Erstellt am 23. März 2016, 10:29

Gercaliu sieht ÖFB-Team gegen Albanien als Favorit. Laut Ronald Gercaliu geht Österreichs Fußball-Nationalteam als Favorit in das Testspiel am Samstag im Wiener Happel-Stadion gegen Albanien.

 |  NOEN, APA

Auch wenn die Truppe aus dem Balkan-Staat zuletzt für Furore sorgte und durch die erfolgreiche EM-Qualifikation erstmals bei einem großen Turnier dabei ist, sieht der in Tirana geborene Ex-ÖFB-Teamspieler die Auswahl von Marcel Koller um eine Klasse stärker.

"Die Österreicher sind einen Schritt weiter. Sie sind sehr gut drauf und vom Kader her besser aufgestellt", sagte Gercaliu der APA. Der große Trumpf der ÖFB-Mannschaft seien die im Ausland tätigen Spieler. "Albanien hat zwar auch viele Legionäre, aber nicht alle spielen regelmäßig. Die österreichischen Legionäre aber kommen bei ihren Clubs praktisch immer zum Einsatz."

Allerdings befinde sich auch die albanische Auswahl klar im Aufwind, wie die erstmalige EM-Teilnahme und Weltranglisten-Platz 35 zeigen. "Viele Teamspieler sind im Ausland ausgebildet worden, außerdem werden die Akademien im Land immer besser. Und für die Infrastruktur wird viel getan - es werden Trainingsplätze errichtet, Stadien gebaut oder renoviert", erzählte der im Moment bei KF Tirana unter Vertrag stehende Gercaliu.

Das alles führte dazu, dass es der einst verlässliche Punktelieferant erstmals zu einer Endrunde schaffte, wo es in der Gruppenphase gegen Frankreich, Rumänien und die Schweiz geht. "Jetzt ist die Euphorie groß, die Mannschaft hat Geschichte geschrieben. Die Albaner rechnen sich bei der EM Chancen aus und hoffen, dass sie es ins Achtelfinale schaffen", meinte der 30-Jährige.

Der seit 2011 amtierende Teamchef Giovanni de Biasi sei "der Marcel Koller Albaniens", so Gercaliu. "Er ist in Albanien ein Nationalheld, hat einen sehr großen Anteil am Erfolg und die Mannschaft kompakter gemacht. Es ist nicht mehr so, dass man Albanien leicht schlägt - die Gegner haben Respekt bekommen", erklärte der Linksverteidiger.

Sein Club KF Tirana, derzeit albanischer Tabellenfünfter, kann im Moment nicht mit einem Nationalspieler aufwarten. Immerhin dürfte der 35-jährige Kapitän Ervin Bulku als verlängerter Arm von De Biasi mit nach Frankreich reisen. "Er ist extrem wichtig als Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft", sagte Gercaliu.

Für den ehemaligen österreichischen Teamspieler wird es hingegen nicht zu einer EM-Teilnahme reichen - im Gegensatz zu 2008, wo er im ersten Spiel beim 0:1 gegen Kroatien zum Einsatz kam. "Die Heim-EM waren ein Riesenerlebnis. Natürlich tut es weh, jetzt nicht dabei zu sein, aber ich drücke ihnen vor dem Fernseher die Daumen", sagte Gercaliu.

Der gebürtige Albaner kam als Kind in die Steiermark, arbeitete sich bei Sturm Graz in die Kampfmannschaft und debütierte 2005 im Nationalteam. Schon davor hatte er ein Angebot abgelehnt, für Albanien zu spielen. "Als ich 17 war, hat der albanische Verband bei mir angefragt, aber ich habe mich für Österreich entschieden und bin nach wie vor stolz darauf", betonte Gercaliu, dessen Frau und seine beiden Kinder in Innsbruck leben.

Gercaliu selbst hat derzeit bei seinen Eltern in Tirana Quartier bezogen, pendelt aber so oft wie möglich nach Tirol. Sein Engagement in Österreich war im Vorjahr nach dem Abschied vom SCR Altach vorbei. Davor hatte Gercaliu bei Red Bull Salzburg, Austria, Wiener Neustadt, Ingolstadt, LKS Lodz, Erzgebirge Aue und Cluj Station gemacht.

Zum ganz großen Durchbruch hat es für den 14-fachen ÖFB-Internationalen nicht gereicht - wohl auch deswegen, weil ihn ein Kreuzbandriss samt Knorpelschaden 2010 weit zurückwarf. Der Vertrag in Tirana läuft 2017 aus, spätestens dann will Gercaliu sein Glück wieder in der Alpenrepublik versuchen. "Mein Ziel war es immer, einmal in Albanien zu spielen, aber ich möchte auch nach Österreich zurückkommen. Ich bin Österreich sehr dankbar. Dort konnte ich Profi werden", sagte Gercaliu, der beim Länderspiel im Happel-Stadion dabei sein wird.