Erstellt am 25. März 2016, 13:08

von APA/Red

Festnahmen in Brüssel in Verbindung mit Anschlägen. Wenige Tage nach den Anschlägen in Brüssel hat die Polizei bei mehreren Razzien in der belgischen Hauptstadt sieben Verdächtige festgenommen.

 |  NOEN, APA (AFP)

Sechs davon bereits am Donnerstagabend, am Freitag wurde in der Gemeinde Forest ein weiterer Mann verhaftet. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

In Forest war der 35-jährige Algerier Mohamed Belkaid in der vergangenen Woche bei einer Polizeiaktion erschossen worden. Von Forest aus waren die Polizisten auch auf die Spur des inzwischen inhaftierten Terrorverdächtigen Salah Abdeslam gekommen - er soll an den Pariser Anschlägen vom vergangenen November beteiligt gewesen sein.

 

Details im Laufe des Tages

Drei der am Donnerstag erwischten Männer seien "direkt vor unserer Tür" festgenommen worden, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Brüssel mit. Ob unter ihnen noch flüchtige Komplizen der Attentäter waren, war zunächst unklar. Über die Identität der Festgenommenen wurde zunächst nichts bekannt. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, sich erst im Laufe des Tages zu Details zu äußern.

Die Staatsanwaltschaft teilte weiter mit, die Verdächtigen seien in den Vierteln Schaerbeek im Norden, Jette im Westen sowie im Stadtzentrum gestellt worden. Wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete, waren Spezialkräfte und ein Hubschrauber der Polizei im Einsatz. Die Fahnder nahmen drei Verdächtige fest, die in einem Auto in unmittelbarer Nähe des Gebäudes der Staatsanwaltschaft im Stadtzentrum unterwegs waren.

Bombenwerkstatt gefunden

Bei einer früheren Durchsuchung im Bezirk Schaerbeek hatte die Polizei nach den Anschlägen vom Dienstag mit mindestens 31 Toten in einer Wohnung eine Bombenwerkstatt gefunden. Dort sollen Terrorverdächtige Sprengsätze gebaut haben.

Einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" zufolge gab es auch in Deutschland Festnahmen. Nach nicht näher bezeichneten Informationen griff die Polizei je einen Mann im Großraum Gießen und im Raum Düsseldorf auf, bei denen es Verbindungen zu einem der Brüsseler Attentäter geben soll. Art und Ausmaß dieser Verbindungen wurden demnach noch untersucht.

Bei dem am Donnerstagnachmittag von einem Spezialeinsatzkommando im Raum Düsseldorf Festgenommenen handelt es sich dem Bericht zufolge um Samir E., der dort der salafistischen Szene zugeordnet werde. Er sei ebenso wie der Brüsseler U-Bahn-Attentäter Khalid El Bakraoui im Sommer 2015 von türkischen Behörden im Grenzgebiet zu Syrien unter dem Verdacht aufgegriffen worden, für Islamisten dort kämpfen zu wollen. Beide seien nach Amsterdam abgeschoben worden, von wo sie in die Türkei aufgebrochen waren.

Zwei verdächtige SMS erhalten

Bereits am Mittwochabend wurde demnach zudem im Raum Gießen ein Mann aufgegriffen, der zwei verdächtige SMS vom Tag der Brüsseler Anschläge auf seinem Telefon gehabt haben soll. Eines davon enthalte den Namen von Khalid El Bakraoui. Eine weitere Nachricht bestehe nur aus dem französischen Wort "fin" (deutsch: Ende) und sei drei Minuten, bevor sich Bakraoui in die Luft sprengte, gesendet worden.

Bei den Anschlägen waren am Dienstag auch 300 weitere Menschen verletzt worden. Drei der Attentäter, die sich am Flughafen und in einer U-Bahnstation in die Luft gesprengt hatten, sind mittlerweile identifiziert. Nach mindestens zwei weiteren Tätern, die auf Überwachungskameras zu sehen waren, wurde noch gefahndet.

Unterdessen werden im Zusammenhang mit den Terroranschlägen von Brüssel und Paris immer mehr Pannen der belgischen Polizei bekannt: Wie die belgische Zeitung "La Derniere Heure" berichtet, war der Unterschlupf des am 18. März im Brüsseler Stadtteil Molenbeek verhafteten Top-Terrorverdächtigen Salah Abdeslam der Polizei seit 7. Dezember bekannt.

Aus einem vertraulichen Bericht an die Antiterrorzelle der Kriminalpolizei von Brüssel geht nach Angaben der Zeitung hervor, dass ein Polizist aus Mechelen seit dem 7. Dezember im Besitz der Adresse Rue des Quatre Vents 79 in Molenbeek war, wo Abdeslam Freitag vergangene Woche verhaftet wurde. Der vertrauliche Bericht sei nicht übergeben worden, er sei drei Monate von der Polizei in Mechelen zurückgehalten worden. Der Zeitungsbericht enthält keine offizielle Stellungnahme der belgischen Behörden.

Unterstützung von US-Außenminister John Kerry

Der Polizist in Mechelen wurde demnach von einem Kollegen mit Migrationshintergrund über das Versteck Abdeslams informiert, der zu dem Zeitpunkt im Krankenstand war. Dieser habe aus der Gemeinde in Molenbeek erfahren, dass der Sohn eines gewissen D'Jamilla Mohamed, Abid, viele Kontakt mit Abdeslam habe. Der Bericht führe an, dass der junge Mann mit einem schwarzen Citroen fahre und in der Rue des Quatre Vents 79 wohne.

US-Außenminister John Kerry sicherte den Belgiern bei einem Besuch in Brüssel am Freitag die Unterstützung seiner Regierung zu. "Je suis Bruxellois" und "Ik ben Brussel", sagte Kerry in den belgischen Landessprachen französisch und flämisch nach einem Treffen mit Premierminister Charles Michel. Er sei in die belgische Hauptstadt gereist, um "unser tief empfundenes Mitleid" zu übermitteln, erklärte Kerry. Die Anschläge mit 31 Toten in Brüssel verdeutlichten die Notwendigkeit, "den gewaltsamen Extremismus" zu bekämpfen und die Jihadistenmiliz Islamischer Staat zu besiegen.

Drei Tage nach dem Terroranschlag unter anderem in der U-Bahn fuhren auch einige Metros wieder. Allerdings könnten nur 38 von 69 Stationen angefahren werden, teilte die Verkehrsgesellschaft STIB am Freitag mit. Sicherheitskräfte seien an Ort und Stelle. Die STIB habe einen großen Andrang an den Stationen verzeichnet, auch weil der normale Fahrplan noch nicht eingehalten werden könne, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Auch Busse und Straßenbahnen sollten wieder fahren.