stehenden Ovationen und langem Applaus gewürdigt wurde. "Lasst uns diesen Planeten nicht als selbstverständlich ansehen. Auch dieser Abend ist für mich nicht selbstverständlich."

Brie Larson als beste Hauptdarstellerin

Auch bei den Hauptdarstellerinnen setzte sich mit Brie Larson die Favoritin durch. Die 26-Jährige wurde für ihre Darstellung einer als Teenager entführten Mutter im Entführungsdrama "Room" geehrt. Auch die Kategorie "Beste Nebendarstellerin" entschied mit der 27-jährigen Schwedin Alicia Vikander ("The Danish Girl") eine Hollywood-Newcomerin für sich. Überraschend war hingegen der erste Oscar für Mark Rylance (56): Der versierte britische Theater- und Filmschauspieler stach mit seiner Darstellung eines sowjetischen Spions in Steven Spielbergs "Bridge of Spies" den großen Favoriten Sylvester Stallone ("Creed - Rocky's Legacy") aus. Ein nostalgischer Gewinner fand sich dafür mit Ennio Morricone, der für seine Filmmusik zu Quentin Tarantinos "The Hateful Eight" im Alter von 87 Jahren nach sechs Anläufen ab 1979 endlich seinen ersten Oscar erhielt.

"Mad Max: Fury Road" räumte in technischen Kategorien ab

Wie erwartet abgeräumt hat das postapokalyptische Actionspektakel "Mad Max: Fury Road" in den technischen Kategorien: Sechs von zehn Nominierungen konnte George Millers von der Kritik gefeierter Film in Preise ummünzen, darunter für den besten Schnitt und das beste Produktionsdesign. Der siebente "Star Wars"-Film "Das Erwachen der Macht" ging hingegen leer aus und musste den Preis für die besten visuellen Effekte überraschend dem Indie-Science-Fiction-Thriller "Ex Machina"überlassen.

Vergleichsweise mager ist die Ausbeute vom großen Favoriten "The Revenant", der lediglich drei seiner zwölf Preischancen nutzte. Es sind aber die wohl rekordverdächtigsten, ist Emmanuel Lubezki doch der erste Kameramann, der drei Mal hintereinander einen Oscar erhält (nach "Gravity" 2014 und "Birdman" 2015), und Alejandro G. Inarritu nach John Ford (1940/41) und Joseph L. Mankiewicz (1949/50) erst der dritte Regisseur, der in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu Oscar-Ehren kommt ("Birdman" 2015).

"Spotlight" als bester Film gekürt

Die Möglichkeit, zwei Jahre infolge den besten Film zu verantworten, machte dann aber Tom McCarthy Inarritu streitig: Sein mit u.a. Mark Ruffalo und Rachel McAdams starbesetztes Enthüllungsdrama "Spotlight"über die Aufdeckung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche war der Academy of Motion Picture Arts and Sciences den Hauptpreis sowie die Trophäe für das beste Original-Drehbuch wert. "Dieser Film hat den Überlebenden eine Stimme gegeben - und der Oscar dient nun hoffentlich als Verstärker, damit diese Stimme ihren Weg bis in den Vatikan findet", zeigte sich Produzent Michael Sugar bewegt über die Auszeichnung. Für den Mitfavoriten "The Big Short" von Adam McKay blieb es bei einem Preis für das beste adaptierte Drehbuch.

Österreichischer Film ging leer aus

Als bester Animationsfilm wurde der Pixar-Film "Inside Out" ("Alles steht Kopf") gekürt, beste Doku ist Asif Kapadias umstrittene Winehouse-Biografie "Amy" und der Auslandsoscar geht zum zweiten Mal in der Oscar-Geschichte nach Ungarn ("Son of Saul" von Laszlo Nemes). Die deutsch-österreichische Oscar-Hoffnung erfüllte sich indes nicht. Der deutsche Jungregisseur Patrick Vollrath war mit seinem Kurzfilm "Alles wird gut" dem Briten Benjamin Cleary und dessen romantischer Komödie "Stutterer" unterlegen.

Insgesamt zeigte sich die vom afroamerikanischen Komiker Chris Rock (51) moderierte Gala weniger humorvoll als in den Vorjahren, auf große Musiknummern oder Bühnenzauber verzichtete man weitgehend. Performer wie The Weeknd oder Sam Smith, der für seinen Bond-Titelsong "Writing's on the Wall" einen Oscar holte, waren betont zurückhaltend. Zu Tränen rührte hingegen Lady Gaga das Auditorium mit ihrer Darbietung des nominierten Songs "Til it Happens to You". Das Lied wurde für den Dokumentarfilm "The Hunting Ground" geschrieben, der sich um sexuelle Gewalt an US-Universitäten dreht. Mit der Sängerin auf der Bühne standen mehrere junge Menschen, auf deren Armen Statements wie "Überlebende" oder "unzerbrechlich" geschrieben waren.

Keine Schwarzen unter den Nominierten

Das dominante Thema, das sich durch die gesamte Gala zog, war die Diskussion im Vorfeld um die Schauspieler-Nominiertenliste, fand sich doch unter den 20 Künstlern zum zweiten Mal infolge kein einziger Schwarzer. So hatte Rock den Abend gleich mit einer bissigen Eröffnungsrede eingeläutet. "Wenn Sie Gastgeber nominieren würden, hätte ich diesen Job nicht bekommen", zeigte er sich ironisch. Dass keinerlei schwarze Schauspieler nominiert würden, sei allerdings auch in den frühen Jahrzehnten des Oscars vorgekommen, nur habe damals niemand protestiert, weil es schlicht wichtigere Dinge gegeben habe: "Wenn deine Oma vom Baum hängt, ist es schwierig, sich darum zu kümmern, wer für die beste Kurzdokumentation nominiert ist."

Bereits Rocks Auftaktrede löste in den sozialen Medien eine lebhafte Debatte aus. Das Magazin "People" twitterte etwa: "Die unglaublichste Eröffnungsrede aller Zeiten? Wir denken ja." Aber auch im weiteren Verlauf des Abends war in einer Mehrheit der Einlagen die fehlende Diversität Hollywoods immer wieder Thema. Dazu zählten unter anderem Videoeinspieler mit Gastauftritten von Tracy Morgan oder Whoopi Goldberg, die demonstrieren sollten, wie schwer es für farbige Schauspieler sei, eine Filmrolle zu ergattern.