Erstellt am 23. April 2017, 19:26

von APA Red

Belgische Medien sehen Macron in Frankreich in Führung. Bei der Präsidentenwahl in Frankreich sehen belgische Medien aufgrund von Umfragen den unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron in Führung. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen müsste eventuell auch um ihren Einzug in die Stichwahl bangen, schreibt LaLibre.be am Sonntag. Das Institut Harris Interactive sieht Le Pen demnach mit dem Linkspolitiker Jean-Luc Melenchon Kopf-an-Kopf.

Nach Angaben der Internetseite des Blattes "L'Echo" am Sonntag stehe Le Pen vermutlich an zweiter Stelle. Das berichtete lecho.be mit Berufung auf drei nicht genannte Umfrageinstitute. Auch laut Ifop liegt Melenchon ein Stück weit hinter der Rechtspolitikerin, gleichauf mit dem Konservativen Francois Fillon.

Der belgische Sender RTBF hatte ebenfalls erste Einschätzungen veröffentlicht, wonach Macron mit 24 Prozent der Sieger des ersten Durchgangs werden dürfte. Demnach werde für Le Pen, Fillon und Melenchon ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen 18 und 20 Prozent erwartet.

In Frankreich selbst dürfen keine Resultate vor Schließung des letzten Wahllokals um 20.00 Uhr veröffentlicht werden. Französischsprachige belgische und Schweizer Medien umgehen dieses Verbot jedoch seit Jahren.

Der Direktor von RTBF in Brüssel, Jean-Pierre Jacqmin, erklärte entgegen der Kritik an der Veröffentlichung solcher Daten bzw. an deren Zuverlässigkeit: "Unsere Informationen sind vertrauenswürdig." Es handle sich "nicht um Bauernfängerei, sondern um Umfragen mehrerer Institute. Es sind Einschätzungen, Nachwahlumfragen an den Urnen und Untersuchungen im Internet", so Jacqmin.

In Frankreich läuft die europaweit mit Spannung erwartete Präsidentenwahl auf Hochtouren. In einer ersten Runde entscheiden die Bürger am Sonntag darüber, welche beiden der elf Kandidaten am 7. Mai in die Stichwahl einziehen. In Umfragen lagen vier Kandidaten bis zuletzt eng beieinander. Favoriten waren der sozialliberale Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und die rechtsextreme Euro-Gegnerin Marine Le Pen.

Die Beteiligung bei der Präsidentenwahl gestaltet sich bisher ähnlich wie vor fünf Jahren. Bis 17.00 Uhr waren 69,42 Prozent zu den Urnen gegangen, teilte das Pariser Innenministerium am Sonntag auf Twitter mit. 2012 waren es zu dieser Zeit mit 70,59 Prozent geringfügig mehr gewesen.

Die meisten Wahllokale sind diesmal bis 19.00 Uhr geöffnet, also eine Stunde länger als vor fünf Jahren. Manche Sprengel in großen Städten haben sogar - wie schon beim letzten Mal - bis 20.00 Uhr offen. Hochrechnungen von Umfrageinstituten gingen aufgrund der angegebenen Werte von einer Gesamtbeteiligung um die 80 Prozent aus. Das Institut Ifop-Fiducial schätze sie auf 81 Prozent, während Harris Interactive von 78,5 Prozent ausging. 2012 lag die Wahlbeteiligung bei knapp 80 Prozent.

Insgesamt sind 47 Millionen Bürger zur Stimmabgabe aufgerufen, die unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen stattfindet. Mit ersten Prognosen wird um 20.00 Uhr gerechnet.

Die vier führenden Kandidaten gaben ihre Stimme bis zum Mittag ab. Macron rief seine Landsleute auf, auf jeden Fall von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. "Angesichts der Zeiten, in denen wir leben, ist es entscheidend, seine Stimme abzugeben, egal für wen."

Auch bei den Auslandsfranzosen in der EU war das Interesse groß: In Berlin und London bildeten sich vor den französischen Botschaften lange Schlangen. Als erste waren die Bewohner der französischen Überseegebiete bereits am Samstag zur Stimmabgabe aufgerufen.

Den Umfragen zufolge hat Macron die besten Chancen, in zwei Wochen zum Präsidenten gewählt zu werden, unabhängig davon, wer gegen ihn antritt. Doch Meinungsforscher mahnen zur Vorsicht. Noch hätte jeder der vier Führenden die Chance, in die zweite Runde einzuziehen. So holte zuletzt Ex-Ministerpräsident Fillon trotz der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Frau in den Umfragen leicht auf. "Es ist gibt nicht mehr die klassische Trennung zwischen links und rechts", sagte Jerome Fourquet vom Meinungsforschungsinstitut Ifop. "Macron präsentiert sich als Progressiver gegen Konservative, Le Pen als Patriotin gegen die Globalisierer."

Insbesondere an den Finanzmärkten wird gefürchtet, dass es zu einer Stichwahl zwischen Le Pen und dem Linkspolitiker Melenchon kommen könnte. Le Pen lehnt den Euro ab und befürwortet die Rückkehr zu nationalen Währungen. Melenchon will ein Referendum über einen EU-Austritt abhalten lassen, sollten die anderen EU-Regierungschefs sich einem radikalen Kurswechsel weg von der Sparpolitik widersetzen. Außerdem befürwortet er einen Austritt aus der NATO.

Nach dem tödlichen Anschlag auf Polizisten in Paris am Donnerstagabend findet die Abstimmung unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. 50.000 Sicherheitskräfte sind im Einsatz, um die Wahl zu schützen. In den vergangenen beiden Jahren kamen in Frankreich mehr als 230 Menschen bei Anschlägen ums Leben. Erst in dieser Woche wurden in Marseille zwei Männer festgenommen, die den Ermittlungen zufolge einen Anschlag vor der Wahl geplant hatten.