Erstellt am 03. April 2016, 22:43

von APA Red

Hofer und Griss punkten bei erster Elefantenrunde. Die sechs Präsidentschaftskandidaten haben am Sonntagabend ihre erste "Elefantenrunde" absolviert. Größere inhaltliche Überraschungen blieben aus.

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Das Setting hatte der Privatsender "Puls 4" ein wenig aufgefrischt - mit Ja/Nein-Taferln für die Kandidaten und einer Seherumfrage, die der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer und die Unabhängige Irmgard Griss für sich entschieden.

Eigene Taferln hatte diesmal niemand mitgebracht, waren sie doch ohnehin Teil des Sendungskonzepts: Gleich zum Einstieg wurden die sechs Kandidaten aufgefordert, per Signalkelle abzustimmen, ob sie die aktuelle Regierung bereits entlassen hätten. Ein "Ja" hielten nur FPÖ-Kandidat Norbert Hofer und Society-Baumeister Richard Lugner in die Kameras - ersterer wegen der Flüchtlingspolitik.

Von SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer musste sich Hofer dafür vorhalten lassen, mit Notfallparagrafen Politik machen zu wollen. "Sie lösen kein Problem, sondern Sie sind in Wahrheit jemand, der Konflikte schürt", kritisierte Hundstorfer, der den EU-Pakt mit der Türkei zwar skeptisch sieht, die Flüchtlingspolitik der Regierung aber verteidigte.

Bei der Frage, ob der Regierungsbildungsauftrag automatisch der stärksten Partei zufallen sollte, hielten Lugner und der Grüne Alexander Van der Bellen ein "Nein" hoch. Letzterer geriet daraufhin mit Hofer aneinander, der dem Grünen Exparteichef sein Gedankenspiel vorhielt, im Fall einer Absoluten Mehrheit der FPÖ Neuwahlen auslösen zu können. Das sei nur eine "theoretische Option" gewesen, verteidigte sich Van der Bellen: "Man darf schon mal auf die Rechtslage hinweisen."

"Das sind alles Machtphantasierereien von Menschen, die noch nie Regierungsverantwortung getragen haben", empörte sich daraufhin Khol, der sich an das Jahr 2000 erinnert fühlte, als Bundespräsident Thomas Klestil Wolfgang Schüssel (damals allerdings nur Drittstärkster) nur widerwillig zum Kanzler machte. "Da waren wir kurz vor einer präfaschistischen Präsidentendiktatur", wetterte Khol. Nur der Präsident des Verfassungsgerichtshofs habe damals Neuwahlen verhindert.

Einig waren sich alle Kandidaten in ihrer Selbsteinschätzung als "unabhängig" und in ihrer Ablehnung des europäisch-amerikanischen Handelsabkommens TTIP - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Als Feministen bezeichneten sich alle bis auf Hofer.

Weder Ja noch Nein gab es von Hundstorfer und Van der Bellen zur Frage der Sicherung der EU-Außengrenze durch eine gemeinsame EU-Armee. Während Hofer das "ausgehungerte" Bundesheer derzeit nicht einmal in der Lage sieht, die österreichische Grenze zu schützen, antworteten Khol und Griss mit einem klaren Ja: "Wenn die europäische Sicherheit gefährdet ist, dann müssen wir uns einbringen", betonte Griss. Und: "Wenn wir einem Angreifer sagen, wir sind neutral, wird ihn das wenig beeindrucken."

Vom Meinungsforschungsinstitut OGM ließ Puls 4 noch während der Sendung unter 500 Sehern abfragen, wer in der Debatte am besten überzeugen konnte. Ergebnis: Hofer mit 26 Prozent knapp vor Griss mit 24. Der in den Umfragen führende Van der Bellen folgte erst mit 16 Prozent vor Hundstorfer (15), Khol (12) und Lugner (2). Bei der Frage, wer Österreich am diplomatischen Parkett gut vertreten würde, lag Griss knapp vor Hofer. In Puncto Bürgernähe landete Hofer knapp vor Hundstorfer. Khol wurde durchgehend Vorletzter. "Eine Herausforderung, die Performance noch zu verbessern", wie er meinte.

Ein weiteres Aufeinandertreffen aller Kandidaten im Fernsehen wird es kurz vor der Wahl geben - am 21. April im ORF.