Erstellt am 16. November 2015, 14:57

von APA/Red

Große Sicherheitsvorkehrungen vor Fußball-Länderspielen. Im Schatten des Terrors in Paris werden am Dienstag die letzten europäischen Fußball-Länderspiele des Jahres angepfiffen. In London, Brüssel und Hannover, aber auch in Wien sind die Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden. Besonderes Augenmerk gilt dem Gastspiel von Frankreich in London gegen England und der Partie Belgien - Spanien in Brüssel.

 |  NOEN, APA (AFP)

Vor allem Brüssel steht nach den Anschlägen von Paris im Zeichen der Angst vor dem Terror. Einige der mutmaßlichen Attentäter von Paris hatten in Brüssel gelebt. Der Stadtteil Molenbeek gilt als eine Hochburg der Islamisten, der Drahtzieher der Anschläge soll aus Belgien kommen. "Spanien spielt in der europäischen Brutstätte des Dschihadismus", titelte die Madrider Zeitung "El Pais" am Montag.

"Das wird wegen der Sicherheitsproblematik ein unangenehmes und beschwerliches Gastspiel werden", zitierte das Blatt Kreise des spanischen Fußballverbandes RFEF. "Es wurde jedoch zu keinem Zeitpunkt erwogen, das Spiel abzusagen." Stürmer Manuel Agudo, genannt "Nolito", gestand: "Natürlich hat man Angst, wenn solche Dinge geschehen. Aber wenn man uns sagt, wir sollen spielen, dann treten wir auch an."

Besondere Vorkehrungen

Die belgische Polizei ergriff besondere Sicherheitsvorkehrungen. Nach Informationen des spanischen Sportblatts "Marca" orientieren diese sich an den Maßnahmen, die vor einem Monat beim Gastspiel der israelischen Nationalelf in Brüssel getroffen worden waren. "Dies sind schwierige Augenblicke", sagte Spaniens Innenverteidiger Marc Bartra.

In Hannover empfängt Deutschland die Niederlande. Die DFB-Auswahl war vom Terror in Paris direkt betroffen. Während der Weltmeister im Stade de France spielte, sprengten sich vor dem Stadion drei Attentäter in die Luft. Die Mannschaft von Joachim Löw verbrachte die Nacht wegen Sicherheitsbedenken im Stadion, am Tag danach bekamen Neuer und Co. frei.

Löw hatte sich zunächst gegen eine Austragung des Spiels gegen die Niederlande ausgesprochen. "Am Morgen danach hatte ich das Gefühl, dass das Spiel nicht stattfinden kann und soll", sagte Löw am Montag. Nach langen Gesprächen und Beratungen sei dann aber am Sonntagmorgen "für alle klar gewesen, dass das Spiel stattfinden soll und muss", betonte Löw. "Klar werden unsere Gedanken auch morgen bei den Familien und Freunden der Opfer sein. Und wir werden in jeder Phase des Spiels mitfühlen und mittrauern."

Zeichen gegen islamistischen Terror

Das ist offenbar ganz im Sinne der deutschen Politik. Mit einem Besuch des Länderspiels in Hannover will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Zeichen gegen den islamistischen Terror setzen. Zusammen mit der Kanzlerin werden mehrere Minister auf der Ehrentribüne sitzen, darunter Vizekanzler Sigmar Gabriel und Justizminister Heiko Maas (beide SPD) sowie Innenminister Thomas de Maiziere (CDU).

Das Wichtigste für Fans mit Tickets zuerst: Es gibt keine konkrete Terror-Bedrohung für das am Dienstagabend im Wiener Ernst-Happel-Stadion über die Bühne gehende Fußball-Länderspiel Österreich - Schweiz. Nichtsdestotrotz wird die Wiener Polizei ihr Aufgebot verstärken und der ÖFB einige Zusatzmaßnahmen zur Sicherung des Spiels einziehen. Das wurde am Montag nach einem Sicherheitsmeeting bekannt.

"Wir wollen nichts verharmlosen und beschönigen", sagte Bernhard Neuhold, ÖFB-Direktor für Finanzen und Organisation, in einer Pressekonferenz. Man dürfe aber auch nichts dramatisieren. Es könne jederzeit auch in Wien etwas passieren, man wisse aber, dass Österreich nicht unbedingt Ziel Nummer eins sei. "Es war niemals Thema, das Länderspiel eventuell abzusagen." Thomas Keiblinger, Sprecher der Wiener Polizei, sagte zur APA, es gebe für das Spiel "keine konkrete Gefährdungslage".