Erstellt am 18. Oktober 2016, 12:02

von APA Red

Abriss von Hitler-Geburtshaus. Das Geburtshaus Adolf Hitlers in Braunau soll laut Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) derart umgestaltet werden, dass eine "Wiedererkennung" unmöglich wird.

Da hat Sobotka wohl etwas falsch verstanden  |  APA (AFP)

Das Haus dürfe "vor allem in der Außenform nicht erkennbar sein", präzisierte der Ressortchef am Dienstag das Ziel der Pläne. Zuvor hatten prominente Mitglieder der Expertenkommission klargestellt, dass sie gegen einen Abriss sind.

Abriss Käme einer Verleugnung gleich

Die Kommission habe in ihrem Bericht festgehalten, "dass ein Abriss einer Verleugnung der NS-Geschichte in Österreich gleichkommen würde", erklärten etwa die beiden Mitglieder, Ex-Verwaltungsgerichtshofpräsident Clemens Jabloner und der Historiker Oliver Rathkolb. Wie zuvor schon der Brauner Bürgermeister Johannes Waidbacher und die Leiterin des oberösterreichischen Landesarchivs, Cornelia Sulzbacher, betonten auch Jabloner und Rathkolb am Dienstag in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass die Kommission mehrere Vorschläge zur konkreten Entmystifizierung dieses Ortes gemacht habe, u.a. durch eine tiefgreifende architektonische Umgestaltung, die den "Wiedererkennungswert und die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft unterbinden soll", und einer administrativen oder sozialen Nutzung.

Kein Gedenk- oder Versammlungsort für Neonazis

Ob man dies als Abriss bezeichnen kann, darüber könne man diskutieren, sagte Sobotka zur aktuellen Debatte. Er sei über die Empfehlungen der Expertenkommission sehr froh, betonte er. Wesentlich sei, dass das Haus kein Gedenk- oder Versammlungsort für Neonazis sein kann. Der Ort solle keine Erinnerung an die Person Hitlers mehr zeigen, so Sobotka.

Es werde für die Umgestaltung einen Architektenwettbewerb geben, sagte der Ressortchef. Hinsichtlich der Nachnutzung komme eine soziale Einrichtung oder eine behördliche Nutzung in Betracht, dies werde man gemeinsam mit der Stadt Braunau entscheiden. Fix ist, dass der Ort keine museale Erinnerungsstätte werden soll. Dazu habe man mit dem ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen eine hervorragende Dokumentationsstelle.

Bei der Übergabe des Berichts an Sobotka am 11. Oktober "wurde insbesondere die architektonische Umgestaltung thematisiert, wobei es um eine Fassadenveränderung zur Dekonstruktion der historischen Wiedererkennung ging und natürlich nicht um einen Abriss. Die Option Abriss wurde in dem ursprünglichen Auftrag an die Kommission ausdrücklich erwähnt und von uns nicht befürwortet - ebenso wenig wie die angefragte museale Nutzung", stellten Jabloner und Rathkolb klar. Sie ersuchen den Minister nun um sofortige Veröffentlichung ihres Berichtes.

Die Tageszeitung "Die Presse" hatte den Innenminister zunächst unter Berufung auf den Kommissionsbericht mit den Worten zitiert: "Das Hitler-Haus wird abgerissen." Kurz danach hatte Sobotka dann in einer Aussendung erklärt, er teile die Ansicht der Kommission, "wonach eine tief greifende architektonische Umgestaltung sinnvoll ist, um sowohl den Wiedererkennungswert als auch die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft zu unterbinden".