Erstellt am 20. November 2015, 15:58

Getötete Frau in erstürmter Wohnung identifiziert. Nach der Erstürmung einer Wohnung bei Paris ist eine weitere Leiche identifiziert worden. Dabei handelt es sich um die 26 Jahre alte Hasna Aitboulahcen, wie die Staatsanwaltschaft in Paris am Freitag offiziell mitteilte.

Die Frau sei anhand von Fingerabdrücken identifiziert worden. Aus Ermittlerkreisen hieß es, sie sei eine Cousine des mutmaßlichen Drahtziehers der Anschläge, Abdelhamid Abaaoud.

Ihre Leiche war in der Nacht der Hausdurchsuchung in der Wohnung im Pariser Vorort Saint-Denis gefunden worden. Der 28 Jahre alte Abaaoud war ebenfalls bei der Aktion am Mittwoch ums Leben gekommen. Die dritte Leiche, deren Fund am Freitag bekannt geworden war, ist bisher nicht identifiziert.

Waren Ermittler zuvor von einer Frau ausgegangen hieß es später, die Leiche sei so schwer verstümmelt, dass es sich auch um einen Mann handeln könnte. Die Razzia im Vorort Saint-Denis galt Abaaoud.

Unterdessen wurde bekannt, dass Abaaoud am Abend der Attacken in einer Metrostation östlich der französischen Hauptstadt gefilmt worden war. Der Sender BFMTV veröffentlichte am Freitag ein Bild, das den 28-Jährigen am 13. November um 22.14 Uhr in der Metro-Station Croix de Chavaux in Montreuil zeigen soll. Kurz zuvor waren Cafes und Restaurants im Osten von Paris attackiert worden.

Unweit der Metro-Station der Linie M9 hatten Ermittler einen schwarzen Seat sichergestellt, aus dem heraus die Attentäter die Cafes und Restaurants beschossen hatten. Der Wagen war von Brahim Abdeslam gemietet worden, der sich bei den Angriffen selbst in die Luft sprengte.

Der Vater von Abdelhamid Abaaoud hat seinen Sohn indessen nach Angaben seiner Anwältin für einen "Teufel" gehalten. Omar Abaaoud sei "erleichtert" gewesen, als er vom Tod des 28-Jährigen erfahren habe, sagte Nathalie Gallant am Freitag dem US-Sender CNN.

Der in Belgien aufgewachsene Abaaoud gilt als einer der Drahtzieher der Anschläge von Paris, bei denen vor einer Woche mindestens 129 Menschen ums Leben gekommen waren. "Der Vater wusste seit etwa einem Monat, dass sein Sohn mit Terrorakten in Europa in Verbindung gebracht wurde", sagte Gallant. Es sei schwer für ihn gewesen, erkennen zu müssen, dass sein Sohn erneut etwas Furchtbares getan hatte.

Omar Abaaoud habe erstmals 2013 die Radikalisierung des Sohnes bemerkt. Damals habe Abdelhamid den Vater immer wieder für die liberale, europäisch geprägte Erziehung der jüngeren Geschwister kritisiert. Das Verhalten des Sohnes sei das eines "Psychopathen, für ihn war er zu einem Teufel geworden", zitierte Gallant den Vater.

Die Zahl der Todesopfer nach den Terroranschlägen von Paris ist von zuletzt 129 auf 130 gestiegen. Das gab Ministerpräsident Manuel Valls am Freitag im Senat bekannt. Gut 350 Menschen wurden bei den Attacken am Freitagabend vergangener Woche teilweise schwer verletzt. Der Senat wollte endgültig ein Gesetz verabschieden, das den seit dem 14. November geltenden Ausnahmezustand um drei Monate verlängert. Die erste Kammer des französischen Parlaments, die Nationalversammlung, hatte dies bereits am Donnerstag beschlossen. Der Ausnahmezustand gibt den Sicherheitsbehörden erweiterte Befugnisse.

In Frankreich werden die Ermittlungen weiter mit Hochdruck vorangetrieben. Seit den Attentaten am 13. November gab es 793 Hausdurchsuchungen, wie Innenminister Bernard Cazeneuve am Freitag mitteilte. 107 Personen wurden demnach vorläufig festgenommen, 90 von ihnen kamen in Polizeigewahrsam.

164 Menschen seien unter Hausarrest gestellt worden. 174 Waffen wurden demnach beschlagnahmt. Insgesamt seien 250.000 Euro sichergestellt worden. Allein in der vergangenen Nacht erfolgten den Angaben des Ministeriums zufolge 182 Hausdurchsuchungen. 20 Menschen wurden festgenommen und 76 Waffen sichergestellt.

Als Signal für mehr Sicherheit sollen im Großraum Paris noch mehr bewaffnete Patrouillen eingesetzt werden. Nach den Terroranschlägen werden zur Sicherung weitere 1.500 Militärs mobilisiert, wie Polizeipräfekt Michel Cadot am Freitag in Paris vor Journalisten bekannt gab. Diese Einheiten ergänzten die bereits seit Anfang der Woche zusätzlich eingesetzten 1.000 Kräfte. Bereits vor den jüngsten Anschlägen seien 3.900 Militärs zur Sicherung im Raum Paris eingesetzt gewesen. Cadot will vor allem an großen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Schulen, Kaufhäusern oder im öffentlichen Nahverkehr mehr sichtbare Präsenz.

Belgien lässt die Terrorwarnstufe im Land indessen unverändert. Das meldete die Nachrichtenagentur Belga am Freitag unter Verweis auf den nationalen Sicherheitsrat. Einzelne Sicherheitsmaßnahmen sollten aber noch verbessert werden. Details dazu blieben zunächst offen. Nach Informationen des öffentlichen Senders VRT sollen die Patrouillen von Polizei und Armee verstärkt werden.

Nach den Anschlägen von Paris hatte Belgien die Warnstufe auf den Wert Drei angehoben - die Skala hat insgesamt vier Stufen. Die Polizei ist nach Informationen der Zeitung "Gazet van Antwerpen" auf der Suche nach einem Familienangehörigen der Cousine des Terrorverdächtigen Abdelhamid Abaaoud. Bei der Cousine könnte es sich um die Frau handeln, die sich am Mittwoch bei einem Polizeieinsatz in Saint-Denis nördlich von Paris in die Luft gesprengt hatte. Die Polizei befürchte, dass der Mann, der unauffindbar sei, sich rächen wolle. Eine offizielle Bestätigung für die Suche war zunächst nicht zu erhalten.