Erstellt am 22. März 2015, 14:13

Freund und Prevc punktegleich, Deutscher holte Titel. Was für ein Finale im Skisprung-Weltcup in Planica. Ausgerechnet sein Landsmann Jurij Tepes verpatzte dem nach dem ersten Durchgang auf Kurs Gesamtsieg liegenden Peter Prevc am Sonntag mit einem Superflug den Tagessieg und damit die große Kristallkugel.

Der nur auf Platz sieben gelandete Severin Freund und Prevc hatten am Ende je 1.729 Punkte, doch Freund hatte mit neun Tagessiegen die Nase vorne.

Der 26-jährige Freund kürte sich somit zum erst dritten deutschen Weltcup-Gesamtsieger nach Jens Weißflog (1984/DDR) und Martin Schmitt (1999, 2000). Viel hätte nicht gefehlt, und Prevc hätte Freund noch die Butter vom Brot genommen. Freund war mit 94 Punkten Vorsprung nach Slowenien gereist. Doch mit den Rängen vier und sieben hätte es beinahe nicht gereicht für den Schützling des österreichischen DSV-Cheftrainers Werner Schuster.

Zwar hätte Prevc schon noch aus eigener Kraft mit einem Tagessieg gewinnen können, aber der Sensations-Flug des nach dem ersten Flug auf Platz vier gelegenen Tepes vermasselte Prevc den ersten Gesamtsieg eines Slowenen seit Primoz Peterka 1998. 244 m weit segelte Tepes und erhielt dafür auch noch fünf Mal die Note 20,0, die am Sonntag übrigens besonders oft vergeben wurde. 2,8 Zähler fehlten Prevc zum vierten Saisonsieg und zur großen Kristallkugel. Der Gewinn der kleinen Kristallkugel für die Skiflug-Wertung war letztlich wohl ein schwacher Trost für Prevc, der noch dazu schon im Vorjahr Gesamtzweiter (hinter Kamil Stoch/POL) geworden war.

Schon vor dem Herzschlag-Finale in Planica hatte Österreichs in diesem Jahr zum "Superadler" aufgestiegener Stefan Kraft seine Chancen verspielt. Der 21-jährige Salzburger, der sich sensationell zum Vierschanzen-Tournee-Sieger gekürt hatte, landete am Ende 151 Punkte hinter Freund und Prevc auf dem dritten Rang. In den Einzelbewerben beendete Kraft mit den Rängen drei (Freitag) und vier die Saison aber würdig. Auch Michael Hayböck als Sechster am Sonntag und Gesamt-Fünfter durfte zufrieden bilanzieren.

Für den 53-fachen Weltcupsieger Schlierenzauer reichte es am Ende zum zehnten Gesamtrang und nur einen Weltcupsieg: Für den erfolgsverwöhnten Tiroler natürlich nicht das Gelbe vom Ei. Nach dem 228,5-m-Flug im ersten Durchgang freute er sich über "einen der besseren Flüge. So gesehen ist Planica sicherlich ein würdiger Abschluss." Schlierenzauer hat aber freilich höhere Ansprüche. "Es stimmt noch nicht so ganz - weder von der Technik, noch vom Material her. Man muss die Saison analysieren und schauen, warum es nicht funktioniert hat."

Für Freund bedeutete das doch auch etwas glückliche Ende den Schlusspunkt hinter seine mit Abstand erfolgreichste Saison: Bei der WM in Falun hatte er Gold von der Großschanze sowie im Mixed sowie Silber vom kleinen Bakken geholt.

Freund war über seinen Triumph überglücklich. "Gesamt-Weltcupsieger hört sich ziemlich cool an. Jetzt habe ich ihn. Es ist das, was ich immer gewinnen wollte und unglaublich, dass ich das am Ende einer solchen Saison geschafft habe." Es sei "die größte Saison" seiner Karriere gewesen. "Ich bin sehr dankbar und stolz und auch ein wenig demütig."

Zum extrem knappen Ausgang fand Freund tröstende Worte für Prevc, der übrigens für seinen zweiten Flug auch 4 x die Höchstnote von 20,0 erhalten hatte: "Extrem unfassbar. Ich hätte es gerne nicht so spannend gemacht, aber er war hier auf der Schanze brutal stark und ich bin nicht so zurechtgekommen. Ich muss mich bei Gregor bedanken, dass er ein bisschen kürzer gesprungen ist", sagte Freund. Schlierenzauer war vom fünften auf den neunten Platz zurückgefallen. Über Prevc: "Wenn zwei Leute die gleiche Punktzahl haben, hätten es beide verdient, oben zu stehen." Er habe gewusst, dass er das Potenzial dazu habe. "Aber dass ich es jetzt schon geschafft habe, ist Wahnsinn."

Riesengroß war die Freude freilich auch beim Vorarlberger Schuster, dem Cheftrainer der Deutschen. "Das ist die Krönung eines längeren Weges. Für Severin ist es fantastisch, für uns als Team ist es grandios, dass wir alles gewonnen haben. Es war nicht unverdient, auch wenn es knapp war." Schuster bedankte sich auch für die Schützenhilfe durch Tepes. "Der Sevi hat gekämpft, die Schanze aber nie richtig in den Griff bekommen. Dass uns ausgerechnet Tepes hilft, ist natürlich eine ganz tolle Geschichte."

Zufrieden war am Ende auch Stefan Kraft: "Es waren auf jeden Fall noch einmal zwei coole Flüge. Es war eine coole Saison, der Abschluss war perfekt. Es war auch extrem spannend, ich habe mich überhaupt nicht ausgekannt, wer vorne ist. Es ist schade, dass es der eigene Mann einem jetzt wegnimmt (Tepes vor Prevc, Anm.), aber Severin hat es sich verdient."

ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin zum enorm knappen Ausgang: "Es ist sportlich entschieden worden und so muss es auch bleiben und gottseidank ist es auch im Skispringen so." Die ÖSV-Mannschaft begab sich nach Salzburg, wo in einer Brauerei der Saisonausklang gefeiert wurde.