Erstellt am 16. November 2015, 09:06

von APA/Red

Frankreich fliegt massive Luftangriffe auf IS in Syrien. Zwei Tage nach der blutigen Anschlagsserie in Paris hat die französische Luftwaffe Stellungen der Jihadisten-Miliz "Islamischer Staat" in Syrien bombardiert.

Falscher Alarm auf dem Place de la Republique  |  NOEN, APA (AFP)

Bei den Angriffen auf die IS-Hochburg Raqqa hätten zehn französische Kampfflugzeuge insgesamt 20 Bomben abgeworfen, teilte das Verteidigungsministerium in Paris am Sonntagabend mit.

Die Ziele seien ein "Terror-Trainingslager" und ein Camp gewesen, das den Jihadisten als Kommandozentrale, Rekrutierungszentrum und Waffenlager gedient habe. "Die beiden Ziele der Luftangriffe wurden zerstört", erklärte das Ministerium.

Die Luftangriffe seien in Absprache mit den USA erfolgt. Die Luftangriffe wurden rund 48 Stunden nach der Anschlagsserie von Paris geflogen, bei der Attentäter mindestens 129 Menschen getötet hatten. Zu den schwersten Anschlägen in der französischen Geschichte hat sich der IS bekannt, Frankreichs Staatschef Francois Hollande sprach von einem "Kriegsakt" einer "terroristischen Armee".

Frankreich fliegt seit September 2014 als Teil des US-geführten Anti-IS-Bündnisses Luftangriffe gegen die Jihadisten im Irak und weitete den Einsatz im vergangenen September auf Syrien aus. Bis zu den Anschlägen vom Freitagabend flog Frankreich nach Regierungsangaben 283 Luftangriffe im Irak und fünf Luftangriffe in Syrien - nur ein Bruchteil der von der US-Luftwaffe geflogenen Angriffe.

Falscher Alarm am Platz der Republik am Sonntag

Derzeit sind sechs französische Kampfflugzeuge vom Typ Rafale in den Vereinigten Arabischen Emiraten und sechs Mirage-Flugzeuge in Jordanien stationiert. Anfang November beschloss die Regierung in Paris zudem die erneute Entsendung des Flugzeugträgers "Charles de Gaulle" in die Region.

Unterdessen liegen nach den mörderischen Anschlägen vom Freitag die Nerven in der französischen Hauptstadt blank. Auf dem Pariser Platz der Republik brach am Sonntagabend kurzzeitig Panik aus. Die dort versammelten Menschen verließen den Platz fluchtartig, wie ein dpa-Fotograf beobachtete. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um einen falschen Alarm.

Der Platz ist eine der Haupt-Anlaufstellen für Menschen, die in der französischen Hauptstadt der Mordserie vom Freitag gedenken. Wenig später zeigten Fernsehbilder Menschen, die auf den Platz zurückkehrten. Im Osten der Stadt verließen zahlreiche Menschen hektisch die Metrostation Belleville. Schwer bewaffnete Polizisten eilten herbei, gaben aber bald Entwarnung. Einer von ihnen sagte einer dpa-Reporterin, Auslöser sei ein "schlechter Scherz" gewesen. Nach ersten Meldungen und Gerüchten über die Vorfälle schlossen Ladenbesitzer in der Gegend rasch ihre Geschäfte.

Zwei der getöteten Attentäter aus Brüssel

Nach der schlimmsten Anschlagsserie in der Geschichte Frankreichs mit fast 130 Todesopfern soll mindestens einem Terrorkommando die Flucht gelungen sein. Ermittler stellten am Sonntag ein Auto östlich von Paris sicher. Nach Einschätzung der Polizei bedeutet das, dass eines der drei Terrorkommandos fliehen konnte, wie der Sender Europe 1 berichtete.

In dem Auto wurden auch Waffen gefunden. Der sichergestellte schwarze Seat soll laut Ermittlern von jenen Terroristen benutzt worden sein, die vor mehreren Cafes und Restaurants im Zentrum von Paris wahllos Menschen erschossen. Unklar blieb, ob der oder die Täter weiter auf der Flucht sind, oder bereits am Samstag in Belgien gefasst wurden.

Zwei der getöteten Attentäter von Paris dürften zuletzt im Großraum Brüssel gelebt haben. Es handle sich um zwei Personen mit französischem Pass, wie die Brüsseler Staatsanwaltschaft am Sonntag nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga mitteilte. Außerdem seien zwei der bei den Anschlägen verwendeten Autos belgische Mietwagen. In dem Fahrzeug der Terroristen fanden Ermittler auch Waffen. Das berichtete der Sender BFMTV am Sonntag ohne nähere Angaben zur Art der Waffen.

USA: Angriffe auf IS gemeinsam mit Frankreich

Wie sich am Sonntagabend herausstellte, waren nach Ermittlerangaben drei Brüder in die Pariser Anschläge verwickelt. Einer sei bei den Attentaten selbst ums Leben gekommen, während sich ein zweiter derzeit in Belgien in Polizeigewahrsam befinde, verlautete am Sonntag aus Ermittlerkreisen in der französischen Hauptstadt. Beim dritten Bruder sei nicht klar, ob er einer der Selbstmordattentäter war oder auf der Flucht ist.

Die USA kündigten ebenfalls am Sonntagabend an, gemeinsam mit Frankreich die Angriffe auf die Islamisten-Miliz IS in Syrien und im Irak verstärken zu wollen. Die USA stünden "Schulter an Schulter" mit Frankreich, um auf die Anschläge von Paris zu reagieren, sagte der Sicherheitsberater des US-Präsidialamtes, Ben Rhodes, am Sonntag dem US-Fernsehen am Rande des G-20-Gipfels in der Türkei.

Es sei offensichtlich, dass Frankreich seine Anstrengungen bei den militärischen Aktionen intensivieren wolle. Mit den Angriffen werde dem IS klargemacht, "dass es keine sicheren Rückzugsgebiete für diese Terroristen gibt." Die USA greifen seit Längerem den IS im Irak und Syrien an. Frankreich fliegt seit September eigene Angriffe in Syrien.

Frankreichs Präsident Francois Hollande will den nach den Anschlägen verhängten Ausnahmezustand auf drei Monate verlängern. Das Parlament müsste für eine Verlängerung über zwölf Tage hinaus ein Gesetz beschließen, hieß es aus Parlamentskreisen.