Erstellt am 16. November 2015, 12:49

von APA/Red

Frankreichs Premier Valls rechnet mit weiteren IS-Angriffen. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" IS bereitet nach den Worten von Frankreichs Premierminister Manuel Valls weitere Anschläge auf europäische Länder vor. "Wir wissen, dass Operationen vorbereitet wurden und noch vorbereitet werden, nicht nur gegen Frankreich, sondern auch gegen andere europäische Länder", sagte Valls am Montag dem Sender RTL.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls  |  NOEN, APA (AFP)

Die Terroranschläge in Paris seien von Syrien aus "organisiert" und "geplant" worden. Frankreich werde zudem lange mit der Bedrohung durch den Terrorismus leben müssen. Er könne auch weitere Anschläge in den kommenden Tagen oder Wochen nicht ausschließen, nachdem am Freitagabend bei einer beispiellosen Terrorserie in Paris mindestens 129 Menschen getötet und über 350 verletzt wurden. Valls bekräftigte, Frankreich wolle den IS zerstören.

Wie zuvor Präsident Francois Hollande kündigte der Premier eine "gnadenlose" Jagd nach den Hintermännern der Anschlagserie an. Laut Berichten gab es in der Nacht auf Montag in verschiedenen französischen Städten mehr als 150 Durchsuchungen im islamistischen Milieu.

"Wir nutzen den gesetzlichen Rahmen des Ausnahmezustands, um Leute zu befragen, die Teil der radikalen Jihadisten-Bewegung sind (...) und alle jene, die Hass auf die Republik befürworten", so Valls. Die Behörden durchsuchten mehr als 100 Häuser, darunter auch im Pariser Vorort Bobigny. Medienberichten zufolge gab es auch Aktionen in Toulouse, Grenoble.

Französische Polizei übernahm die Initative

Die französische Polizei durchsuchte nach den Anschlägen in Paris vom Freitagabend in der Nacht auf Montag 168 Häuser und Wohnungen. 23 Personen wurden festgenommen, teilte Innenminister Bernard Cazeneuve mit. Es seien Waffen gefunden worden. 104 Personen wurden unter Hausarrest gestellt.

Präsident Hollande hatte nach den islamistischen Anschlägen den Ausnahmezustand verhängt. Er erlaubt Durchsuchungen ohne richterlichen Beschluss in der Nacht. Aus Ermittlerkreisen verlautete, die meisten Razzien stünden nicht in direktem Zusammenhang mit den Ermittlungen zu den Anschlägen.

Premier Valls kündigte an, dass die Regierung im "Krieg" gegen den Terrorismus "keine Lösung" ausschließe. "Wir müssen die Moscheen und Vereine schließen, die die Werte der Republik angreifen", forderte der Premierminister.

Zuvor hatte bereits Innenminister Bernard Cazeneuve angekündigt, dass das Kabinett über die Schließung von Moscheen beraten werde, "in denen Hass verbreitet wird". Der Ausnahmezustand erlaube es, die Ausweisung derjenigen voranzutreiben, die "Hass predigen, die unter Terrorverdacht stehen oder an Terrorakten beteiligt waren", sagte Cazeneuve.

Aktive Politik gegen den IS

Valls bekräftigte, Frankreich wolle den IS zerstören. Am Sonntagabend hatten französische Kampfflugzeuge bereits mehrere Luftangriffe auf IS-Stellungen und Ausbildungslager in ihrer syrischen Hochburg Raqqa geflogen.

Als Reaktion auf die Anschläge von Paris forderte der britische Premierminister David Cameron vom Parlament Unterstützung für die Beteiligung seines Landes an Luftangriffen gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) in Syrien. "Wir müssen das Parlament überzeugen", sagt er in der BBC. Großbritannien beteiligt sich an den Luftangriffen im Irak, aber eine Ausweitung dieser auf Syrien scheiterte am Parlament.

In Frankreich wurde eine Schweigeminute im Gedenken an die Opfer der Anschläge von Paris abgehalten. Im ganzen Land hielten die Menschen auf den Straßen, in Büros und Schulen um 12.00 Uhr eine Minute lang inne, um der 129 Toten und 352 Verletzten der islamistischen Attentate zu gedenken.

Präsident Francois Hollande hielt sich mit Premierminister Manuel Valls an der Pariser Universität Sorbonne auf, da unter den Opfern viele junge Leute waren. Auch an den Anschlagsorten in Paris versammelten sich hunderte Menschen. In ganz Europa waren die Menschen aufgerufen, eine Schweigeminute abzuhalten.

Am Wochenende hatten sich bereits tausende Menschen in verschiedenen Städten Frankreichs zu Gedenkfeiern versammelt. Auch in Paris kamen trotz eines offiziellen Versammlungsverbots auf dem Platz der Republik in unmittelbarer Nachbarschaft der Anschlagsorte tausende Menschen zusammen. Vor der Konzerthalle Bataclan und den Café und Restaurants, die am Freitagabend angegriffen worden waren, legten Menschen Blumen nieder, entzündeten Kerzen und hängten Zettel auf, in denen sie ihre Solidarität mit den Opfer ausdrückten.

Hunderte Menschen bei Gedenkmesse

Am Sonntagabend nahmen mehr als tausend Menschen in der Pariser Kathedrale Notre-Dame an einer Gedenkmesse teil, darunter zahlreiche Politiker. Hunderte weitere Menschen verfolgten die Messe, die von Erzbischof André Vingt-Trois geleitet wurde, vor der Kathedrale.

Auch in der Großen Synagoge von Paris versammelten sich rund 300 Menschen zu einer Gedenkfeier. Am Sonntag begann zudem eine dreitägige Staatstrauer. Am Montag wurden die Flaggen im ganzen Land auf Halbmast gesetzt.

Am Montagnachmittag will sich Hollande an die Senatoren und Abgeordneten wenden, die zu einer seltenen Tagung des Kongress im Schloss von Versailles zusammenkommen werden. In seiner Ansprache will Hollande sein weiteres Vorgehen nach den Anschlägen bekannt geben.