Erstellt am 24. April 2016, 21:08

von APA/Red

Hofer auf Platz eins. PÖ-Kandidat Norbert Hofer hat den ersten Wahlgang der Bundespräsidentschaftswahl vom Sonntag überlegen gewonnen. Laut ersten Hochrechnungen kommt der FPÖ-Kandidat auf ein Ergebnis von 37 bis 38 Prozent.

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Der nächste österreichische Bundespräsident heißt Norbert Hofer oder Alexander Van der Bellen. Der von der FPÖ nominierte Dritte Nationalratspräsident feierte in der ersten Runde der Hofburg-Wahl einen überraschend klaren Sieg und geht in vier Wochen als Favorit ins Duell mit dem ehemaligen Grünen-Bundessprecher, der dank eines starken Abschneidens in Wien Irmgard Griss auf Distanz halten konnte.

Hofer kommt laut dem amtlichen vorläufigen Endergebnis (ohne Briefwahlstimmen) auf 36,4 Prozent der Stimmen. Van der Bellen setzte sich mit 20,38 Prozent knapp vor Irmgard Griss (18,52 Prozent) durch. Klar geschlagen wurden die Kandidaten der Regierungsparteien SPÖ und ÖVP, Rudolf Hundstorfer und Andreas Khol. Sie kommen beide auf 11,18 Prozent. Baumeister Richard Lugner landete bei 2,35 Prozent. Das vorläufige Endergebnis enthält noch nicht die Briefwahlstimmen, diese werden erst Montagabend vorliegen.

Wahlbeteiligung gestiegen

Die Briefwahlstimmen werden laut einer Prognose von SORA/ORF nur wenig Veränderungen bringen. Hofer wird rund einen Prozentpunkt verlieren, Van der Bellen und Irmgard Griss werden etwas zulegen. Auf die Reihung der Kandidaten werden die Briefwähler keinen Einfluss haben.

Die Wahlbeteiligung ist gegenüber der letzten Präsidentschaftswahl 2010 gestiegen. Sie lag - noch ohne Briefwahlstimmen - bei 59,99 Prozent. Im Jahr 2010 lag die Beteiligung bei 53,6 Prozent.

Zerrissen zeigte sich Österreich bei der Wahl am Sonntag: Wien (samt Umland), Graz und einige andere Städte wählten mehrheitlich Alexander Van der Bellen (Grüne), die kleineren Städte, Landgemeinden und ländlichen Regionen Norbert Hofer (FPÖ). Dieser holte sich acht Länder, nur eines - Wien - ging an Van der Bellen.

Hofer "dankbar und voller Demut"

Wahlsieger Hofer gab sich in einer ersten Reaktion bescheiden. "Dankbar und voller Demut" sei er, sagt der Freiheitliche, der erst lange zu einem Antreten überredet werden musste. Schon deutlicher war sein Chef. Heinz-Christian Strache tönte: "Heute wurde Geschichte geschrieben." Es sei ein "politisch neues Zeitalter aufgeschlagen".

Freilich haben die Grünen die Flinte mitnichten ins Korn geworfen. Bundessprecherin Eva Glawischnig betonte: "Die Chance ist intakt, die Karten sind neu gemischt." Van der Bellen selbst verwendete die idente Wortwahl und gab sich auch überhaupt nicht überrascht, dass es letztlich nur zu Platz zwei reichte: "Ich habe immer gesagt, ich bin ein Außenseiter."

Irmgard Griss wiederum, deren Chancen erst mit den Ergebnissen aus den größeren Städten den Bach herunter rannen, war trotzdem nicht unzufrieden. Sie überlegt sich nun weiter politisch aktiv zu bleiben: "Es gibt so viel, was ich noch tun kann." Griss würde gerne ihre Bewegung "in der einen oder anderen Art weiterführen."

Debakel für Regierungsparteien

Ein Debakel epischen Ausmaßes erlebten am Sonntag jene Parteien, die bisher sämtliche Staatsoberhäupter der Zweiten Republik stellten. Zusammen kamen die Kandidaten von SPÖ und ÖVP nicht einmal auf ein Viertel aller Stimmen. Stellvertretend für viele schwache Ergebnisse steht Graz, wo SPÖ-Mann Hundstorfer und ÖVP-Mann Khol jeweils unter sieben Prozent blieben. Auch in der Stadt Salzburg und in Innsbruck schafften sie die Zweistelligkeit nicht.

Die Regierungskoalition auf Bundesebene wollte deshalb aber zumindest vorläufig niemand auflösen. Parteichef Reinhold Mitterlehner sah die Niederlage Khols in den schwierigen äußeren Rahmenbedingungen begründet und fand als Mit-Schuldigen auch die Meinungsforscher, die mit ihren Umfragen zu taktischem Wählen angeleitet hätten.

Khol ab sofort nur noch "Elder Statesman"

Eine Debatte um den Parteichef gab es nur insofern, als Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer forderte, die Schlappe nicht auf dem Konto Mitterlehners zu verbuchen. Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll, lange selbst als Kandidat gehandelt, gab dann auch gleich der Politik von Kanzler Werner Faymann die Schuld am Wahlausgang. Khol selbst gab sich seinem Schicksal hin: Ab sofort sei er nur noch Elder Statesman.

Hundstorfer bedauerte, dass vom Wähler die "Extreme" gestärkt worden sei und seine vermittelnde Rolle nicht so geschätzt worden sei. Was seine persönliche Zukunft nun bringen wird, konnte Hundstorfer am Wahlabend nicht beantworten: "Ich habe wirklich keinen Plan B." Er werde nun den Abend einmal vorbeigehen lassen und erst dann Überlegungen anstellen. Wahlempfehlung für die Stichwahl wollte er keine abgeben. Klar sei aber, dass er FPÖ-Kandidat Norbert Hofer nicht unterstütze.

Auch SPÖ-Parteichef und Bundeskanzler Werner Faymann wird in der Stichwahl Van der Bellen wählen, will aber keine Wahlempfehlung abgeben. Er sei "natürlich enttäuscht"über das Ergebnis von Hundstorfer, sagte Faymann. "Ich habe mir mehr erwartet und bin traurig darüber, dass das Ergebnis so aussieht." Personelle Konsequenzen werde es allerdings keine geben: "Ich gehe davon aus, dass wir personell gut aufgestellt sind." Das Ergebnis sei jedoch eine "klare Warnung an die Regierung, dass wir stärker zusammenarbeiten müssen", sagte Faymann.