Erstellt am 25. November 2015, 10:37

Heinz Oberhummer 74-jährig verstorben. Der Teilchenphysiker Heinz Oberhummer ist am Dienstag in Wien im Alter von 74 Jahren verstorben. Er erlag einer Lungenkrankheit.

Oberhummer war neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit zuletzt vor allem als Mitglied der Kabarettgruppe "Science Busters" bekannt. Darüber hinaus engagierte er sich in der Initiative "Religion ist Privatsache".

Zusammen mit seinem Forscherkollegen Werner Gruber und dem Kabarettisten Martin Puntigam gründete er die "Science Busters", mit denen er physikalische Phänomene auf möglichst einfache und unterhaltsame Art präsentierte. "Das Universum ist eine Scheißgegend" konstatierte Oberhummer gemeinsam mit Gruber und Puntigam in ihrem vor kurzem erschienenen neuen Buch und gleichnamigen Kabarettprogramm.

"Es war ihm wichtig, nicht nur als Physiker gut zu sein, sondern auch auf der Bühne - und das hat er geschafft", sagte Gruber in einer ersten Reaktion. Der "Science Busters"-Mitstreiter und Leiter des Planetarium Wien empfindet "tiefe Trauer", das Ableben Oberhummers sei mit dem eines Familienmitglieds vergleichbar.

"Heinz Oberhummer war auf der einen Seite ein sehr toller Physiker, der auch für den Physik-Nobelpreis nominiert worden ist - das wissen die wenigsten", sagte Gruber. Selbst auf wissenschaftlichen Konferenzen habe er sich immer wieder als "Hallodri" präsentiert, was seinen wissenschaftlichen Ruf allerdings nicht beeinträchtigt habe.

Es freue ihn, dass Oberhummer beispielsweise noch miterleben durfte, wie die "Science Busters" kürzlich den Österreichischen Staatspreis für Werbung und den Deutschen Kleinkunstpreis gewonnen haben, so Gruber. Mit der Frage, ob und wie es mit der Kabarettgruppe weitergehen wird, möchte sich Gruber, der sich selbst gerade von den Folgen eines Herzstillstandes erholt, noch nicht befassen.

Mit ihrem Zugang zur Vermittlung von Forschungserkenntnissen erreichte das Team eine breite Öffentlichkeit - nicht zuletzt da der ORF die "Science Busters" in sein Programm aufnahm. ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner würdigte in einem Statement Oberhummer: "Sein unglaubliches Talent, uns unerklärliche Dinge näher zu bringen und verständlich zu machen, wird uns fehlen".

Infrastrukturminister Alois Stöger (SPÖ) würdigte Oberhummer in einer Aussendung als "brillanten Wissenschaftler und Lehrenden". Durch ihn hätten viele Menschen neue Zugänge zu Naturwissenschaft und Technik gefunden. "Mit seiner immensen Begeisterung für die Wissenschaft konnte er andere mitreißen und hat, durch die anschauliche Aufbereitung der Inhalte, wesentlich dazu beigetragen, die Wissenschaft einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen."

Nicht erst seit seinem Engagement in der selbst ernannten "schärfsten Science Boygroup der Milchstraße" veröffentliche Oberhummer populärwissenschaftliche Bücher und Artikel, schrieb Schulbücher und widmete sich der Physik-Didaktik. Der Forscher zeichnete für mehr als 160 wissenschaftliche Veröffentlichungen verantwortlich.

Oberhummer wurde am 19. Mai 1941 in Bischofshofen (Salzburg) geboren und wuchs als "Sohn des Oberlehrers Oberhummer in Obertauern" auf, wie er selbst über sich schrieb. Nach der Hauptschule in Radstadt ging er als 14-Jähriger in die USA, wo er auch die High School besuchte. Nach seiner Rückkehr und der Matura in Salzburg studierte er Physik und Mathematik in Graz und München.

1970 promovierte Oberhummer an der Uni Graz und wurde dort Uni-Assistent. 1973 wechselte er ans Atominstitut der Österreichischen Universitäten und habilitierte sich 1980 an der Technischen Universität (TU) Wien, wo er 1988 auch außerordentlicher Professor wurde. Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem nach Zürich, Straßburg, Leuven, Bergen, Washington, Gent und Notre Dame (USA).

Wissenschaftlich beschäftigte sich Oberhummer vor allem mit Kern- und Astrophysik. Schon in seiner Zeit als Uni-Lehrer bemühte er sich um die Popularisierung von Wissenschaft. So nahm er etwa schon gemeinsam mit Gruber und Puntigam an der TU Hollywood-Blockbuster und TV-Serien unter die Lupe und analysierte, inwieweit die dort dargestellten Szenen physikalisch tatsächlich nachvollziehbar sind. Später wurde das Projekt auch auf Schulen ausgedehnt - Schüler sollten anhand von "Erin Brockovich" Chemie verstehen, mit "Deep Impact" Astronomie lernen und anhand von "Stirb langsam" Gravitation.

Nach seiner Pensionierung 2006 formierte Oberhummer mit Gruber und Puntigam die "Science Busters", deren gleichnamiges erstes Programm 2007 im Rabenhof zu sehen war. Daneben engagierte sich Oberhummer in religionskritischen Initiativen wie dem "Zentralrat der Konfessionsfreien" oder "Religion ist Privatsache" und propagierte das "Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien". Als Mitglied der "Skeptiker - Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) kritisierte er immer wieder "Pseudowissenschaften" - unter anderem öffentlichkeitswirksam mit der Massen-Einnahme einer "Überdosis" homöopathischer Präparate.

Erst im September erschien mit "Das Universum ist eine Scheißgegend" das neue Buch der "Science Busters". Die Premiere des gleichnamigen Kabarettprogramms musste damals verschoben werden - allerdings aufgrund einer schweren Erkrankung Grubers. Anfang November wurde den "Science Busters" der Deutsche Kleinkunstpreis 2016 zuerkannt.

Seinen Körper hat Oberhummer, der mit einem Kollegen um eine Magnum-Flasche Champagner gewettet hatte, dass noch zu seinen Lebzeiten außerirdisches Leben gefunden wird, der Wissenschaft zur Verfügung gestellt, teilte die Agentur der "Science Busters" in einer Aussendung mit. ORF 2 sendet am Mittwoch einen Nachruf auf Oberhummer um 20.05 Uhr in der Sendung "Seitenblicke". Am 1. Dezember folgt um 22.45 Uhr in ORF eins eine Folge der "Science Busters".