Erstellt am 09. September 2015, 13:15

Frankfurter Gericht stoppte Lufthansa-Pilotenstreik. Das hessische Landesarbeitsgericht hat den Pilotenstreik bei der Lufthansa vorerst gestoppt. Das Gericht erließ am Mittwoch eine einstweilige Verfügung gegen die streikende Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC).

 |  NOEN, APA (dpa)

Die Lufthansa hatte den Antrag eingereicht, nachdem die Gewerkschaft am Dienstag die bereits 13. Streikrunde in dem seit langem schwelenden Tarifkonflikt eingeläutet hatte. Das Landesarbeitsgericht entschied damit anders als das Arbeitsgericht Frankfurt am Dienstag. Die Lufthansa wirft der VC vor, einen "Mogel-Streik" zu führen. Tatsächlich gehe es ihr gar nicht vorrangig um die Übergangsversorgung der Piloten, sondern um das Lufthansa-Billigkonzept "Wings".

Die VC hat in der Vergangenheit den von Konzernchef Carsten Spohr geplanten Umbau mit einer externen Billigtochter "Eurowings", die in Österreich angesiedelt wird, heftig kritisiert. Piloten-Arbeitsplätze mit Billiglöhnen würden ins europäische Ausland exportiert und so dem deutschen Tarifrecht entzogen, lauteten unter anderem die Vorwürfe.

Die genauen Auswirkungen der gerichtlichen Entscheidung sind noch unklar. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit bestreikt nach den Übersee-Verbindungen seit Mitternacht auch die Deutschland- und Europaflüge der Kranich-Airline. 140.000 Passagiere sind betroffen. Auch in Österreich fallen zahlreiche Verbindungen aus. Vor allem der Flughafen Wien ist hierzulande von dem Streik betroffen. 20 von 22 Flügen dürften ausfallen, bekräftigte Flughafen-Sprecher Peter Kleemann am Mittwoch. Dabei ist die Verbindung nach München und Frankfurt unterbrochen.

In Graz fallen zwei Verbindungen nach Frankfurt (also je zwei Ankünfte und Abflüge) dem Streik zum Opfer, in Salzburg ist nur die Morgenverbindung nach Frankfurt annulliert, für den Nachmittag kündigt die AUA-Mutter auf ihrer Homepage plangemäße Flüge von und nach Salzburg an. Auch Linz und Innsbruck sollen am Mittwoch nach Plan angeflogen werden. Nach Klagenfurt hat die Lufthansa keine Verbindungen, alle Flüge werden von der AUA abgewickelt, die vom Streik nicht betroffen ist.

"Wenn es nicht ein neues Angebot der Lufthansa gibt, streiken wir weiter", hatte Cockpit-Vorstand Markus Wahl am Mittwoch verkündet. Jeder Ausstand werde 24 Stunden vorher angekündigt. Ein Ende der Tarifauseinandersetzung sei derzeit nicht in Sicht. "Wir können jede Woche die Arbeit niederlegen." In dem zähen Arbeitskampf, der sich seit eineinhalb Jahren hinzieht, kämpfen die Piloten für die Beibehaltung ihrer Frührente zu den alten Konditionen und gegen die Verlagerung von Cockpit-Arbeitsplätzen ins Ausland.

Die deutschen Arbeitgeber haben die Pilotengewerkschaft Cockpit wegen der 13. Streikrunde im Tarifkonflikt bei der Lufthansa scharf angegriffen. Der erneute Streik "untergräbt die Tarifautonomie und schädigt die gesamte Volkswirtschaft", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, der "Passauer Neuen Presse" (Mittwochsausgabe). Die tatsächlichen Ziele, die Cockpit mit dem Arbeitskampf verfolge, seien "rechtlich höchst fragwürdig".