Erstellt am 27. April 2016, 21:35

von APA/Red

Hofer und Van der Bellen matchten sich in erstem Medienduell. Drei Tage nach dem ersten Wahlgang sind die beiden verbliebenen Bundespräsidentschaftskandidaten im ORF-Radio zu einer ersten Konfrontation aufeinandergetroffen.

Freundliches Streitgespräch zwischen den verbliebenen Kandidaten  |  NOEN, APA

Stichwahlkampfmäßig befinden sich Norbert Hofer (FPÖ) und Alexander Van der Bellen (Grüne) allerdings noch in der Aufwärmrunde, dieser Eindruck entstand in einer Stunde "Klartext" auf Ö1.

Zu deftigen An- oder gar Untergriffen setzte keiner der beiden an, man gab sich höflich, gar freundlich, und es gab offenbar mehr Gemeinsames als zu erwarten war. "Wir sind schon wieder einer Meinung, Herr Hofer", wunderte sich Van der Bellen einmal. So würde keiner der beiden TTIP unterschreiben, beide würden ihr Amt natürlich parteiunabhängig ausüben wollen, beide reden der direkten Demokratie das Wort, und beide waren der Ansicht, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe mit der Ermittlungsermächtigung in der Causa Böhmermann einen Fehler gemacht.

Beide werben auch mit dem Heimat-Begriff, aber dessen genauer Definition ist man mitnichten ein Herz und eine Seele. So wie in EU-politischen Belangen, wo Hofer "die Interessen Österreichs in den Vordergrund" stellen will. Mit dieser Position werbe er auch um jene Wähler, die beim 1. Wahlgang für die unterlegenen Kandidaten stimmten und nun zu haben sind. "Kein Mensch hat gesagt, wir müssen aus der Europäischen Union austreten", wies er auch zurück, dass die FPÖ dies anstrebe.

Van der Bellen will dagegen die Rolle Österreichs in Europa hervorheben und hofft, damit bei den Wählern von Andreas Khol punkten zu können. Anhänger von SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer, denen wohl Soziales und Arbeitsmarkt ein Anliegen sei, will er mit seiner Wirtschafts-Kompetenz überzeugen, und Fans von Irmgard Griss hofft er davon zu überzeugen, dass er in punkto Unabhängigkeit "einen kilometerweisen Vorsprung vor Herrn Hofer habe".

Den Sager, dass Van der Bellen ein grüner, faschistischer Diktator sei, würde Hofer mittlerweile übrigens "etwas eleganter formulieren", inhaltlich stehe er aber zu der damit geäußerten Kritik. Hofer kritisierte auch, dass Burschenschafter "verteufelt" würden. "Es gibt bei den Burschenschaftern sehr nette und weniger nette - so wie in allen anderen Bevölkerungsgruppen auch." Die Glückwünsche der ungarischen rechtsextremen Jobbik-Partei "freuen mich überhaupt nicht, ich will mit denen nichts zu tun haben", sagte er. Gefragt nach der Grußadresse von Marine LePen meinte er, sie sei "in Frankreich sehr erfolgreich, ich weiß, sie wird in Österreich zum Teil kritisch gesehen".

Van der Bellen blieb bei seiner Ansicht, dass FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nicht in jedem Fall nach der Wahl mit der Regierungsbildung beauftragt werden müsse. "Mir geht es in dieser Frage nicht um die Person Strache, mit dem ich viele Zigaretten im Raucherkammerl des Parlaments geraucht habe", betonte er. Er wolle "Schaden von Österreich" abwenden. Was die Debatte um den Heimat-Begriff angeht, sagte der als Sohn einer estnischen Mutter und eines russischen Vaters in Wien geborene und in Tirol Aufgewachsene : "Ich war ein Ausländer, jetzt bin ich ein perfekter Österreicher."