Erstellt am 29. Dezember 2015, 20:28

Freund gewann Auftakt der Vierschanzentournee. Severin Freund hat endlich den Bann gebrochen und einen perfekten Start in die 64. Vierschanzentournee hingelegt. Der Bayer sorgte 13 Jahre nach Sven Hannawald für den ersten DSV-Auftaktsieg in Oberstdorf.

 |  NOEN, APA (dpa)

Bei seinem 21. Erfolg im Weltcup hatte der 27-jährige Freund drei Punkte Vorsprung auf den Oberösterreicher Michael Hayböck. Vorjahrssieger Stefan Kraft landete an siebenter Stelle (19,5 zurück).

Der Wind mischte allerdings just in der entscheidenden Phase des Finales entscheidend mit und drehte zweimal. Freund (126/137,5 m) und Hayböck (130/139), Fünfter und Sechster nach dem ersten Durchgang, segelten bei Aufwind an die Spitze und überflügelten die bei Rückenwind springenden Rivalen deutlich.

Topfavorit Peter Prevc (SLO/129,5/130), Daniel-Andre Tande (NOR/133/119) und Kraft (130/127,5) nützte die Anlaufverlängerung um drei Luken nichts, sie fielen von den Halbzeit-Rängen eins bis drei auf die Plätze drei, sieben und zehn zurück. Anders Fannemel (NOR) blieb Vierter, Noriaki Kasai verbesserte sich an die fünfte Stelle.

Bei Weltmeister Freund und dem Vorjahrs-Zweiten Hayböck überwog die Freude, sie wussten ihren Vorteil aber auch richtig einzuordnen. Hayböck landete zum dritten Mal in den jüngsten vier Bewerben an der zweiten Stelle, er kostete seinen Flug auf die Tageshöchstweite im mit 25.000 Zuschauern ausverkauften Stadion voll aus.

"Das war ein echt genialer Sprung, besser geht's nicht. Aber ich war sicher auf der glücklichen Seite. Leider ist Stefan Kraft diesmal nicht vor mir, aber er ist in Schlagdistanz", meinte der 24-Jährige. Im Vorjahr hatte Kraft vor Hayböck im Allgäu und auch in der Gesamtwertung triumphiert.

Diesmal verschaffte sich der bei der Tournee schon so oft gescheiterte Freund die besten Karten. "Das ist ein wahnsinnig schönes Gefühl, denn die Tournee war immer ein kleiner Schatten", erklärte der Weltcupsieger. "Aber nach dem, was bei den letzten zehn Springern passiert ist, kann man das nicht für 100 Prozent nehmen. So wie es bei Kraft war, das passt nicht mehr zusammen", gab der Bayer zu. Der Skiflug-Weltmeister verhehlte nicht, dass er mit Aufwind und den Bonuspunkten für kürzeren Anlauf die besseren Karten erwischt hatte.

ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin sprach in seiner ersten Analyse ebenfalls diese Problematik an und kritisierte indirekt die Jury.

"Wenn so eine Aufwindphase (wie bei Hayböck und Freund, Anm.) kommt, dann muss man warten. Severin und Michi haben das ausgenützt. Aber wenn sich die Verhältnisse so ändern, dann ist das ein klarer Eingriff, das sollte man in Zukunft besser gestalten", betonte der 44-jährige Kärntner. Er freute sich aber mit Hayböck. "Er kämpft um seinen großen Traum, den Tourneesieg, und hat heute einen Schritt dahin gemacht."

Kraft gelangen zwei sehr gute Sprünge, für den Flug im Finale wurde er aber nicht belohnt. Der Tourneesieger wusste schon bei der Verlängerung des Anlaufs vor seinem Start, dass es schwer werden würde. "Mein Sprung war ganz gut, aber natürlich hat man dann nicht mehr viele Chancen. Aber es war ein sehr guter Wettkampf von uns, Michi und ich können uns freuen."

Freund nahm mit dem erst zweiten DSV-Tageserfolg seit Dezember 2002 - Richard Freitag gewann im heurigen Jänner in Innsbruck - viel Druck vom deutschen Team und Bundestrainer Werner Schuster. "Ich bin sehr erleichtert und echt stolz auf den Burschen", sagte der Österreicher. Denn man müsse die Gunst der Stunde auch erst nützen.

Für den Kleinwalsertaler bleibt Prevc, der als Dritter 7,3 Punkte zurückliegt, der Topfavorit. Freund hat sich aber vorerst in die beste Position gebracht, die sieben Gesamtsiege umfassende Serie des ÖSV-Teams zu beenden.

Die übrigen Österreicher blieben am Dienstag auch weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. Manuel Fettner hatte sich im K.o.-Duell des ersten Durchgangs (117,5 m) um nur einen Zehntelpunkt durchgesetzt, nach einer Steigerung im Finale (126,5) verbesserte sich der 30-Jährige immerhin an die 20. Stelle. "Da war viel Wut dabei nach dem schlechten ersten Durchgang", meinte Fettner, der zuletzt zwei Top-Ten-Plätze erreicht hatte.

Der zweifache Oberstdorf-Sieger Gregor Schlierenzauer und Manuel Poppinger verpassten hingegen die Final-Qualifikation. Schlierenzauer hatte nach dem gerade noch geschafften Aufstieg in den Hauptbewerb am Montag eine Umstellung beim Material vorgenommen. "Wir haben einen anderen Weg gewählt, mir bleibt nichts anderes übrig als zu fighten", sagte der zweifache Tourneegewinner. Für ihn geht es auf den restlichen Stationen darum, die Form für die Skiflug-WM zu finden.