Erstellt am 10. November 2015, 15:25

von APA/Red

Helmut Schmidt mit 96 Jahren gestorben. Der frühere deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt ist tot. Der Sozialdemokrat starb nach Angaben seines Arztes Heiner Greten am Dienstag gegen 14.30 Uhr im Alter von 96 Jahren in seiner Heimatstadt Hamburg.

 |  NOEN, APA (dpa)

Schmidt war von 1974 bis 1982 Bundeskanzler an der Spitze einer SPD/FDP-Koalition. In seine Amtszeit fielen die Auseinandersetzung mit den Terrorakten der linksextremen RAF und der NATO-Doppelbeschluss.

Dieser schrieb als Antwort auf die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen die Aufstellung von NATO-Raketen fest. Schmidts Gesundheitszustand hatte sich in den vergangenen Tagen deutlich verschlechtert. Der Altkanzler hatte bereits in den vergangen Wochen wiederholt im Krankenhaus behandelt werden müssen, nachdem ihm im September ein Gefäßverschluss entfernt worden war.

SPD-Chef Sigmar Gabriel würdigte Schmidt als einen "großen Europäer" und "großen Sozialdemokraten". Schmidt habe "mit Zuversicht und Realismus unser Land gestaltet". "Wir Deutschen haben eine Vaterfigur verloren", sagte Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). "Generationen - auch ich - haben seine Klugheit und Autorität gesucht und geschätzt."

"Sein entschlossenes Handeln in schwierigsten Situationen, seine Fähigkeit, das Machbare zu erkennen und zu gestalten, aber auch seine Kompromissfähigkeit, sein Eintreten für die Verteidigungsbereitschaft der freien Staaten Europas in Zeiten der Bedrohung - das alles steht mir und vielen Menschen in unserem Land in diesen Stunden der Trauer vor Augen", äußerte sich Bundespräsident Joachim Gauck.

Sein österreichischer Amtskollege Heinz Fischer betonte in einer Aussendung: "Seine Stimme hatte im In- und Ausland Gewicht, ein großer Staatsmann ist von uns gegangen." Schmidt sei "in schweren Stunden entscheidungsfreudig" gewesen, so Fischer, "und seine Handlungen waren von großem Verantwortungsbewusstsein und moralischen Kategorien geprägt." Der Bundespräsident sprach von "aufrichtigem Respekt gegenüber einem Mann, dessen Denken und Handeln für Deutschland, Europa und die Welt viel Nutzen gebracht hat."

"Sein Vermächtnis ist, dass er die Fähigkeit zur brillanten Analyse hatte. Dass er einen umfassenden ökonomischen Sachverstand hatte, und den benutzt hat, um Deutschland wirklich voranzubringen", sagte Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) den ARD-"Tagesthemen".

"Helmut Schmidt war eine politische Institution dieser Bundesrepublik", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Er war auch für mich eine Instanz, dessen Rat und Urteil mir etwas bedeutete." Merkel lobte auch besonders die Verdienste Schmidts um die europäische Integration. CSU-Chef Horst Seehofer nannte Schmidt einen "herausragenden Nachkriegspolitiker und Staatsmann".

"Ein großer Europäer ist tot", würdigte Frankreichs Präsident Francois Hollande Schmidts Verdienste um Europa und um die deutsch-französische Freundschaft. Der russische Präsident Wladimir Putin würdigte Schmidt als "herausragende Persönlichkeit Nachkriegsdeutschlands für die europäische und globale Politik".

Der 1918 geborene Schmidt trat 1946 in die SPD ein, Bundestagsabgeordneter wurde er erstmals 1953. Den Bürgern seiner Heimatstadt Hamburg blieb er durch die Hochwasserkatastrophe 1962 in Erinnerung: Als Hamburgs Innensenator leitete er die Rettungsmaßnahmen bei der verheerender Sturmflut mit mehr als 300 Todesopfern.

Später war Schmidt Verteidigungs-, Finanz- und kurzzeitig auch Wirtschaftsminister, bevor er seinen Parteikollegen Willy Brandt 1974 als Kanzler ablöste und gemeinsam mit der FDP regierte. Später war er Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit" und Autor zahlreicher Bücher. Er war von 1942 bis zu deren Tod 2010 mit seiner Frau Hannelore "Loki" Schmidt verheiratet.