Erstellt am 25. März 2016, 16:14

von APA Red

Explosionen und Schüsse in Brüssel. Bei einem Anti-Terror-Einsatz in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek ist am Freitag ein Verdächtiger verletzt und festgenommen worden.

 |  NOEN, APA (AFP)

Nach Informationen des Senders RTBF hatte der Verdächtige einen Rucksack oder einen Koffer mit Sprengstoff dabei. Bei der Razzia habe es drei Explosionen gegeben, berichtete der Sender.

Die Umgebung wurde abgeriegelt, schwerbewaffnete und maskierte Einsatzkräfte sowie Armeefahrzeuge waren nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga im Einsatz. Die Sprengungen seien "kontrolliert" gewesen, sagte der Bürgermeister der Gemeinde, Bernard Clerfayt, am Freitag. Demnach soll auch ein Entminungsroboter zum Einsatz gekommen sein.

Schwer bewaffnete Polizisten und Soldaten riegelten ein Gebiet rund um eine größere Kreuzung in Schaerbeek ab. Der Sender RTL berichtete unter Berufung auf einen Augenzeugen, die Polizei habe eine Person an einer Bushaltestelle aufgefordert, ihre Jacke auszuziehen. "Sie wollten ohne Zweifel überprüfen, ob die Person einen Sprengstoffgürtel trug."

Kurz nach einer Polizei-Razzia in Schaerbeek wurde die Metrostation Arts-Loi zwischen der Innenstadt und dem Europaviertel evakuiert. Dies berichteten die Zeitungen "Le Soir" sowie "La Derniere Heure"übereinstimmend unter Verweis auf Journalisten vor Ort. Arts-Loi befindet sich nur einen Stop von Maelbeek entfernt, wo am Dienstag einen Bombe 20 Menschen tötete.

Unklar ist der Zusammenhang der Razzia mit anderen Anschlägen bzw. Anschlagsplänen. Nach Angaben des Bürgermeisters Clerfayt steht der Verdächtige im Zusammenhang mit den Attentaten in Brüssel. Die belgische Staatsanwaltschaft dementierte dies gegenüber der belgischen Zeitung "Le Soir". Der Sender RTBF ergänzte, dass der Einsatz in Schaerbeek mit der Polizeiaktion vom Donnerstagabend im französischen Argenteuil zusammenhängen könnte. Dort hatten Beamte eine Wohnung durchsucht und einen Verdächtigen festgenommen.

In der Nacht auf Freitag hatte es bereits Razzien unter anderem in Schaerbeek gegeben, bei denen sechs Verdächtige festgenommen worden waren. Die Einsätze sollen in Verbindung mit den Anschlägen am Brüsseler Flughafen sowie in einer Metro gestanden haben, bei denen insgesamt 31 Menschen ums Leben gekommen und rund 300 weitere verletzt wurden.

Im Zusammenhang mit den Terroranschlägen von Brüssel nahm die deutsche Polizei auch zwei Verdächtige in Gießen und im Raum Düsseldorf fest. Demnach wurde bereits am Mittwochabend in Gießen ein Mann verhaftet, in dessen Mobiltelefon die Beamten Hinweise auf einen Zusammenhang mit den Attentaten von Brüssel fanden.

Im Raum Düsseldorf sei am Donnerstag ein den Behörden in Nordrhein-Westfalen als Salafist bekannter Mann festgenommen worden, der möglicherweise zum Umfeld der Brüssel-Attentäter gehört. Entsprechende Berichte des Magazins "Der Spiegel" und der ARD wurden der Deutschen Presse-Agentur in Berlin am Freitag aus Sicherheitskreisen bestätigt.

Nach ARD-Informationen war ein 28-jährige Marokkaner bei einer Routinekontrolle auf dem Bahnhof in Gießen einer Streife der Bundespolizei aufgefallen. Eine Ausweiskontrolle habe ergeben, dass für den Mann eine Einreisesperre in den Schengen-Raum gelte - und dass er in Italien und Deutschland straffällig geworden war. 2014 hatte er demnach erfolglos in Deutschland einen Asylantrag gestellt.

Als sich die Polizei daraufhin am Donnerstag intensiver mit dem Mann beschäftigte, hätten sich Papiere über einen Krankenhausaufenthalt wegen einer nicht näher beschriebenen Verletzung am 18. März 2016 gefunden, berichtet die ARD. An diesem Tag war der Terrorverdächtige Salah Abdeslam in der belgischen Hauptstadt festgenommen worden.

Laut "Spiegel" kommt in einer Kurznachricht des in Gießen festgenommenen Verdächtigen der Name des U-Bahn-Attentäters von Brüssel, Khalid El Bakraoui, vor. Eine weitere SMS-Nachricht enthielt nur das Wort "fin" - französisch für "Ende". Diese Nachricht sei offenbar am Dienstag um 9.08 Uhr gesendet worden. Nach bisherigen Erkenntnissen sprengte sich Bakraoui laut "Spiegel" um 9.11 Uhr in die Luft. Die Ermittler versuchten nun zu klären, inwieweit der Mann zum Umfeld der Attentäter gehört haben könnte.


Terror in Brüssel

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