Erstellt am 11. September 2015, 08:26

von APA/Red

Grenzübergang Nickelsdorf gesperrt. Der Grenzübergang Nickelsdorf auf der Ostautobahn (A4) ist Freitagfrüh aus Sicherheitsgründen für den Verkehr gesperrt worden.

 |  NOEN, APA
"Der starke Menschenansturm im Grenzbereich macht die Sperre notwendig", informierte die Asfinag in einer Aussendung. Die Sperre wurde gegen 7.00 Uhr veranlasst. Gegen 9.00 Uhr wurde der Grenzübergang in Fahrtrichtung Ungarn wieder geöffnet. Nach Österreich blieb die Sperre vorerst aufrecht. Weiterhin wurde gebeten, auf Personen auf der Fahrbahn zu achten, entsprechend galt eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 60 km/h.

Wegen erhöhtem Flüchtlingsaufkommen

Eine direkte Umleitungsstrecke gibt es nicht, da auch die Bundesstraße 10 gesperrt ist, informierte die Asfinag. Damit ist nur eine großräumige Umfahrung des Grenzbereiches möglich. Die Einsatzkräfte standen am Freitag im Dauereinsatz, um die ankommenden Menschen zu versorgen und abzusichern. Die Asfinag ersuchte Autofahrer in der Nähe des Grenzbereiches dringend um erhöhte Vorsicht vor Personen auf der Fahrbahn.

Rund 3.600 Menschen in der Nacht eingetroffen

3.670 Flüchtlinge sind am Freitag zwischen Mitternacht und 6.00 Uhr früh in Nickelsdorf im Burgenland eingetroffen.  Diese Zahl nannte die Landespolizeidirektion am Freitag.

Direkt in Nickelsdorf im Umfeld des Grenzübergangs hielten sich laut Polizei um 6.00 Uhr rund 2.600 Flüchtlinge auf. Hunderte weitere seien zu diesem Zeitpunkt an unterschiedlichen Stellen untergebracht gewesen - so etwa 600 Personen im Bezirk Mattersburg und 600 auf den sogenannten Pannonia Fields.

Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil äußerte in der "ZiB 2" des ORF-Fernsehens am Donnerstagabend kritisch über die Informationspolitik der ungarischen Behörden. "Wir haben nicht jene Informationen bekommen, die wir benötigen", sagte der Landespolizeidirektor. Man habe erst um 18.00 Uhr von den ungarischen Kollegen erfahren, wie viele Flüchtlinge für die Nacht zu erwarten seien.

Daneben ist wieder ein Konvoi zur Fluchthilfe in Wien angekommen: Rund 20 Privatfahrzeuge haben 66 Flüchtlinge aus der Nähe von Györ in Ungarn zum Wiener Westbahnhof gebracht, wie ein Initiator der Organisation auf Anfrage in der Nacht auf Freitag mitteilte. Die Flüchtlinge werden am Westbahnhof von der Caritas und den Samaritern versorgt. Bereits am Sonntag war es zu einer ähnlichen Aktion gekommen.

Bundesheer stellt weitere Hilfeleistungen bereit

Das Bundesheer hat in der Nacht von Donnerstag auf Freitag mit dem Aufbau von 40 Militärzelten in Nickelsdorf begonnen. Darin können sich bis zu 2.000 Flüchtlinge aufhalten und sich so vor Regen und Wind schützen. Darüber hinaus bietet das Militär dem Innenministerium weitere Hilfe an. In Kasernen in Wien, Hörsching und Salzburg können bis zu 1.100 Flüchtlinge vorübergehend untergebracht werden.

Das Bundesheer hält Fahrzeuge für den Transport von bis zu 1.300 Personen zur selben Zeit bereit. Zusätzlich hat das Bundesheer die Möglichkeit im Großraum Wien bis zu 4.000 Flüchtlinge am Tag mit Essen zu versorgen. Diese Unterstützung wurde gestern dem Innenministerium angeboten und kann jederzeit abgerufen werden, teilte das Verteidigungsministerium in einer Aussendung mit.

