Erstellt am 23. September 2015, 06:45

von APA Red

Generalstaatsanwalt ermittelt im VW-Dieselskandal. Im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen hat auch die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates New York Ermittlungen gegen den deutschen Autokonzern eingeleitet.

Die VW-Krise könnte sich auch auf Deutschland auswirken  |  NOEN, APA (dpa)

"Keinem Unternehmen sollte es erlaubt werden, unsere Umweltgesetze zu umgehen" oder Verbraucher zu täuschen, erklärte Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman am Dienstag.

Daher habe er seine eigenen Ermittlungen zu den "beunruhigenden Berichten"über die massenhafte Manipulation bei VW-Dieselfahrzeugen eingeleitet. Schneiderman strebt nach eigener Aussage an, "in dieser Angelegenheit mit Generalstaatsanwälten im ganzen Land zusammenzuarbeiten".

Zuvor war bekannt geworden, dass die Umweltabteilung des US-Justizministeriums strafrechtliche Ermittlungen gegen VW eingeleitet hat. Die Vorwürfe gegen Volkswagen und die Tochter Audi waren am Freitag öffentlich geworden. Nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA entwickelte Volkswagen eine Software, mit der Vorgaben zur Luftreinhaltung zwar bei Tests, nicht aber beim normalen Betrieb der Autos erfüllt wurden. Die Dieselfahrzeuge stießen folglich im regulären Straßenverkehr mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus als erlaubt.

Betroffen von den Manipulationsvorwürfen in den USA sind fast eine halbe Million Fahrzeuge. Dem Autobauer drohen in den Vereinigten Staaten nun Milliardenstrafen sowie weitere Kosten durch eine Rückrufaktion und mögliche Schadenersatzzahlungen. Am Dienstag erklärte der Konzern in Wolfsburg, dass sich die Software zur Manipulation von Abgaswerten weltweit in elf Millionen Dieselfahrzeugen befindet.

Unterdessen heuerte Volkswagen die bekannte US-Anwaltskanzlei Kirkland & Ellis LLP an. Das berichtete die Agentur Bloomberg unter Berufung auf eine VW-Sprecherin. Die Kanzlei hatte den Ölkonzern BP nach der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Jahre 2010 mit elf Toten vertreten.

Eine Sprecherin der Kanzlei lehnte eine Stellungnahme ab. VW-Chef Martin Winterkorn hatte am späten Dienstagnachmittag öffentlich um Entschuldigung für Manipulationen von Abgastests bei VW-Dieselautos gebeten und rasche Aufklärung versprochen. VW bildet daher eine Milliarden-Rückstellung und hat eine Gewinnwarnung veröffentlicht.

In Brasilien droht dem deutschen Konzern weiteres Ungemach. Wegen seines Verhaltens während der Militärdiktatur wurde gegen Volkswagen eine Zivilklage eingereicht. VW habe während der Diktatur in den Jahren 1964 bis 1985 die Folter und illegale Festnahme von Mitarbeitern hingenommen, so das Arbeiterforum für Wahrheit, Gerechtigkeit und Reparation am Dienstag seine Klage in Sao Paulo.

Der Konzern habe "die Existenz einer Staatspolizei im Inneren des Unternehmens" zugelassen, sagte Sebastiao Neto vom Arbeiterforum. Zwölf ehemalige Mitarbeiter des VW-Werks in Sao Bernardo do Campo nahe Sao Paulo waren laut Klageschrift festgenommen und gefoltert worden. Das Unternehmen soll daher nun Entschädigungen zahlen, fordern die Kläger.