Erstellt am 07. April 2017, 14:31

von APA Red

Pilotphase: Telefonische Gesundheitsberatung gestartet. "Schnelle Hilfe am Telefon" bei Krankheits- und Gesundheitsanliegen verspricht die Beratung unter der Telefonnummer 1450, die am Freitag in Wien, Niederösterreich und Vorarlberg gestartet ist.

Erste Hilfe per Telefon  |  APA (dpa/Symbolbild)

Das Pilotprojekt wurde am Freitag u.a. von Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) und Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) in Wien vorgestellt.

Anrufer sollen unter der Telefonnummer 1450 (ohne Vorwahl) rund um die Uhr und sieben Tage die Woche eine telefonische Beratung bei gesundheitlichen Problemen und Anliegen erhalten. Die "Hotline" wird - vorläufig - nur in deutscher Sprache angeboten und soll Erstanlaufstelle bei Gesundheitsfragen und akuten Symptomen sein. Speziell geschultes medizinisches Personal soll die Anrufer durch ein "medizinisch-wissenschaftliches und international bewährtes Abfragesystem" - einen "Fragebaum" - lotsen, die Dringlichkeit des Anliegens einschätzen und entsprechende Verhaltensempfehlungen abgeben.

"Es geht um die Dringlichkeitseinschätzung. Wissenslücken der Bevölkerung sollen geschlossen werden", sagte Rendi-Wagner. Die Telefonberatung sei kein "Service, das Ferndiagnosen trifft", aber: "Nicht jeder ist in einer Ambulanz gut aufgehoben." Die Pilotphase des Projekts von Gesundheitsministerium, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und der drei Bundesländer läuft bis Ende nächsten Jahres.

Ein niederschwelliges Angebot solle die Telefonberatung sein und der Vermeidung von "Dr. Google" dienen, erklärte Frauenberger. Man orientiere sich dabei an international bewährten Standards. In Ländern wie Großbritannien, Dänemark, Israel und der Schweiz gebe es nämlich bereits erfolgreiche Projekte in ähnlicher Form. Die Wiener Gesundheitsstadträtin sieht die telefonische Beratung als "tolle Ergänzung zu unserem Gesundheitssystem": "Wir rechnen mit 100.000 bis 200.000 Anrufern pro Jahr".

Durch die ersten Fragen im Rahmen eines Gesprächs wird festgestellt, ob es sich um einen Notfall handelt. Die Telefonberater sind während der gesamten Zeit des Anrufs in Kontakt mit einem Arzt, der stets erreichbar ist und während des Dienstes als Leiter des Teams fungiert, sagte Volker Schörghofer, stv. Generaldirektor des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger. Im Falle einer falschen Einschätzung seien die haftenden Rechtsträger - je nach Bundesland - der Fonds Soziales Wien, die Notruf Niederösterreich GmbH oder der Landesverband des Roten Kreuzes (Vorarlberg). Grundsätzlich, hieß es von Seiten der Gesundheitsministerin, sei das Abfragesystem "eher vorsichtig", in fraglichen Fällen erfolge daher eher eine Weiterleitung an Krankenhäuser oder Ärzte.

Die Überlegung, Ärzte ans Telefon zu setzen, sei nie im Raum gestanden, sagte Ingrid Reischl, Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse. Aus ihrer Sicht solle das Projekt vor allem der Orientierung der Patienten sowie der Zeitersparnis dienen: "Die Menschen ersparen sich unnötige Wege". Viele würden gar keine medizinische Betreuung brauchen. Man erwarte sich nicht nur eine "bessere Versorgung für unsere Versicherten, sondern auch eine generelle Entlastung unseres Gesundheitssystems".

Welche konkreten Effekte die Gesundheitsberatung haben wird und wie hoch die Einsparungen bei Ambulanzen, Spitälern und Ärzten dadurch tatsächlich sein werden, könne man laut Schörghofer jedoch erst am Ende der Pilotphase sagen, da gebe es noch keine Einschätzungen. Ende 2018 soll das Ergebnis der Evaluierung feststehen und die Entscheidung fallen, ob das Projekt auf das ganze Land ausgeweitet wird.