Erstellt am 19. September 2015, 17:23

Flüchtlinge kamen erstmals über slowenisch-steirische Grenze. Erstmals sind Flüchtlinge über die slowenisch-steirische Grenze nach Österreich gereist. Am Samstag kam in Langegg vorerst jedoch nur eine kleine Gruppe von zwölf Schutzsuchenden an, so die steirische Polizei auf APA-Anfrage, sie seien zur Betreuung nach Spielfeld gebracht worden. Im slowenischen Gornja Radgona (Oberradkersburg) hinderte die Polizei rund 350 Menschen an der Reise nach Österreich.

 |  NOEN, APA

In der dortigen Messehalle haben die slowenischen Behörden eine Sammelstelle für Asylsuchende errichtet. Bereits in der Nacht seien die ersten Schutzsuchenden mit Bussen eingetroffen, im Laufe des Tages würden sechs weitere erwartet, sagten Vertreter lokaler Hilfsorganisationen gegenüber der APA. Erste Berichte, wonach sich die Flüchtlinge selbstständige an die Grenze zu Österreich durchgeschlagen hätten, stellten sich später als falsch heraus.

Allerdings forderten die Menschen in der Messehalle immer wieder lautstark eine Ausreise Richtung Westen. "Go west, go west", skandierten sie mehrmals, wie ein APA-Reporter an Ort und Stelle berichtete. Die Polizei hat das Gelände jedoch großräumig abgeriegelt und lässt lediglich lokale Hilfsorganisationen sowie Vertreter des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) passieren, Medien wurde der Zugang verwehrt.

Im Inneren der Messehalle seien Feldbetten aufgestellt worden, auch 20 Dixiklos wurden geliefert, berichtete ein Helfer der APA. Ein zwei Monate altes Baby sei noch in der Nacht in kritischem Zustand in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Am Nachmittag traf auch der Bürgermeister der österreichischen Nachbargemeinde Bad Radkersburg, Heinrich Schmidlechner (ÖVP), ein.

Nach Informationen der slowenischen Nachrichtenagentur STA machten sich zudem 250 Menschen aus Maribor und dem benachbarten Lenart zu Fuß auf den Weg zum Grenzort Sentilj nahe dem steirischen Spielfeld, wann sie dort ankommen werden, war vorerst unklar. Die slowenische Polizei kündigte laut STA jedoch an, sie nicht mit Gewalt am Grenzübertritt hindern zu wollen.

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) übte am Samstag Kritik am Verhalten der kroatischen und slowenischen Behörden. Dafür, dass in den beiden Staaten keine Asylanträge gestellt würden, fehle ihr jedes Verständnis, betonte die Ressortchefin in einer schriftlichen Stellungnahme. Gleichzeitig machte sie klar, dass bei jedem einzelnen in Österreich eingereichten Asylantrag, ein "Dublin-Verfahren" zur Rückstellung nach Kroatien oder Slowenien eingeleitet werde. Bisher hat jedoch auch Österreich den überwiegenden Teil der ankommenden Flüchtlinge einfach ohne Registrierung Richtung Deutschland weiterreisen lassen. Dies hatte zuletzt etwa der bayerische Innenminister Joachim Herrmann heftig kritisiert.

Flüchtlings-Hotspot war auch am Samstag erneut das Burgenland. Mit rund 10.000 neu Ankommenden rechneten die Behörden im Tagesverlauf, alleine in den Nachtstunden waren es 6.700. Im südburgenländischen Heiligenkreuz kamen 4.500 Menschen an, in Nickelsdorf waren es 2.500. Um 14.00 Uhr erreichte zudem ein ungarischer Sonderzug mit mindestens 2.000 Schutzsuchenden an Bord den Grenzort Hegyeshalom. Die Menschen machten sich zu Fuß auf den Weg nach Nickelsdorf, wo sie von den Einsatzkräften bereits erwartet wurden. Die Zusammenarbeit mit den Ungarn könnte jedoch besser sein, kritisierte der stellvertretende burgenländische Polizeichef Christian Stella gegenüber der APA. "Es kann nicht sein, dass wir das so kurz vorher erfahren. Quasi: Die Leute steigen jetzt aus dem Zug in Hegyeshalom aus und sind in Kürze da. Wir brauchen eine Vorlaufzeit von einem halben Tag!"

Die Ankommenden wurden mit Bussen und Sonderzügen Richtung Wien, Graz und Oberösterreich gebracht. Allein vom Wiener Westbahnhof reisten bis zum Nachmittag erneut 2.000 Flüchtlinge mit dem Zug weiter Richtung Deutschland. "Sie sind mit Tickets in regulären Zügen weitergefahren", sagte Polizeisprecher Paul Eidenberger. Am Wiener Haupt- und am Westbahnhof befanden sich gegen 15.00 Uhr jeweils rund 200 Flüchtlinge. Seit Freitagmittag wurden in Wien 113 Asylanträge gestellt, sagte der Sprecher.