Erstellt am 13. November 2015, 10:38

von APA Red

Gewerkschaften fordern mehr Personal wegen Flüchtlingskrise. Mit einem gemeinsamen Appell wenden sich die Spitzen von Bahn-, Bus- und Polizeigewerkschaft an die Öffentlichkeit. Die Beschäftigten der ÖBB, die Busfahrer und die Polizisten im Einsatz bei den Flüchtlingen brauchten mehr Personal und klare Regelungen.

 |  NOEN, APA (dpa)

ÖBB-Konzernbetriebsratschef Roman Hebenstreit fordert mehr Personal und eine bessere Planung. "So eine Krisensituation mit dem normalen Personal abzudecken, das geht auf Dauer nicht." Die Beschäftigten der ÖBB hätten schon bis 1. Oktober 3,6 Millionen operative Überstunden geleistet, im ganzen Jahr 2015 würden es wohl 4 Millionen Überstunden werden.

Bisher hat die ÖBB 360 Sonderzüge geführt und 1.200 Autobusse (über die Tochter Postbus) gestellt. Rund 300.000 Menschen wurden befördert, der Großteil davon an die deutsche Grenze. Außerdem habe die ÖBB in ihren Einrichtungen 55.000 bis 60.000 Flüchtlinge beherbergt. Die Beschäftigten hätten sehr engagiert tolle Arbeit geleistet, und auch das ÖBB-Management habe die Beschäftigten unterstützt, etwa durch die Organisation psychosozialer Betreuung, erläutert der oberste Bahn-Gewerkschafter.

Die Bewältigung all dieser Aufgaben sei nur im integrierten Bahnkonzern der Bundesbahnen möglich gewesen, ist Hebenstreit überzeugt: "Hätten wir nicht eine staatliche Bahn wie sie jetzt existiert, ein integriertes Unternehmen, gäbe es wahrscheinlich seit den ersten Tagen ein unglaubliches Chaos in Österreich." Die ÖBB-Infrastruktur sei für die Notfallzentralen genutzt worden.

Ausnahme Situation

"Wir sind zur Zeit ziemlich am Limit", erläutert Karl Delfs von der Fachgewerkschaft vida, der für die Straße zuständig ist. Das Verkehrsministerium sollte den Ausnahme-Erlass, dass Busfahrer im Einsatz für die Beförderung von Flüchtlingen nicht an Lenk- und Ruhezeiten gebunden sind, wieder aufheben. Von den Strecken her wären die Fahrten innerhalb der normalen Lenkungszeiten durchaus machbar. Bei längeren Routen sollte ein zweiter Fahrer mitgeschickt werden. "Die Busgesellschaften sollten einfach mehr Busfahrer für diese Aufgabe einsetzen", fordert Delfs.

Das zweite Anliegen des Gewerkschafters: In den Bussen sollte auch eine Ansprechperson für die Flüchtlinge mitfahren. Derzeit sei der Fahrer alleine, und er müsse sich aufs Fahren konzentrieren. Die Flüchtlinge, die nach einer beschwerlichen langen Reise verständlicherweise erschöpft, ausgelaugt und nervös seien, würden die Fahrroute am Handy mitverfolgen und wenn sie von der Route nach Deutschland abweiche, aufgeregt den Fahrer bestürmen. Dabei komme es zu schwierigen Situationen für die betroffenen Busfahrer, die hinter dem Lenkrad mit einer Gruppe von Flüchtlingen, deren Sprache sie nicht verstehen, konfrontiert seien. Es gebe zwar eine Notfalltelefonnummer, aber das sei zu wenig. Um die Situation in den Bussen für die Fahrer zu erleichtern, sollten die Flüchtlinge von einem Mitarbeiter oder Freiwilligen einer Hilfsorganisation begleitet werden.