Erstellt am 18. Oktober 2015, 13:44

Flüchtlingsroute verlagert sich nach Südösterreich. Nachdem Ungarn in der Nacht auf Samstag seine Grenze zu Kroatien für Flüchtlinge de facto dicht gemacht hat, suchen die Menschen über Slowenien einen neuen Weg in Richtung Österreich und Deutschland.

 |  NOEN, APA (AFP)

Am Sonntag kamen erstmals keine Schutzsuchenden mehr über Ungarn nach Nickelsdorf, im steirischen Spielfeld steigen die Ankunftszahlen dafür beträchtlich.

Während am Samstag noch einmal 4.155 Menschen über das ungarische Hegyeshalom nach Österreich reisten, war das Areal am Grenzübergang Nickelsdorf am Mitternacht komplett leer."Es ist sehr ruhig, um nicht zu sagen, es ist nichts los", sagte ein Sprecher der Landespolizeidirektion Burgenland auf Anfrage zur APA.

Auch freiwillige Helfer berichteten auf Facebook, es kämen keine weiteren Züge mit Flüchtlingen mehr durch Ungarn, die Helfer seien bis auf Weiteres aus Nickelsdorf abgezogen. Die Zelte auf dem Areal bleiben allerdings vorerst stehen, hieß es vonseiten der Polizei: "Ein Abbau der Zelte ist noch kein Thema", meinte der Sprecher.

Anders präsentierte sich die Situation im steirischen Spielfeld, wo es am Samstag mit gut 650 angekommenen Flüchtlingen noch relativ ruhig war. Alleine seit 6.00 Uhr seien 1.000 Schutzsuchende über die Grenze gekommen, hieß es vonseiten des Bundesheeres am späten Vormittag. Auf der slowenischen Seite warteten im Transitlager Sentilj noch einmal 1.300 Menschen, wie eine Polizeisprecherin gegenüber der APA erklärte. Weitere werden im Tagesverlauf erwartet: In den Vormittagsstunden überquerten 1.800 Flüchtlinge die kroatisch-slowenische Grenze.

Auch in Bad Radkersburg wurden am Sonntag mehrere hundert Flüchtlinge aus Slowenien erwartet. Am Vormittag befanden sich rund 330 Menschen, großteils Familien mit Kindern, auf der Murbrücke, die Gornja Radgona mit dem steirischen Ort verbindet. Um ihnen einen sicheren Grenzübertritt zu ermöglichen, wurde die Brücke nach Informationen der slowenischen Nachrichtenagentur STA für rund drei Stunden gesperrt. In Kärnten kamen, wie bereits am Samstag, keine Flüchtlinge aus Slowenien an.

Allgemein scheint die Zusammenarbeit mit den slowenischen Behörden bisher wesentlich besser zu funktionieren als mit ihren ungarischen Kollegen. Die Slowenen lassen die Menschen immer nur in kleineren Gruppen von 60 bis 150 Personen nach Österreich weiterreisen. Auch die Versorgung in Spielfeld bzw. der Weitertransport in die Transitquartiere in Graz, Feldkirchen und Kärnten funktioniert vorerst gut. In allen Lagern gab es am Sonntagvormittag noch ausreichend freie Plätze.

Die slowenische Regierung hatte am Samstag erklärt, lediglich 2.500 Schutzsuchende täglich von Kroatien übernehmen zu wollen, da man für diese Anzahl an Menschen auch eine adäquate Betreuung sicherstellen könnte. Dies droht nun allerdings zu einem massiven "Rückstau" an Flüchtlingen an der kroatisch-slowenischen Grenze zu führen, da alleine am Samstag 6.400 Menschen die serbisch-kroatische Grenze überquerten.

Bereits Sonntag in der Früh war das kroatische Transitlager in Opatovoc mit 4.000 Menschen mehr als voll. Auch an der serbisch-kroatischen Grenze bildete sich nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters eine Schlange von 40 Bussen mit Flüchtlingen, die auf die Einreise warteten.

Die Regierung in Budapest fühlt sich indes in ihren Maßnahmen bestätigt. "An der ungarischen Südgrenze ist die Ankunft illegaler Migranten praktisch zum Erliegen gekommen", erklärte Regierungssprecher Zoltan Kovacs am Sonntag in der südwestungarischen Stadt Nagykanizsa.

Seit der Grenzschließung zu Kroatien und der vorübergehenden Einführung von Kontrollen an der Grenze zu Slowenien, sei es zu keinen Zwischenfällen gekommen, fügte Kovacs in der im Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz hinzu. Dies würde belegen, dass die Maßnahmen an der Südgrenze funktionieren würden, die im Sinne des Schutzes der ungarischen und damit der EU-Grenzen getroffen wurden, sagte der Regierungssprecher.