Erstellt am 26. September 2015, 20:48

Flüchtlingsrekord in Kroatien. Die Flüchtlinge ziehen weiter zu Tausenden durch die Balkanregion gen Westen. Kroatien verzeichnete eine Rekordzahl an neuen Ankünften. Ungarn stoppt einstweilen ein Zaun-Projekt an der slowenischen Grenze und will mit den Nachbarn über die Grenzsicherung verhandeln.

 |  NOEN, APA (epa)

Die Stimmung blieb auch am Samstag angespannt. Auch im Burgenland kamen erneut Tausende über die Grenze.

Allein am Freitag seien fast 10.000 neue Flüchtlinge in Kroatien angekommen, teilte das Innenministerium am Samstag in Zagreb mit. Dies sei ein neuer Tagesrekord.

Seit die Flüchtlinge vor zehn Tagen erstmals Kroatien als Transitland wählten, seien es 65.000 Menschen gewesen. Fast alle werden mit Bussen und Zügen an die ungarische Grenze gebracht, von wo sie laut Medienberichten von ungarischen Behörden nach Österreich weitergeleitet werden.

Fast 11.000 Flüchtlinge hatten am Freitag auch die ungarisch-burgenländische Grenze erreicht, der überwiegende Großteil - 10.500 - in Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See), 200 im südburgenländischen Heiligenkreuz im Lafnitztal (Bezirk Jennersdorf).

Rund 8.700 Flüchtlinge kamen am Samstag bis zum Abend aus Ungarn ins Burgenland, gab die Landespolizeidirektion Burgenland bekannt. Der Großteil, an die 8.500 Menschen, überschritt wieder in Nickelsdorf die Grenze. In Heiligenkreuz im Lafnitztal kamen seit Mitternacht knapp 238 Personen an.

Ungarn hat unterdessen den Zaunbau an der slowenischen Grenze am Samstag vorläufig gestoppt. Das Innenministerium in Budapest erklärte, dieses am Donnerstag unangekündigt begonnene Projekt sei nur ein Versuch gewesen.

Ministerpräsident Viktor Orban hatte am Freitag im Rahmen seines Besuches in Wien gesagt, ein solcher Zaun sei problematisch, weil Slowenien wie Ungarn zum grenzkontrollfreien Schengen-Raum gehöre. Der ungarische Innenminister Sandor Pinter wird sich nach Angaben des Ministeriums am Montag mit seiner slowenischen Amtskollegin Vesna Györkös Znidar treffen, um eventuelle Missverständnisse auszuräumen.

Einen Zaun an der kroatischen Grenze hält die ungarische Regierung hingegen für legitim, weil das EU-Land Kroatien nicht zum Schengen-Raum gehöre. Ungarns will nun mit Kroatien und Slowenien über die Grenzsicherung verhandeln. 8.159 neue Flüchtlinge waren allein am Freitag in Ungarn angekommen.

7.895 Migranten kamen über die kroatisch-ungarische, der Rest über die serbisch-ungarische Grenze. Fünf Flüchtlinge wurden unter dem Verdacht der Dokumentenfälschung festgenommen. Seit Jänner wurden in Ungarn insgesamt 259.308 Flüchtlinge registriert.

Ungarns Außenminister Peter Szijjarto kritisierte erneut das Nachbarland Kroatien. Zagreb habe "Grund zur Bescheidenheit", zumal das Land bewiesen habe, dass es mit den Flüchtlingen nicht zurechtkomme. Der Minister reagierte damit am Samstag auf Kritik des kroatischen Ministerpräsidenten Zoran Milanovic an den ungarischen Zaunbau-Plänen.

Auch zwischen Belgrad und Zagreb blieb das Klima vergiftet, obwohl Kroatien zwei zuvor blockierte Grenzübergänge nach Serbien auf Druck der EU wieder geöffnet hatte. Serbische Zeitungen werteten dies als Niederlage Kroatiens. Das serbische Boulevardblatt "Informer" setzte die Zagreber Regierung sogar mit dem früheren faschistischen Ustasa-Regime gleich.