Erstellt am 11. November 2015, 18:38

von APA/Red

Flugbegleiter-Streik bei Lufthansa läuft weiter. Der Streik der Flugbegleiter bei der AUA-Mutter Lufthansa nimmt noch an Wucht zu.

 |  NOEN, APA (dpa)

Die Versuche des DAX-Konzerns, den längsten Ausstand in der Unternehmensgeschichte durch die Arbeitsgerichte stoppen zu lassen, blieben folgenlos. Am Mittwoch erlebte Lufthansa den bisher schlimmsten Streiktag mit 930 Flugausfällen, von denen rund 100.000 Passagiere betroffen waren.

Dem standen 2.000 Flüge meist von nichtbestreikten Airlines der Lufthansa-Gruppe gegenüber. An den Lufthansa-Drehkreuzen München und Frankfurt gab es nur einige wenige Kranichflüge.

Für diesen Donnerstag hat die Gewerkschaft Ufo zum Streik in gleicher Dimension auf den Kurz-, Mittel- und Langstrecken aufgerufen. Lufthansa strich vorsorglich 933 Flüge mit 107.000 betroffenen Passagieren. Am Flughafen Wien fallen am Donnerstag neun Lufthansa-Flüge (jeweils hin und zurück) aus. Von Graz wurden vier Lufthansa-Verbindungen nach Frankfurt annulliert. Die Lufthansa empfiehlt ihren Kunden sich vorsorglich auf LH.com frühzeitig vor dem Abflug über den Status ihrer Flüge zu informieren.

Flüge der Lufthansa-Töchter Group Airlines Air Dolomiti, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Eurowings, Germanwings, Lufthansa CityLine und Swiss werden nicht bestreikt und die Flughäfen Frankfurt, Düsseldorf und München werden am Donnerstag wie gewohnt angeflogen.

Seit Beginn des Ausstands am vergangenen Freitag hat die Airline bis einschließlich Mittwoch mehr als 3.700 Flüge absagen müssen. Betroffen waren rund 443.000 Reisende.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr bekräftigte seinen harten Kurs gegen die Gewerkschaften, denen in den Jahren zuvor zu häufig nachgegeben worden sei. Lufthansa könne sich das nicht mehr leisten und daher würden die Auseinandersetzungen solange ausgetragen wie notwendig, sagte er am Mittwoch in Frankfurt. Das Unternehmen könne nicht seine Zukunftsfähigkeit aufs Spiel setzen. "Jeder Streiktag ist einer zu viel", sagte Spohr. Ein schnelles Ende des Streiks der Flugbegleiter sei nicht in Sicht. Aber natürlich ende jede Verhandlung mit einem Kompromiss, ließ Spohr weitere Verhandlungsbereitschaft erkennen.

Der Chef der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, rechnete allerdings nicht damit, dass es noch während des Streiks Verhandlungen geben könnte. Zu der am Dienstag von ihm ins Spiel gebrachten Schlichtung kam es nicht. Lufthansa hielt der Ufo vor, bei den angedachten Gesprächen auch Themen besprechen zu wollen, die ausschließlich in die unternehmerische Entscheidungsbefugnis fielen. Lufthansa hatte eine Liste von fünf schlichtungsfähigen Tarifverträgen vorgelegt, während Baublies von einer breiteren Palette mit über 20 Einzelthemen sprach.

Lufthansa war in der Nacht zum Mittwoch vor dem Arbeitsgericht Darmstadt mit einem Antrag auf einstweilige Verfügung gescheitert, den Ausstand in Frankfurt und München verbieten zu lassen. Ufo habe das Streikziel hinreichend bestimmt, urteilten die Richter. Lufthansa verzichtete am Abend darauf, Berufung dagegen einzulegen.

Auch das Arbeitsgericht Düsseldorf erlaubte am Mittwochabend den Streik des Kabinenpersonals an diesem Standort und wies damit den Antrag der Lufthansa gegen den Arbeitskampf der Gewerkschaft Ufo zurück. Die Streikziele der Gewerkschaft seien zwar allgemein gehalten, dies führe aber nicht zur Rechtswidrigkeit des Ausstands, urteilte das Gericht in Düsseldorf. Erst am Vortag hatte eine andere Kammer desselben Gerichts entschieden, der Streik sei rechtswidrig, weil die Streikziele zu allgemein gehalten seien.

Der Konzern hatte sein Angebot an die rund 19.000 Flugbegleiter der Kerngesellschaft Lufthansa am Montag nachgebessert und eine höhere Einmalzahlung für dieses Jahr sowie einen früheren Einstieg in den Vorruhestand offeriert. Allerdings müssten bei steigenden Kosten auch ertragsschwache Strecken auf umkämpften Märkten überprüft werden. Dies wird von Ufo als Androhung eines Jobabbaus interpretiert. Die Gewerkschaft verlangt die Übergangsrenten auch für Neueingestellte und hält zudem die den Berechnungen zugrunde gelegte Verzinsung des angesparten Kapitals für zu niedrig.

Lufthansa-Chef Spohr verteidigte auch die von ihm vorangebrachte Billigstrategie unter der Marke Eurowings. Wachstum gebe es in Europa nur bei den Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, so dass Lufthansa als Marktführer hier nicht abseitsstehen könne. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist die Zahl dieser Verbindungen in Deutschland um 4,3 Prozent auf den Rekord von 754 Strecken gestiegen. Zugleich sorgte der Wettbewerb der Günstigflieger für sinkende Preise. Auf dem deutschen Markt ist die Lufthansa-Tochter Germanwings größter Anbieter, während in Europa Ryanair und Easyjet mit weitem Abstand voranfliegen.