Um bei kurzfristigem Bedarf Flüchtlinge für eine Nacht unterzubringen, können in der Van Swieten-Kaserne in Wien-Stammersdorf Notquartiere für bis zu 600 Personen und am Fliegerhorst Vogler in Hörsching für bis zu 200 Personen aufgebaut werden. In Salzburg können auf der Fläche der bereits im Betrieb befindlichen Betreuungsstelle in der Schwarzenberg-Kaserne weitere 300 Personen temporär untergebracht werden. Dafür werden heereseigene Zelte ausgestattet mit Betten, Decken und Sanitäranlagen zur Verfügung gestellt.

Das Bundesheer unterstützt bereits seit Anfang August das Innenministerium und entlastet dadurch die Polizei und das Rote Kreuz. Bisher bauten rund 1.000 Soldaten mehr als 100 Zelte auf, richteten Unterkünfte ein, transportierten Flüchtlinge in ihre Quartiere und verpflegten sie. Bundesheer-Busse beförderten Menschen im Pendelverkehr vom Grenzübergang Nickelsdorf zum Bahnhof für die Weiterfahrt nach Deutschland und in die Messehalle Graz. Das Bundesheer legte insgesamt bereits über 15.500 Kilometer zurück. Es beherbergt zudem aktuell auf seinen Liegenschaften rund 750 Flüchtlinge.

Rotes Kreuz in Nickelsdorf forderte 10.000 Decken an

Das Rote Kreuz hat im Burgenland für die Versorgung der tausenden Flüchtlinge 10.000 Decken angefordert. Gegenwärtig gebe es logistisch zweifelsohne eine große Herausforderung. "Wir schaffen es durch die Strukturen des Roten Kreuzes", sagte Sprecher Tobias Mindler heute, Freitag. Das Bundesrettungskommando befinde sich mit seinem Stab in Wien: "Die checken uns diese Dinge im Hintergrund."

Benötigte Ressourcen kämen entweder aus anderen Bundesländern oder aus Beständen des Bundes. In Inzersdorf etwa habe das Rote Kreuz ein großes Katastrophenhilfslager. "Wir haben 10.000 Decken angefordert. Die kommen heute. Wir machen das jetzt wirklich in großen Dimensionen über unsere Logistiker. Wir denken da in Zehntausender-Dimensionen momentan."

"Derzeit sind wir noch mit allem entsprechend versorgt", schätzte Mindler die Lage ein. "Wir rechnen damit und haben Prognosen, dass dieser Zustand länger anhalten wird." Dahin gehend arbeite man schon im Hintergrund an der Nachschub-Versorgung, dass die Lager wieder aufgefüllt werden.

Bei der Bewältigung des gewaltigen Einsatzes bekommt das Rote Kreuz Burgenland Hilfe aus anderen Bundesländern. Für solche Situationen gebe es standardisierte Einheiten: Der Zentrale in Wien werde bekannt gegeben, was man brauche - beispielsweise eine Feldküche mit kompletter Besatzung für 24 Stunden. Sie kam in diesem Fall aus Villach.

"Kratzt an persönlichen Ressourcen"

Wenn man etwa eine Sanitätshilfsstelle für den Bahnhof Nickelsdorf mit kompletter Besatzung benötige, kämen die Kollegen aus Niederösterreich: "Wir stellen nur mehr den Arzt - und fertig." Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Kärnten und die Steiermark hätten sich schon beteiligt, erzählte Mindler: "Ohne die würden wir das unmöglich schaffen. Das Burgenland allein könnte das nicht."

Nach wie vor gebe es viele freiwillige Helfer aus der Bevölkerung, die sich nun verstärkt in den Dienstplan eintragen ließen. "Die Situation ist momentan wirklich sehr schwierig", sagte Mindler.

Teilweise gebe es ruhige Tage, wo man 200 Flüchtlinge zu versorgen habe. Man sei aber trotzdem bisher ständig mit 120 Personen an Ort und Stelle. "Wir versuchen jetzt, die Systeme mehr mit Bereitschaftszeiten und Flexibilität auszustatten, damit unsere Leute einmal - vor allen Dingen die Führungskräfte - eine Pause kriegen, meinte Mindler: "Natürlich kratzt das schon auch an den persönlichen Ressourcen, was da momentan passiert."