Erstellt am 28. April 2016, 09:56

Kärnten: 9.000 Haushalte ohne Strom. Rund 9.000 Kärntner Haushalte sind am Donnerstag in der Früh nach dem heftigen Schneetreiben vom Vortag noch ohne Stromversorgung gewesen.

 |  NOEN, APA

Die Feuerwehren verzeichneten fast 700 Einsätze, die Straßenräumdienste von Land, Gemeinden und Asfinag waren im Dauereinsatz. Das ganze Ausmaß der Schäden war vorerst nicht absehbar, der Zugsverkehr musste in der Früh teilweise wieder eingestellt werden.

"Wir haben rund 200 Monteure im Einsatz", sagte Kelag-Sprecher Josef Stocker in der Früh auf APA-Anfrage. Besonders betroffen waren die Bezirke Klagenfurt-Land, Villach-Land und Völkermarkt. Vereinzelte Stromausfälle gab es auch in den Bezirken St. Veit/Glan und Wolfsberg.

Das Rote Kreuz rückte in der Nacht aus, um Hunderte Menschen mit Verpflegung und heißen Getränken zu versorgen, die auf der Karawankenautobahn (A 11) feststeckten. Auch auf der Südautobahn zwischen Klagenfurt und Villach mussten Autofahrer zum Teil sechs Stunden und länger warten, bis sie endlich weiterfahren konnten.

Fast 2.000 Feuerwehrleute waren von Mittwochmittag an im Dauereinsatz, in Klagenfurt wurden weit mehr als 200 Einsätze registriert. Für Donnerstagvormittag hatten die Klagenfurter Feuerwehren zu einer Pressekonferenz zum Thema "Einsatzbilanz 2015" geladen, dieser Termin wurde aufgrund der Wettersituation kurzfristig abgesagt.

In den Karawanken hatte es nach Auskunft von Christian Stefan von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Klagenfurt 70 bis 80 Zentimeter Neuschnee gegeben. Die Wetterstationen auf der Pack und am Loibl maßen 30 bis 40 Zentimeter. "Das ist für Ende April außergewöhnlich", sagte Stefan gegenüber der APA.

Man habe nicht damit gerechnet, dass es im Zentralraum und östlich davon derartig viel schneien würde. Die Schneefallgrenze sei etwas tiefer gesunken als vorherberechnet, daher sei so viel Schnee liegen geblieben. Für den Donnerstag rechnete Stefan lediglich mit einigen Millimetern Niederschlag, das Italientief sei bereits abgezogen.

Die Verkehrssituation hatte sich nach Auskunft der Polizei ein wenig beruhigt. Vor Fahrten in höher gelegene Gebiete ohne Winterausrüstung wurde aber ausdrücklich gewarnt, so herrschte am Loibl Kettenpflicht. Schwieriger war die Situation für die ÖBB.

Nachdem der Zugsverkehr in der Nacht auf Donnerstag kurzfristig wieder aufgenommen werden konnte, musste die Südbahn in der Früh ebenso wieder gesperrt werden wie diverse S-Bahn-Linien. Grund war laut ÖBB-Sprecher Christoph Posch ein neuerlicher Stromausfall. "Wir haben auf der Südbahn zwischen St. Veit, Klagenfurt und Villach keine Stromversorgung." Im Gegensatz zum Mittwoch konnte aber ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden, knapp nach 9.00 Uhr war die Stromversorgung wiederhergestellt, der Zugsverkehr wurde wieder aufgenommen.´

In der Steiermark waren hingegen fast alle der über 6.000 betroffenen Haushalte wieder mit Strom versorgt, wie von den Energienetzen Steiermark auf APA-Anfrage mitgeteilt wurde. Auch die Verkehrssituation hatte sich entspannt, bis auf eine Landesstraße waren alle Verbindungen normal passierbar. Die Feuerwehren verzeichneten mindestens 300 Einsätze.

Rund 40 Haushalte waren in der Früh noch ohne elektrische Energie. "Es ist natürlich vieles im Moment provisorisch repariert, wir müssen in den nächsten Tagen noch viel arbeiten", sagte ein Sprecher. Die Arbeit für die Monteure, die bis 3.00 Uhr früh unterwegs gewesen waren, sei auch durch Schneeglätte und Eis gefährlich gewesen.

Man rechne damit, dass die letzten Leitungen in den nächsten Stunden wieder instand gesetzt werden können. Betroffen waren vor allem die West- und Oststeiermark, hier hatten der schwere Nassschnee zahlreiche Bäume geknickt, diese wiederum waren auf Stromleitungen gestürzt.

Rund 180 steirische Feuerwehren verzeichneten laut dem Landesverband an die 300 Einsätze mit rund 800 Kräften. Beim Großteil der Einsätze waren Äste bzw. Bäume zu entfernen, die durch die Schneelast geknickt und auf die Straßen gefallen waren. Weiters waren Hagelnetze bei Obstkulturen von der Nassschneelast zu befreien sowie Fahrzeuge nach Unfällen zu bergen bzw. hängen gebliebene Pkw oder Lkw wieder flott zu machen.

Mitunter gab es auch Alarmierungen zu schwereren Unfällen mit eingeklemmten Personen, sagte Sprecher Thomas Meier. Hauptbetroffen sind die Bereiche Deutschlandsberg, Feldbach, Graz-Umgebung, Leibnitz, Voitsberg und Weiz. Das Oberland blieb von flächendeckenden Auswirkungen der Kälte und des Neuschnees weitgehend verschont.

Am Donnerstag begann die Aufarbeitung der Schäden bzw. die Evaluierung des Schadensausmaßes. Betroffen war im Westen und Osten der Steiermark vor allem die Landwirtschaft und hier Obstkulturen. Agrarlandesrat Hans Seitinger (ÖVP) befürchtete Schäden in Höhe von zig Millionen Euro. Viele bäuerliche Betriebe stünden durch einen zu befürchtenden Ernteausfall wegen des Frosts und des schweren Neuschnees am Rande der Existenz.

Schneekettenpflicht für Lkw herrschte in der Früh noch auf der Niederalpl Landesstraße zwischen Wegscheid und Mürzsteg, Pkw kamen nur mit Winterbereifung weiter.