Erstellt am 17. Dezember 2015, 16:25

von APA/Red

In Bach gestürztes Kleinkind starb in Krankenhaus. Dramatische Szenen haben sich in der Nacht auf Donnerstag im obersteirischen Kalwang abgespielt.

Ein knapp dreijähriges Mädchen verschwand aus der elterlichen Wohnung und wurde Stunden später reglos in einem etwa einen Kilometer entfernten Bach gefunden. Die Ärzte versuchten stundenlang vergeblich, das Kind ins Leben zurückzuholen. Die Polizei steht erst am Anfang der Ermittlungen.

Die 21-jährige Mutter hat ihr Kind eigenen Angaben zufolge gegen 19.30 Uhr im Kinderzimmer ins Bett gebracht. Der Vater war an dem Abend nicht zu Hause. Kurz nach Mitternacht ging die Frau zur Toilette und bemerkte ihren Angaben zufolge, dass die Wohnungstür in dem Mehrparteienhaus im Bezirk Leoben offen war, hieß es seitens der Ermittler. Der Schlüssel hatte zuvor an der versperrten Tür gesteckt. Als die Frau das Mädchen nicht finden konnte, rief sie die Polizei.

Mehr als 40 Leute der umliegenden freiwilligen Feuerwehren, Diensthundeführer, die Rettungshundebrigade und andere Helfer suchten nach dem Kind. Gegen 2.40 Uhr fand man die Kleine schließlich im Liesingbach treibend. Die Einsatzkräfte holten den reglosen Körper aus dem Wasser und begannen sofort mit den Wiederbelebungsmaßnahmen.

Das Rote Kreuz brachte die Kleine ins LKH Graz. Dort hatte sie nur mehr eine Körpertemperatur von zehn Grad Celsius, schilderte Wolfgang Toller, Chef der Anästhesie am LKH: "Das Herz hat keinen Schlag mehr gemacht." Bis etwa 10.00 Uhr kämpften die Ärzte um das Leben des Mädchens. "Wir haben über eine Maschine versucht, das Kind künstlich aufzuwärmen, aber wir haben den Kreislauf nicht mehr in Gang bekommen", sagte Toller. Entsprechend der geringen Körpertemperatur dürfte das Mädchen mehrere Stunden im Bach gelegen sein.

Der Grazer Mediziner ging davon aus, dass das Mädchen zuerst mit dem Kopf unter Wasser zu liegen kam, bewusstlos wurde und immer weiter abkühlte. In der Lunge des Kindes soll sich Wasser befunden haben. Der Vater des Kindes vermute, dass sich das Kind im Pyjama schlafwandelnd auf den Weg gemacht habe, sagte Toller. Dabei hat es einen Weg von rund einem Kilometer bis zum Liesingbach zurücklegen müssen. Aus der Sicht des Arztes wäre das durchaus plausibel. Äußerlich habe die Kleine keine Verletzungen gehabt.

Seitens der Polizei hieß es, dass die Ermittlungen erst angelaufen seien. Bisher könne auch Fremdverschulden nicht ausgeschlossen werden. Die Staatsanwaltschaft Leoben hatte bis Donnerstagnachmittag noch keine Obduktion angeordnet. Diese könnte wohl zumindest klären, ob das Mädchen ertrunken oder erfroren ist. Die genauen Umstände müssen erst geklärt werden. Beide Elternteile waren unter Schock, wurden vom Kriseninterventionsteam betreut und konnten noch nicht vernommen werden.