Erstellt am 12. Februar 2016, 20:16

Hengster im Zweierbob gestürzt - WM-Chance dahin. Schon zum Auftakt der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften im heimischen Eiskanal von Innsbruck/Igls hat die rot-weiß-rote Medaillenhoffnung Christina Hengster ihre Chance auf Edelmetall begraben müssen.

 |  NOEN, APA

Gemeinsam mit Anschieberin Sanne Dekker stürzte die Tirolerin im Finish von Lauf eins und war bei Halbzeit nur Sechste. Die Deutsche Anja Schneiderheinze lag nach zwei von vier Läufen klar voran. Die 30-jährige Tirolerin Hengster und die 22-jährige Niederländerin Dekker blieben bei ihrem Missgeschick fast unverletzt. "Mir tut das Genick weh, aber die seelischen Schmerzen sind viel, viel größer", erzählte Hengster mit von Tränen überquellenden Augen im Zielraum nach dem ersten Durchgang. "Ich habe mir gedacht, ich bin im falschen Film." Dekker klagte über Schulterschmerzen, trotzdem beschlossen die beiden, bei ihrer Heim-WM die restlichen drei Läufe zu bestreiten.

Nach dem zweiten Lauf, in dem sie sich mit fünfter Laufzeit von Rang neun auf Platz sechs verbesserten, konnten die beiden dann schon wieder lachen. "Jetzt müssen wir am Samstag aber angreifen, mal schauen, was noch herausschaut. Das Podium ist aber weg", betonte Hengster beim Blick auf die Zeittafel. Vor den abschließenden beiden Läufen fehlten der ÖBSV-Paarung bereits 0,57 Sekunden auf einen Podestplatz.

"Es war ein Fehler von mir", schilderte Hengster den Sturz. "Ich habe einen leichten Schlag vor der Einfahrt ins Labyrinth bekommen. Damit habe ich nicht gerechnet und einfach zu spät reagiert. Das Ganze ist natürlich eine Katastrophe." Die Heim-WM in Igls hätte der große Karrierehöhepunkt der Polizistin werden sollen. Immerhin investierte sie in dieser Saison 48.000 Euro in ihren neuen Bob "Betsy the Beast".

Bisher konnte "Betsy" Hengster zu Höhenflügen führen. Viermal stand sie in dieser Saison bereits auf dem Weltcup-Podest. Vor einer Woche bei der Europameisterschaft in St. Moritz verpasste das Duo eine Medaille nur um zwei Hundertstelsekunden und musste sich mit dem ungeliebten vierten Rang begnügen. Doch ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt in Igls zeigte der Bob seine Krallen und wurde zum "Biest". "In Igls bin ich zuletzt im Jugendbereich vor etlichen Jahren auf der Seite gelegen", erzählte Hengster. Der Bob blieb bei diesem Sturz unbeschädigt.

Auch Dekker konnte nach dem zweiten Lauf wieder lachen. "Natürlich wäre das unser Saisonhighlight gewesen. Aber so ist es halt", meinte die 1,78 Meter große Studentin, die 2012 bei den olympischen Jugendspielen in Igls bereits zu Gold gerast war.

Nach diesem greift nun das deutsche Duo Anja Schneiderheinze/Annika Drazek, das im ersten Lauf mit 52,94 Sekunden einen Bahnrekord aufstellte und auch im zweiten mit 53,13 Bestzeit fuhr. Olympiasiegerin Kaillie Humphries aus Kanada hatte bei Halbzeit bereits 0,31 Sekunden Rückstand, knapp dahinter folgte Titelverteidigerin Elana Meyers Taylor aus den USA (+0,33) auf dem dritten Zwischenrang. Hengster fehlten bereits neun Zehntel auf Europameisterin Schneiderheinze. Der zweite österreichische Bob mit Katrin Beierl/Karlien Sleper lag nur auf dem 15. Platz (+1,65) unter 18 Teams.

Die Weltmeisterschaften werden am Samstagvormittag mit dem Zweierbob-Bewerb der Herren (ab 9.30 Uhr) fortgesetzt. Am Start für den ÖBSV sind Benjamin Maier/Markus Sammer und Markus Treichl/Franz Esterhammer. Ab 15.00 Uhr starten die beiden Finalläufe im Damen-Bob. Am Sonntagvormittag (ab 9.30 Uhr) gibt es dann die zwei Finalläufe bei den Männern, und am Nachmittag folgt ab 15.00 Uhr der Team-Bewerb Bob/Skeleton, in dem pro Nation jeweils ein Skeleton-Pilot, eine Skeleton-Pilotin sowie ein Frauen- und ein Männer-Zweierbob antreten und die Zeiten addiert werden.

In der kommenden Woche wird die Heim-WM in Igls von Donnerstag bis Sonntag mit den Skeleton-Rennen (Damen und Herren) und dem Viererbob-Bewerb abgeschlossen. Für Österreich ergibt sich dabei eine weitere Medaillenchance durch die Tirolerin Janine Flock im Skeleton. Die 26-jährige Weltcup-Gesamtsiegerin der Vorsaison zeigte zuletzt aufsteigende Form und krönte sich erst vergangene Woche in St. Moritz (SUI) mit ihrem zweiten Weltcup-Sieg zum zweiten Mal zur Europameisterin.