Erstellt am 30. Juni 2016, 18:09

Rosberg peilt Spielberg-Hattrick an. Auch im dritten Jahr der Red-Bull-Ring-Ära ist Mercedes Favorit beim Formel-1-Grand-Prix von Österreich.

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Der Zweikampf zwischen WM-Leader Nico Rosberg und Titelverteidiger Lewis Hamilton geht am Sonntag in Spielberg unter besonderen Vorzeichen in die neunte Runde. Rosberg peilt den Spielberg-Hattrick und den Ausbau seiner WM-Führung an, Hamilton hingegen will erstmals in Österreich gewinnen.

Rosberg hingegen cruiste bei der Aserbaidschan-Premiere souverän zum fünften Saisonsieg und ist derzeit oben auf der Welle. Der Wahl-Monegasse mit finnischen Wurzeln ist zudem Österreich-Spezialist. Seine Familie hatte hier lange einen Wohnsitz, Weltmeister-Sohn Nico hat beide Läufe seit der Rückkehr der Formel 1 nach Spielberg gewonnen.

Wird Rosberg am Sonntag erneut Erster, würde er mit dem bisher einzigen dreifachen Österreich-Sieger Alain Prost gleich ziehen. Der Franzose hatte sich 1983, 1985 und 1986 noch auf dem alten Österreichring durchgesetzt. Auf dem neuen Layout sind Mika Häkkinen (1998, 2000) sowie Michael Schumacher (2002 und 2003) und Rosberg die bisher erfolgreichsten Piloten.

"Es ist jetzt nicht so, dass mir die Strecke besonders liegt. Ich habe aber ein gutes Gefühl, die Strecke ist cool. Es wird vielleicht ein bisschen schwieriger, weil alle hier immer sehr nah heranrücken", meinte der Deutsche, der um seinen ersten WM-Titel kämpft und bei Mercedes kurz vor einer weiteren Vertragsverlängerung steht. Vergangenen Montag hatte Rosberg seinen 31. Geburtstag im Kreise der Familie gefeiert.

Auch wenn Williams und Force India dank Mercedes-Power auf dem relativ kurzen Red Bull Ring mit seinen vier jeweils in langsame Kurven mündenden Geraden traditionell stark sind, wird 2016 mit Ferrari und erstmals auch Red Bull Racing als ersten Verfolgern gerechnet. Vor allem die "Gastgeber" setzen diesmal auf mehr Motoren-Power sowie einen speziellen Heimvorteil, nachdem man die Piste nicht nur neu asphaltiert, sondern nachträglich auch aufgeraut hat.

Das soll den RB12 von Daniel Ricciardo und Max Verstappen mehr Grip aus den Kurven geben und am Ende mit Hilfe von Regen bestenfalls in einem Podestplatz münden. Es wäre das mit Abstand beste Ergebnisse für das Einser-Team von Ring-Besitzer Dietrich Mateschitz. Platz acht von Daniel Ricciardo (2014) war bisher die beste Ausbeute gewesen. Ein Podestrang wäre ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk für den Australier, der diesen Freitag 27 Jahre alt wird.

Ferrari und Red Bull haben in der WM längst Lunte gerochen. "Je näher wir an Mercedes ran kommen, desto fehleranfälliger werden sie", ist Red-Bull-Berater Helmut Marko überzeugt. Sein Team blicke auf einen "glücklichen (Verstappen in Barcelona; Anm.) und einen "verschenkten" Sieg in Monaco zurück. Zuletzt in Baku habe man durch ein Reifendesaster einen zweiten Platz liegen lassen.

"Daraus haben wir aber gelernt", versicherte Marko, dass man auf der wegen der bevorstehenden Motorrad-WM neu asphaltierten Berg-und-Talbahn das Thema besser beherrschen wird. Beide Red-Bull-Fahrer haben in der heiklen Reifenfrage anders entschieden als die Mercedes-Piloten, mit zwei Soft-, vier Supersoft- und sieben Ultrasoft-Reifensätzen aber die gleiche Wahl getroffen. Das Pirelli-Set-Up ist das gleiche wie in Monaco und Kanada.

Speziell der in Monaco um den Sieg umgefallene Ricciardo hofft, dass Vierfach-Champion Red Bull spätestens mit den breiteren und stärkeren 2017er-Autos wieder ganz vorne mitmischt. Deshalb hat der Strahlemann aus Perth auch bereits bis Ende 2018 unterschrieben.

Dass man ihm Jahrhunderttalent Verstappen vor die Nase gesetzt hat, stört Ricciardo nicht. "Hoffentlich gibt es mehr Rivalität mit Max. Hoffentlich geht es dabei bald wieder um Siege."

Auch für Vettel ist Spielberg eine Art "Heimspiel". Er ist hier schon als 13-Jähriger gefahren und hat für Red Bull später vier Weltmeistertitel geholt. "Wir sollten hier wieder ein bisschen näher dran sein an Mercedes als in Baku", hofft der Deutsche. Er sieht Ferrari zwischen dem Leader und dem nächsten Verfolger. "Wir sind schneller als Red Bull und nicht so schnell wie Mercedes."

Vor allem dank des neuen Belages geht man davon aus, dass Michael Schumachers Rundenrekord aus dem Jahr 2003 endlich fällt - trockenes Wetter vorausgesetzt. "Es sieht wirklich top eben aus. Und es fühlt sich immer besser an, wenn man schneller fahren kann", freute sich Vettel auf die erste Asphalt-Befahrung.