Erstellt am 24. Februar 2016, 11:24

von Paul Haider

Für Schnäppchenjäger: Polizei versteigerte Schlepperautos. In Nickelsdorf kommen Fahrzeuge unter den Hammer, die von Schleppern beschlagnahmt wurden.

Erfolgreich. Nehad freut sich über seinen neuen Peugeot, den er um 170 Euro ersteigert hat. Das Fahrrad gab es gratis dazu.  |  NOEN, Paul Haider
„Des Einen Leid, des anderen Freud“ - dieser Spruch ist selten zutreffender als bei der gerichtlichen Versteigerung von ehemaligen Schlepperfahrzeugen in Nickelsdorf am vergangenen Freitag. Auf dem LKW Parkplatz neben der Grenzpolizeistation stehen rund 40 verwaiste Fahrzeuge und warten auf neue Besitzer. Sie alle wurden im Vorjahr beschlagnahmt.

Josef Kinzel, Kommandant der Polizeiinspektion AGM (AGM steht für Ausgleichsmaßnahmen, Anm.) Nickelsdorf erklärt im Gespräch mit der BVZ, was mit dem Fahrzeug eines Schleppers passiert, nachdem er von der Polizei geschnappt wurde: „Wenn das Auto gestohlen wurde, oder jemandem zugeordnet werden kann, der mit der Schleppung nichts zu tun hat, dann wird es dem rechtmäßigen Besitzer wieder ausgefolgt. Wenn das Auto dem Schlepper gehört, oder keinem Besitzer zugeordnet werden kann, dann wird es als Tatmittel beschlagnahmt und später auf Anordnung des Landesgerichts versteigert.“

In Nickelsdorf wird „B-Ware“ versteigert

Heute kommen in Nickelsdorf acht solche Autos unter den Hammer. Die Fahrzeuge, die hier versteigert werden, sind sozusagen B-Ware. Die teils sehr ramponierten Autos sind oft schon ab 100 Euro zu haben. Ein VW Touran in gutem Zustand, Baujahr 2004, der für 3.700 Euro den Besitzer wechselt, ist heute die Ausnahme von der Regel. „Die wertvolleren Autos kommen nach Wien und werden vom Dorotheum versteigert“, erklärt Chefinspektor Josef Kinzel.

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Etwa 30 Interessierte, ausschließlich Männer, sind heute zur Versteigerung gekommen. Bestimmte Voraussetzungen, um an der Auktion teilzunehmen, gibt es nicht: Jeder darf kommen und mitbieten. Die einzige Bedingung: Die ersteigerten Autos müssen noch am selben Tag wegtransportiert werden. Viele der Bieter sind Auto-, Karosserie- und Schrotthändler aus dem In- und Ausland.

Andere sind Schnäppchenjäger, die günstig einen fahrbaren Untersatz erstehen wollen. Es sei auch schon vorgekommen, dass ein ehemaliger Schlepper hier sein eigenes Fahrzeug zurückersteigert hätte, erklärt ein Polizist. Man(n) hängt schließlich an seinem Auto.

Ein junger Mann namens Nehad ist heute zum ersten Mal hier. Er habe durch das Internet von der Versteigerung erfahren, erzählt er. Er nimmt ein Auto mit nach Hause: für 170 Euro ersteigert er einen Peugeot 206. Das Auto war offensichtlich in einen Unfall verwickelt: Das Heck ist eingedrückt, die Heckscheibe zersplittert. Der Zustand des Autos und dass es als Schlepperfahrzeug verwendet wurde, stört Nehad nicht. Auf die Frage, was er mit dem Auto vorhat, entgegnet er: „Herrichten und damit fahren natürlich!“. Und falls es mit der Reparatur nicht klappen sollte, gibt es noch einen Trost für den jungen Tüftler: Ein blaues Fahrrad war im Kaufpreis miteinbegriffen.

Einen Kastenwagen für 30 Euro ersteigert

„30 Euro zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten!“ - ein weißer Kastenwagen hat einen neuen Besitzer. Kein Schlüssel, keine Papiere, das Lenkrad rechts – alles kein Problem für den Mann mit Bart, der das erfolgreiche Gebot gemacht hat. Auch er hat laut eigenen Angaben vor, selbst mit dem Auto zu fahren. Wie er das ohne Schlüssel anstellen will, verrät er nicht.

Bei aller Liebe für die Schnäppchenjagd müsse den Bietern eines bewusst sein, mahnt Chefinspektor Kinzel: Bei vielen Autos werde es schwierig werden, eine österreichische Zulassung zu bekommen. Für die wenigsten gebe es gültige Papiere, oft seien die Schlüssel abhandengekommen, die Fahrtauglichkeit sei höchst fraglich. Die Freude über ein vermeintliches Schnäppchen kann schnell großer Enttäuschung weichen.

Einige „Schmankerl“ stehen aber doch in Nickelsdorf: Eine Gruppe versammelt sich interessiert um einen Mercedes. „An dem sind alleine die Felgen 500 Euro wert“, kommentiert ein selbsterklärter Karosserie-Experte. Pech für den Schnäppchenjäger: Der Mercedes wird heute nicht versteigert. Im April soll es aber schon die nächste Auktion geben, verrät ein Polizist.

 


Information

Beschlagnahmte Schlepper-Fahrzeuge werden regelmäßig in Nickelsdorf bei der Polizeiinspektion direkt an der Grenze zu Ungarn vom Bezirksgericht Neusiedl versteigert.

Alle Informationen zu kommenden Auktionen sind auf der Internetseite www.edikte.justiz.gv.at zu finden.