Erstellt am 18. Juni 2016, 13:07

von APA/Red

Großbritannien nach Mord an Abgeordneter Cox unter Schock. Nach dem Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox steht Großbritannien unter Schock.

 |  NOEN, APA (AFP)

Der Angriff auf die Politikerin sei vermutlich geplant worden, teilte die Polizei in West Yorkshire weiter mit. Der mutmaßliche Attentäter wird weiter verhört. Bereits zuvor hatten Medien von Verbindungen des Mannes zu US-Neonazis und südafrikanischen Rassisten geschrieben.

Der 52-Jährige sei längere Zeit Unterstützer der US-Gruppe Nationale Allianz gewesen, schreibt die "Washington Post". Die britische Zeitung "Daily Telegraph" berichtete zudem, der mutmaßliche Täter habe früher eine Zeitung abonniert, die von einer südafrikanischen Pro-Apartheid-Organisation herausgegeben worden sei.

Die Brüder des mutmaßlichen Attentäters äußerten dagegen Zweifel an einer politischen Motivation hinter dem Verbrechen. Unbestätigten Informationen zufolge litt der Festgenommene an psychischen Problemen. Die Zeitung "The Telegraph" zitierte einen Bruder mit den Worten, der 52-Jährige habe eine "Geschichte psychischer Krankheiten, allerdings hatte er Hilfe gehabt".

In Großbritannien reagierte man geschockt auf den Mord. In London wehten die Flaggen auf Halbmast. Vor der Volksabstimmung setzten beide Lager für Freitag und Samstag ihren Wahlkampf aus - die Austrittbefürworter kündigten aber für Samstag kleinere Aktionen wie Hausbesuche an.

Jo Cox für Verbleib in EU

Letzten Umfragen vor dem Attentat zufolge hatten die Austrittsbefürworter vorn gelegen - die ermordete Labour-Abgeordnete hatte sich für einen Verbleib des Königreichs in der EU eingesetzt. Am Montag kommt das britische Unterhaus zu einer Sondersitzung zusammen, um die Tote zu ehren.

Nach einem Bericht der "Times" wurde in den vergangenen Monaten die Sicherheit für Cox verstärkt, nachdem es eine Reihe von Drohungen gegeben habe. Zugleich riefen die Parteien Abgeordnete auf, Drohungen ernst zu nehmen und der Polizei zu melden. Kritiker meinten, zwar seien die Sicherheitsmaßnahmen im Parlament in London erheblich. Bewegten sich die Abgeordneten aber in ihren Wahlkreisen, sehe es anders aus.

Cox, die vehement für einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union eintrat, war am Donnerstag in ihrem Wahlkreis im nordenglischen Birstall mit Schüssen und Messerstichen getötet worden. Vor ihrem Tod hatte sich immer wieder Drohungen erhalten. Die 41-jährige Labour-Politikerin habe sich bei der Polizei gemeldet, weil sie "bösartige Mitteilungen" erhalten habe, erklärten die Sicherheitsbehörden am Freitag.

Die Polizei habe in diesem Zusammenhang im März einen Mann festgenommen, der später eine Verwarnung akzeptiert habe. Bei ihm handle es sich allerdings nicht um den 52-Jährigen, der am Donnerstag in Gewahrsam genommen worden sei. Die Polizei ergriff diesen Mann in der Nähe des Tatorts, an dem Cox kurz zuvor getötet worden war.

"Gemeinsam gegen Hass kämpfen"

"Jo hat an eine bessere Welt geglaubt, und sie hat dafür jeden Tag ihres Lebens mit einer Energie und einer Lust am Leben gekämpft, die die meisten anderen Menschen erschöpft hätte", erklärte Cox' Ehemann Brendan. "Sie würde sich jetzt zwei Dinge mehr als alles andere wünschen: Dass unsere wunderbaren Kinder mit Liebe überschüttet werden und dass wir alle gemeinsam gegen den Hass kämpfen, der sie getötet hat."

Premierminister David Cameron bezeichnete den Mord als Tragödie. "Wir haben einen großen Star verloren", sagte der Konservative. Cox sei eine fantastische Wahlkämpferin gewesen, mit viel Mitgefühl und einem großen Herzen. Cameron rief zur Toleranz auf. "

Wo wir Hass sehen, wo wir Spaltung sehen, wo wir Intoleranz sehen, müssen wir sie zurückdrängen", sagte Cameron am Freitag bei einem gemeinsamen Besuch mit Labour-Chef Jeremy Corbyn nahe dem Tatort im nordenglischen Birstall.

Vor dem Parlamentsgebäude in London wurden Blumen für Cox niedergelegt und Kerzen aufgestellt. Viele Passanten weinten dabei. Andere legten Blumen auf dem Hausboot auf der Themse ab, in dem Cox mit ihrem Mann und ihren kleinen Kindern wohnte. Hunderte Menschen beteiligten sich an einer Mahnwache in einer Kirche in Birstall.