Erstellt am 21. November 2015, 11:23

von APA/Red

Höchste Terrorwarnstufe in Brüssel ausgerufen. In Belgien haben die Behörden für die Hauptstadtregion Brüssel die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen.

Es gebe konkrete Hinweise auf ein geplantes Attentat von Terroristen "mit Waffen und Sprengstoff", "ähnlich wie in Paris" sagte der belgische Premierminister Charles Michel am Samstag. In Brüssel blieb die Metro geschlossen, nur Busse und ein Teil der Straßenbahnen fuhren.

Wegen dieser Informationen über "eine konkrete und akute Bedrohung" habe man in der Nacht auf Samstag die Terrorwarnstufe für Brüssel auf das höchste Niveau 4 angehoben, fügte Michel hinzu. Die Terrorwarnstufe 4 wurde nach den Worten Michels auch für den Flughafen Brüssel und die Stadt Vilvorde in Flandern verhängt. Aus dieser Stadt stammen etliche Jugendliche, die sich zu Extremisten entwickelten.

Es habe Hinweise auf Anschläge an mehreren Orten gegeben, etwa auf Einkaufszentren, den öffentlichen Nahverkehr oder Großereignisse, sagte Michel ohne Details zu nennen. Allerdings hielten sich in belgischen Medien zuletzt hartnäckig Gerüchte, wonach einer der Verdächtigen der Terroranschläge in Paris, der weiterhin flüchtige Salah Abdeslam, sich in Brüssel aufhalten könnte. Auch der am Mittwoch in der Pariser Vorstadt St. Denis getötete mutmaßliche Organisator der Attentate, Abdelhamid Abaaoud, war Belgier mit marokkanischen Wurzeln und lebte früher in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek.

In Brüssel blieb am Samstag die Metro komplett geschlossen, nur Busse und ein Teil der Straßenbahnen fuhren. "Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme", schrieb der Betreiber Stib auf seiner Webseite. Der Ministerpräsident der Region Brüssel, Rudi Vervoort, verkündete, die U-Bahn würde noch bis Sonntag 15.00 Uhr außer Betrieb sein. Danach soll die Sicherheitslage neu evaluiert werden. An Bahnhöfen wurden Passagiere verstärkt kontrolliert, Soldaten patrouillierten. Der Bahnhof Brüssel-Schuhman beim EU-Parlament wurde überhaupt geschlossen.

Am Nachmittag schlossen auch alle großen Einkaufszentren der Stadt ihre Tore, dasselbe galt für das flämische Parlament sowie die flämische Universität UVB. Das nationale Krisenzentrum riet zudem allen Geschäften der Brüssler Innenstadt, am Samstagnachmittag die Rollläden herunterzulassen. Der belgische Fernsehsender "RTBF" berichtete, der Bürgermeister des Viertels Molenbeek, aus dem besonders viele extremistische Islamisten stammen, habe eine militärische Bewachung aller Supermärkte angeordnet.

Ebenfalls geschlossen blieb das Atomium, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Das Brüsseler Musikfestival Sound/Check, bei dem 130 Musiker in einer Konzerthalle in der Innenstadt auftreten sollten, wurde ebenso abgesagt wie ein Auftritt des Sängers Johnny Hallyday und zahlreiche andere Konzerte in der belgischen Hauptstadt. Nicht stattfinden soll auch das Fußballspiel KSC Lokeren gegen RSC Anderlecht. Die Partie hätte am Nachmittag stattfinden sollen. Alle übrigen Spiele der 16. Runde an diesem Wochenende - drei am Samstag, drei am Sonntag - sollten aber ausgetragen werden.

Bereits in der Nacht auf Sonntag hatte das nationale Krisenzentrum eine Reihe von "Empfehlungen" an die Brüssler Bevölkerung ausgesprochen. "Wir bitten darum, Plätze mit vielen Menschen in der Hauptstadtregion Brüssel zu vermeiden, also Konzerte, Großereignisse, Bahnhöfe, Flughäfen und den öffentlichen Personennahverkehr."

Im Rest Belgiens gilt weiter die Warnstufe 3, was einer "möglichen und wahrscheinlichen" Bedrohung entspricht. Es ist nicht das erste Mal, dass in Belgien die höchste Terrorstufe gilt. Nach Angaben von "RTBF" wurde sie zuletzt im Mai 2014 nach dem Attentat auf das jüdische Museum, bei dem ein Islamist vier Menschen erschoss, für jüdische Einrichtungen ausgerufen.