Erstellt am 16. September 2015, 08:31

von APA/Red

Grenzkontrollen in Österreich haben begonnen. Österreich hat am Mittwoch in der Früh, 7.00 Uhr, mit Grenzkontrollen aufgrund des Flüchtlingszustroms begonnen.

 |  NOEN, APA

Österreich hat am Mittwoch in der Früh mit Grenzkontrollen wegen der Flüchtlingskrise begonnen. Ab 7.00 Uhr kontrollierte die Polizei zunächst an den burgenländischen Grenzübergängen Nickelsdorf, Deutschkreuz und Schachendorf. Der Flüchtlingszustrom war schon in der Nacht deutlich abgeebbt, es gab rund 100 Aufgriffe. In Wien wurden Westbahnhof und Hauptbahnhof von tausenden Flüchtlingen geräumt.

Im Laufe des Tages werde man an zehn weiteren Übergangsstellen mit Kontrollen beginnen, sagte ein Polizeisprecher. Möglich sei auch, dass die Maßnahme auf die Steiermark und Kärnten ausgeweitet werde. In Nickelsdorf hat die Polizei einen "Trichter" auf der Autobahn aufgebaut, um den Verkehr zu verlangsamen. Dabei werden selektiv Fahrzeuge angehalten und die Papiere der Insassen überprüft.

Nacht verlief "sehr, sehr ruhig"

Die Nacht sei im Vergleich zu den vorangegangenen "sehr, sehr ruhig" gewesen, sagte eine Sprecherin der Landespolizeidirektion Burgenland auf Anfrage. Es seien nur knapp 100 Flüchtlinge an der Grenze zu Ungarn aufgegriffen worden, kein Flüchtling habe im Freien übernachten müssen. APA-Redakteure berichteten von einer äußerst ruhigen Lage an den Grenzübergängen Klingenbach und Heiligenkreuz.

Entspannt hat sich die Lage auch an den Wiener Flüchtlingshotspots Westbahnhof und Hauptbahnhof, wo am Dienstagabend noch über 5.000 Flüchtlinge ausgeharrt hatten. Fast alle wurden in der Nacht weggebracht, nur noch jeweils 150 Personen befanden sich laut einem ÖBB-Sprecher am Mittwoch in der Früh dort. "Es war eine positive Räumung. Der Großteil ist geordnet in Quartiere gebracht worden", sagte der Sprecher.

8.000 Betten in Wien verfügbar

Die Flüchtlinge wurden unter anderem in das Ferry-Dusika-Stadion gebracht, sagte ein Sprecher des Wiener Flüchtlingskoordinators Peter Hacker. Insgesamt hätten 5.400 Flüchtlinge die Nacht in Wiener Quartieren verbracht. Es gebe aber noch einen Puffer, um weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Derzeit habe man nämlich 8.000 Betten in Wien verfügbar, hieß es.

In Klagenfurt bereitete man sich unterdessen auf die Unterbringung von 1.200 Flüchtlingen in einer Lagerhalle vor, die in der Nacht mit einem Sonderzug aus Wien eintreffen sollten. In der Halle wurden innerhalb von Stunden Schlafstätten hergerichtet, zahlreiche Freiwillige meldeten sich beim Roten Kreuz, weil sie mithelfen wollten.

3.500 Flüchtlinge an der Grenze zu Österreich gestoppt

Die deutsche Polizei stoppte am zweiten Tag der Grenzkontrollen rund 3.500 Flüchtlinge an der Grenze zu Österreich, nach 1.200 am Montag. 13 Schlepper seien festgenommen worden, teilte die Bundespolizei Rosenheim mit. Der Flüchtlingszustrom nach Deutschland verringerte sich deutlich, am Münchner Hauptbahnhof kamen am Dienstag etwa 1.400 Flüchtlinge an.

Unterdessen traf der erste Flüchtlingsbus an der serbisch-kroatischen Grenze ein. Eine Gruppe von 30 bis 40 Flüchtlingen sei um 4.30 Uhr MESZ am Busbahnhof der Grenzstadt Sid angekommen, berichteten Augenzeugen. Der hauptsächlich mit Syrern und Afghanen besetzte Bus war direkt aus der südserbischen Grenzstadt Presevo gekommen.

"Wir haben gehört, dass Ungarn zugemacht hat, also hat uns die Polizei gesagt, dass wir hierher fahren sollen", sagte einer der Flüchtlinge. Die serbischen Behörden richteten in einem früheren Kinderkrankenhaus ein Lager ein.

Flüchtlinge wollen nach Deutschland reisen

Die Flüchtlinge wollen durch Kroatien, Slowenien und Österreich nach Deutschland reisen. Der kroatische Innenminister Ranko Ostojic hatte zuvor betont, dass sein Land für den Fall eines starken Zustroms von Flüchtlingen bereits Pläne vorbereitet habe. Ungarn hatte am Dienstag seine Grenze zu Serbien völlig dicht gemacht. Dennoch gelang es 70 Flüchtlingen, einen Asylantrag in Ungarn zu stellen. 40 Anträge wurden aufgrund der verschärften neuen Flüchtlingsgesetze sofort abgelehnt. Rund 100 Personen harrten die ganze Nacht vor dem geschlossenen serbisch-ungarischen Grenzübergang Horgos aus.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) bekräftigte unterdessen seine Forderung nach einer gemeinsamen europäischen Kraftanstrengung in der Flüchtlingskrise. Im ORF-"Report" am Dienstagabend rief er die EU-Staaten zum raschen Handeln auf und kritisierte jene, die sich "wegducken". Die EU werde "Milliarden" in die Hand nehmen müssen, um die Situation in Flüchtlingslagern zu verbessern.

Im Ö1-Morgenjournal schloss der Kanzler nicht aus, dass eine Gruppe von EU-Staaten im Alleingang einen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge beschließen könnte. "Es ist möglich, dass man eine Koalition des guten Willens macht", sagte er mit Blick auf die ablehnende Haltung der mittelosteuropäischen EU-Staaten.